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Rukwied fordert schnelle Hilfen Dürre: Zwei Milliarden Euro Schaden für Landwirtschaft?

Von Dirk Fisser

Ein Kartoffelfeld in Baden-Württemberg. Foto: imago/Oliver WilikonskyEin Kartoffelfeld in Baden-Württemberg. Foto: imago/Oliver Wilikonsky

Osnabrück. Kein Regen in Sicht – das lässt Landwirte und Waldbesitzer verzweifeln. Die Versicherungsbranche taxiert die Schäden mittlerweile auf mindestens zwei Milliarden Euro.

Das sei „ein krasser Ausreißer nach oben“, teilte der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Donnerstag in Berlin mit. Im Schnitt der vergangenen 25 Jahre hätten Wetterrisiken - Sturm, Hagel, Trockenheit und Überschwemmungen - jährliche Ernteausfälle von gut 500 Millionen Euro verursacht. Einen ähnlich hohen Schaden mit fast zwei Milliarden Euro habe es zuletzt 2003 gegeben. Damals herrschte ebenfalls eine erhebliche Trockenheit. GDV-Landwirtschaftsexperte Rainer Langner erläuterte, dass sich Bauern zwar gegen Dürreschäden versichern könnten. „Nur sind die Prämien und Selbstbehalt tatsächlich so hoch, dass sich diesen Versicherungsschutz im Augenblick kaum ein Landwirt leisten kann.“

Entscheidung kommende Woche?

Der Bauernverband hatte zuvor Hilfszahlungen in Höhe von einer Milliarde Euro ins Spiel gebracht. Die Bundesregierung reagierte zunächst zurückhalten: Bis zum 8. August sollen die Länder Zahlen nach Berlin liefern, wie schlecht die Ernte tatsächlich ausfällt. Dann will Bundesagrarministerin Julia Klöckner entscheiden. Albert Stegemann, agrarpolitischer Sprecher der Union im Bundestag, unterstützte das. Er sagte: „Dieses Vorgehen halte ich für richtig. Es geht um Steuergelder und diese müssen gezielt und haushaltsrechtlich einwandfrei eingesetzt werden.“ Stegemann verwies darauf, dass die Bundesländer bereits jetzt Möglichkeiten zur Hilfe hätten.

„Noch ist Zeit, um Insolvenzen zu verhindern“

Der Bauernverband drängte die Landesregierungen zum schnellen Handeln. Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte unserer Redaktion: „Viele Bauern brauchen eine schnelle Unterstützung, um liquide zu bleiben. Noch ist Zeit, um Insolvenzen zu verhindern.“ Nach den Lagemeldungen aus den Landesbauernverbänden seien vielerorts die Voraussetzungen für Finanzhilfen klar erfüllt. Die amtlichen Statistiker in Niedersachsen gehen mittlerweile davon aus, dass die Ernte in dem Bundesland so schlecht wie seit 42 Jahren nicht mehr ausfällt. „Die Bundesländer müssen jetzt zügig handeln und der Bund muss folgen“, so Rukwied. Unterdessen sagte die EU-Kommission zu, dass große Teile der EU-Agrarsubventionen früher ausgezahlt werden als üblich. Die Gelder machen auf vielen Höfen fünfstellige Beträge aus.

Bauernpräsident Joachim Rukwied. Foto: David Ebener

Der Bauernpräsident betonte indes, dass die deutsche Landwirtschaft ihre Verantwortung in der Klima-Debatte sehr ernst nehme. „Wir wissen, dass auch wir Teil der Lösung sein müssen und wir handeln auch.“ Der Verband habe unter anderem eine Klimastrategie erstellt mit dem Ziel, den Treibhausgas-Ausstoß der Landwirtschaft zu verringern. Zuletzt hatten Umweltverbände wie Greenpeace auf eine Mitschuld der Landwirtschaft am Klimawandel und damit letztlich an der jetzigen Dürre hingewiesen. (Weiterlesen: Welternährungsorganisation: Müssen uns an Dürren gewöhnen) (mit dpa)


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