FAO fordert Maßnahmen gegen Klimawandel Welternährungsorganisation: Müssen uns an Dürren gewöhnen

Von Dirk Fisser

Ein Weizenfeld in Baden-Württemberg. Foto: dpaEin Weizenfeld in Baden-Württemberg. Foto: dpa

Osnabrück. Angesichts der Dürre in weiten Teilen Deutschlands und Europas hat die Welternährungsorganisation (FAO) die Regierungschefs der Länder aufgerufen, das Klima-Abkommen von Paris umzusetzen und den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Alexander Jones, Direktor der Abteilung für Klima- und Umweltfragen bei der FAO: „Wir müssen uns daran gewöhnen, dass so etwas immer öfter vorkommen wird. Nicht nur in Europa, sondern weltweit.“

Der Ausstoß an Treibhausgasen müsse reduziert und der Temperaturanstieg somit ausgebremst werden. „Wenn wir den Anstieg nicht kappen, wird es weiter nach oben gehen, und an einem Punkt bricht das System dann zusammen“, sagte Jones.

Der Klimawandel sei eine Bedrohung für die Welternährung. 830 Millionen Menschen litten bereits jetzt unter mangelnder Ernährungssicherheit. Jeder Temperaturanstieg sei für sie lebensbedrohend. Jones betonte: „Eine Missernte in Deutschland bedeutet wirtschaftliche Not und vielleicht Pleiten. In Afrika bedeutet das Tod.“ Die Verbraucher in den industrialisierten Ländern müssten sich indes auf steigende Preise für verderbliche Ware wie Obst und Gemüse einstellen. Deren Herstellung sei besonders anfällig für Wetterkapriolen.

Kritik an Hilfsforderungen

Die moderne Landwirtschaft ist aus Sicht ihrer Kritiker nicht nur Opfer des Klimawandels, sondern auch Mitverursacher. Gerade der Ruf nach Staatshilfen für Bauern rief Umweltschützer umgehend auf den Plan: Greenpeace etwa warnte vor einem „Fass ohne Boden“, wenn die Branche ohne ein Umsteuern bei der nächsten Dürre wieder Hilfen bekommen müsste. „Statt eine Milliarde Euro zusätzliche Subventionen zu verpulvern, sollte das Geld eingesetzt werden, um die massiven Treibhausgas-Emissionen aus dem Agrarsektor zu reduzieren und die Landwirtschaft der Erdüberhitzung anzupassen.“ Die Organisation WWF forderte von der Bundesregierung ein Sofortprogramm gegen Ursachen der Erderwärmung: „Wenn wir weiter nichts tun, wird das Extremwetter dieses Sommers bald zum Normalzustand werden.“

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Klöckner rechtfertigte staatliche Unterstützung bei extremen Wetterschäden grundsätzlich. Es gehe bei Lebensmitteln nicht um irgendein Produkt. Bei Komplettausfällen drohe Kleinbetrieben, dass sie dichtmachen müssten. Eine „regionsnahe“ Versorgung sei aber zu sichern. Generell gehe es um eine umwelt- und klimaschonendere Bewirtschaftung. Die Ministerin fügte aber hinzu: „Es wäre unfair, dem Landwirt, der jetzt gerade um seine Existenz bangt, die große Aufgabe Klimawandel vor die Tür zu kippen.“

FAO: Ausstoß senken

Laut FAO-VertreterJones stammten weltweit etwa 25 Prozent der Treibhausgase aus der Landwirtschaft, davon wiederum die Hälfte aus der Tierhaltung. „Wir haben Techniken, um die Emissionen um etwa ein Drittel zu senken.“ Dabei gehe es um besseren Futtermitteleinsatz, Züchtung von Tieren, aber auch ein besseres Management im Umgang mit Gülle und Mist. Die Regierungen müssten Landwirte dabei unterstützen und zugleich die Branche krisenfester gegen Wetterextreme aufstellen. „Das stand gerade in industrialisierten Ländern bislang nicht im Fokus“, so Jones.

Nach Zahlen der FAO wird die Getreideproduktion in diesem Jahr in Europa mit geschätzten 293,5 Millionen Tonnen etwa fünf Prozent geringer ausfallen als im Vorjahr. Die stärksten Einbußen seien bei Weizen und hier insbesondere in Deutschland zu erwarten. Auch weltweit wird mit schlechteren Erntebilanzen gerechnet. „Wenn sich die Vorhersagen bestätigen, dann wird die Getreideerzeugung nicht ausreichen, den Bedarf im Jahr 2018/ 2019 zu decken“, heißt es von der FAO.

Um den Welthunger zu stillen, müssten also die Reserven von Mais, Weizen und Roggen angegriffen werden. Der globale Getreidevorrat aus den vergangenen fünf Jahren sinke damit um acht Prozent auf dann noch 744 Millionen Tonnen.


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