Ingenieurgemeinschaft igk Krabbe Auch der Prager Regierungschef baut auf Osnabrücker Ingenieurskunst

Von Norbert Meyer


Osnabrück. Wirtschaftsbauten entstehen am kostengünstigsten mithilfe von Architekten. Davon zeigt sich der Osnabrücker Unternehmer Uwe Krabbe überzeugt. Viele Häuslebauer hingegen beauftragen Generalunternehmer.

Dafür zeigt Krabbe Verständnis. Doch der Architekt, Geschäftsführer und Eigentümer der Ingenieurgemeinschaft igk Krabbe aus Osnabrück verweist auf Unterschiede zwischen dem Bau von Einfamilienhäusern und beispielsweise Fabrikhallen. Sie bestehen vor allem darin, dass gewerbliche Auftraggeber das Bauen oft als notwendiges Übel betrachten und froh sind, wenn sich ein Treuhänder darum kümmert. Genau als solcher bezeichnet sich Krabbe mit seinem Unternehmen.

Wer die Firma besucht, fühlt sich wie in ein Museumsdorf versetzt. In renovierten Fachwerkhäusern, von Grün umgeben, befinden sich die Büros der 55 Mitarbeiter. Ein angrenzender früherer Schlecker-Markt gehört auch dazu. „Ursprünglich stand hier nur ein Heuerhaus vom Gut Hettlage aus dem Jahr 1737“, erklärt Krabbe, der die Geschäfte des Unternehmens zusammen mit seinem Architektenkollegen Christoph Dieckmann (56) führt. Die übrigen Gebäude im Stadtteil Atter habe sein Vater Werner Krabbe erst nach dem Grundstückskauf 1985 errichtet.

Firma bald 60 Jahre alt

Zusammen mit einem Partner hatte Werner Krabbe die heutige Ingenieurgemeinschaft 1959 in Osnabrück gegründet. Der Umzug an den jetzigen Standort erfolgte 1987. Uwe Krabbe leitet seit 1999 das Unternehmen, in dem auch schon die Söhne Bleike (29) und Helge (26) Führungsaufgaben übernommen haben. Bleike Krabbe beantwortet die Frage nach dem Umsatz mit „im Schnitt etwa fünf Millionen Euro pro Jahr“.

Namhafte Unternehmen aus der Region bauen auf den Generalplaner igk Krabbe. „Manchmal beginnt es schon mit der Hilfe bei der Suche nach einem passenden Grundstück“, so Dieckmann. Danach folgten Planung und Statik, Ausschreibung der Einzelgewerke, Bauleitung und Bauüberwachung bis zur Schlüsselübergabe. Das größte igk-Projekt steht in der Lutherstadt Wittenberg kurz vor dem Abschluss. Es ist der Neubau einer Großbäckerei für die Agrofert Deutschland GmbH. Die Agrofert-Gruppe mit Hauptsitz in Prag gehört dem tschechischen Ministerpräsidenten und Milliardär Andrej Babis. Teil der Gruppe ist der deutsche Brothersteller Lieken („Golden Toast“, „Lieken Urkorn“), für den bereits Produkte in der fast fertigen neuen Fabrik nahe der Elbe vom Band laufen.

„Unschlagbar“ nennt Geschäftsführer Dieckmann den nur fünfmonatigen Zeitraum zwischen der Erteilung des Planungsauftrags und dem ersten Spatenstich in Wittenberg im März 2016. „Das kann kein Generalunternehmer“, pflichtet ihm Uwe Krabbe bei. Besonders bei diesem Projekt sei gewesen, dass das Engineering für die Backtechnik und die Erstellung des Gebäudes parallel gelaufen seien. Das Gesamtinvestment von Agrofert liege bei 300 Millionen, der Bauanteil bei rund 90 Millionen Euro.

Ausländische Fachkräfte willkommen

Gut die Hälfte ihres Geschäfts macht igk Krabbe inzwischen außerhalb seiner Heimatregion, wobei die Entfernung von etwa 500 Kilometern zur Baustelle in Wittenberg schon „ein Kraftakt“ war, wie Uwe Krabbe einräumt. In näherer Entfernung zu Osnabrück sind der Tiefkühltortenhersteller Coppenrath & Wiese und der Chemiekonzern BASF mit seinem Standort in Lemförde (vormals Elastogran) die wichtigsten Auftraggeber. Einen städtebaulichen Architektenwettbewerb hatte igk Krabbe für den Neubau der Zentrale des Unternehmens Kaffee Partner in Osnabrück gewonnen, den Architektenentwurf für die Verwaltung das Büro 3deluxe. In Arbeitsgemeinschaft mit 3deluxe realisierte igk dieses Projekt. Den Rohbau errichtete die MBN Bau AG aus Georgsmarienhütte gemeinsam mit dem Unternehmen Becker aus Hasbergen.

Wegen der Hochkonjunktur am Bau sind Fachkräfte aus dem Ausland bei igk sehr willkommen. Zu ihnen gehört seit gut einem Jahr die 28-jährige Ingenieurin Ema Hot Dedic aus Bosnien-Herzegowina. „Sie ist hervorragend ausgebildet“, sagt Uwe Krabbe. Und noch etwas freut den Chef und Inhaber: der erste Platz beim Wettbewerb „FirmenGärten“ in Niedersachsen und Bremen, den sein Unternehmen 2014 belegte.


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