Krebserregender Baustoff Russische Asbestfirma wirbt mit Konterfei von Donald Trump

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Chrysotil oder weißer Asbest findet sich häufig in Asbestzement oder wurde zum Brandschutz verwendet. Foto: imago/Arnulf HettrichChrysotil oder weißer Asbest findet sich häufig in Asbestzement oder wurde zum Brandschutz verwendet. Foto: imago/Arnulf Hettrich

Asbest. Der US-Präsident und die US-Umweltbehörde verharmlosen gefährliches Asbest. Das macht sich ein russisches Unternehmen zunutze.

US-Präsident Donald Trump ist "Werbegesicht" für einen der größten Asbest-Produzenten der Welt – das russische Unternehmen Uralasbest. Auf Verpackungsmaterial einer Lieferung von Chrysotil, auch bekannt als Weißasbest, ist das Konterfei des Republikaners in roter Farbe aufgedruckt. Mit "Genehmigt von Donald Trump, 45. Präsident der Vereinigten Staaten“, ist der Aufdruck beschriftet. Das Unternehmen spricht von einer Danksagung: "Auf diese ungewöhnliche Weise dankten die Arbeiter der asbestverarbeitenden Anlage US-Präsident Donald Trump für seine Worte zur Verteidigung von Chrysotil-Asbest."

Trump hatte den krebserregenden Baustoff in seinem 1997 veröffentlichten Buch "The Art of the Comeback" als "100 Prozent sicher, sobald er verbaut ist“ bezeichnet. 2012 twitterte Trump, das World Trade Center sei nach den Anschlägen vom 11. September "niemals abgebrannt", wenn Asbest nicht aus dem Gebäude entfernt worden wäre.

Neuen Anschub bekam diesen Aussagen durch den ehemaligen Leiter der amerikanischen Umweltbehörde. Bis zu seinem Rücktritt Anfang Juli hatte der Jurist Scott Pruitt diesen Posten inne. Pruitt hatte etwa einen Monat zuvor angekündigt, Asbest nicht mehr auf etwaige Gesundheitsgefährdungen untersuchen zu lassen. 

Asbest ist krebserregend und kann die Lunge schwer schädigen. Wie in Europa war das faserige Silikatmineral als Baustoff in den USA weit verbreitet, bevor es durch wissenschaftliche Erkenntnisse, die ernste Gesundheitsgefahren belegten, in Ungnade fiel. Allerdings haben die Amerikaner noch kein Verbot erlassen, sondern lediglich die Verwendung massiv eingeschränkt. Anders in Deutschland und Europa; hier ist der Gebrauch verboten. Nicht so jedoch in Russland. Das Land ist einer der größten Asbest-Produzenten, der Stoff wird dort immernoch vielfach verbaut. 

Laut einem Bericht des "Wall Street Journal" sei die Verwendung von Asbest in den USA in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen. An einigen Stellen werde es aber noch genutzt, etwa in der Chloralkali-Industrie. Bis vor kurzem seien laut "Wall Street Journal" noch 95 Prozent des Asbests aus Brasilien importiert worden, der Rest aus Russland. Ein Verbot des Abbaus, der Verwendung und des Verkaufs von Asbest in Brasilien habe dann aber den Markt geöffnet, schreibt das Portal "Chemical & Engineering News". Demzufolge könnte Uralasbest profitieren.

Das Unternehmen besitzt eine riesige Mine in der russischen Stadt Asbest. Ein Verbündeter soll der russische Präsident Wladimir Putin sein. Und geht es nach den Arbeitern nun auch Donald Trump.



Asbest - eine Krebsgefahr

Asbest ist heute ein Schreckenswort. Lange aber galt der Stoff als Wundermittel: nicht brennbar, elastisch, kaum kaputt zu kriegen und dazu billig – Eigenschaften, die Asbest zu einem beliebten Baustoff machten.

Die Gesundheitsgefahren von Asbest

Die verheerenden gesundheitlichen Gefahren waren dabei schon Jahrzehnte bekannt. Eingeatmete Asbestfasern setzen sich in der Lunge fest. Der Körper kann sie nicht abbauen. Die Fasern reizen das Gewebe und führen zu Vernarbungen: Asbestose lautet der Fachbegriff.

Asbest kann die Lunge schwer schädigen und Krebs auslösen, auch Jahrzehnte nach dem Kontakt. So kann ein Mesotheliom entstehen. Der bösartige Tumor kann am Rippenfell, Bauchfell oder Herzbeutel auftreten. Viele Betroffene sterben binnen eines Jahres, sagt Prof. Xaver Baur, Präsident der Europäischen Gesellschaft für Umwelt- und Arbeitsmedizin. Die Ursache für Mesotheliome ist in den meisten Fällen Asbest.

Wer sicher weiß oder den Verdacht hat, Asbest eingeatmet zu haben, sollte sich regelmäßig untersuchen lassen, rät der Bundesverband der Asbestose Selbsthilfegruppen. Lungenfachärzte können Asbestose sowie mögliche Folgeerkrankungen erkennen. Als Mittel stehen den Medizinern Röntgen, Computertomographie, Blutuntersuchungen und Lungentests zur Verfügung. Die Vorsorge wird von der Zentralen Erfassungsstelle für asbeststaubexponierte Arbeitnehmer (GVS) organisiert.

Laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) wurden 2015 knapp 10.000 neue Verdachtsfälle für Asbesterkrankungen gezählt. Die Zahlen sind seit Jahren auf diesem Niveau, zeigt die Statistik. Ein Rückgang ist nicht abzusehen. Mehr als 1500 Menschen sind 2015 nach Zahlen der DGUV an Asbesterkrankungen gestorben.

Verbot von Asbest

Während Asbest 1993 in Deutschland und 2005 in der gesamten EU verboten wurde, gibt es in den USA kein Verbot, sondern die Verwendung unterliegt strengen Einschränkungen und Auflagen. In Entwicklungs- und Schwellenländern hingegen, zum Beispiel China, Indien und Russland, wird Asbest allerdings noch häufig eingesetzt. Asbest ist deutlich billiger als Ersatzstoffe und die Gefährlichkeit wird von den Verantwortlichen meist ignoriert.

Mehr Informationen zum Umgang mit Asbest gibt es auf den Seiten des Umweltbundesamts.

Mit Material von dpa

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