Firmenporträt Spartherm: Feuer und Flamme

Von Christoph Lützenkirchen

Das Unternehmen Spartherm setzt auf eine hohe Fertigungstiefe. Neben dem Hauptsitz in Melle hat Spartherm auch einen Produktionsstandort in Polen. Foto: SparthermDas Unternehmen Spartherm setzt auf eine hohe Fertigungstiefe. Neben dem Hauptsitz in Melle hat Spartherm auch einen Produktionsstandort in Polen. Foto: Spartherm

Osnabrück. Die Erfolgsgeschichte begann 1986 im Wohnzimmer. Manfred Rokossa, Gründer, Eigentümer und Geschäftsführer des Meller Unternehmens Spartherm, saß gern am offenen Kamin. Doch seine Frau störte sich an Rauch und Funken des Feuers.

Manfred Rokossa, zu diesem Zeitpunkt Chef einer Schlosserei mit zwei Angestellten, entwickelte daraufhin einen Kamineinsatz mit Glasscheiben – das schöne Feuer war zu sehen, der Haussegen gerettet. Die heutige Spartherm Feuerungstechnik beschäftigt allein in Melle fast 300 Menschen.

Aus dem Prototypen sind über die Jahre insgesamt 86 verschiedene Kamineinsätze geworden, die das Unternehmen anbietet. Außerdem 17 Kaminkassetten und -türen, 36 Kaminöfen, 53 Gaskamine und -kaminöfen, 28 Geräte für den Betrieb mit Bioethanol und fünf gasbetriebene Outdoorkamine. Bei der Produktion setzt Spartherm auf eine hohe Fertigungstiefe. Kaminöfen und -einsätze, Ethanol- und Gasgeräte für den Outdoorbereich werden selbst hergestellt. Dabei gibt es eine Arbeitsteilung zwischen dem Firmensitz in Melle und dem polnischen Standort Strzelce Krajenskie, nahe der schlesischen Heimat des Firmengründers. 

Dort beschäftigt Spartherm 500 Mitarbeiter, die Rohkorpuse fertigen. Täglich verkehren zwei bis drei Lkw zwischen den beiden Standorten. Die Endproduktion sämtlicher Geräte erfolge in Melle, erklärt Unternehmenssprecher Jörn Konert: „Wir arbeiten ausschließlich mit Stahl, dabei handelt es sich um Baustahl und hitzefesten Spezialstahl. Mit diesem Material können wir unseren Kamineinsätzen und -öfen eine sehr individuelle Form geben. Ein weiteres wichtiges Material sind hitzefeste Gläser.“

Die Qualifikationen der Mitarbeiter sind breit gestreut: Spartherm beschäftigt unter anderem Schlosser, Schweißer, Lackierer, Produktdesigner, Ingenieure und Industriekaufleute. Ausgebildet wird aktuell für die Berufe Produktdesigner, Schlosser, Industriekaufmann, Technischer Zeichner und Lagerlogistiker. Bei Neueinstellungen strebe man grundsätzlich die Beschäftigung bis zum Renteneintritt an, so Konert.

Nach einem Rekordumsatz in Höhe von 63,5 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2011 haben die Meller Feuerungsspezialisten allerdings mit Einbrüchen bei ihren Kernprodukten zu kämpfen. Besonders schmerzhaft ist der Rückgang bei der Cash Cow, den Kamineinsätzen. Hier sank der Absatz von 37.500 Stück im Jahr 2010 auf 25.500 Stück in 2017. Vom Jahresumsatz 2017 in Höhe von gut 59 Millionen Euro entfielen allein auf die Kamineinsätze gut 33 Millionen Euro.

Auch bei der zweiten großen Produktgruppe, den Kaminöfen, musste Spartherm Absatzrückgänge verkraften. „Nachdem es in den 1990er Jahren einen Boom bei Kaminöfen und -sätzen gegeben hat, ist der Markt seit den Nuller-Jahren gesättigt“, erklärt Spartherm-Sprecher Konert: „Wir bewegen uns also in einem Verdrängungsmarkt.“ Dennoch sei das Unternehmen in Deutschland bei Kamineinsätzen Marktführer.

Trotz der Probleme ist das Geschäftsvolumen des Meller Holzhandelsunternehmens Schäfer mit Spartherm in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Laut Geschäftsführer Johannes Schäfer liefert man monatlich etwa 2000 Europaletten und rund zehn Kubikmeter Schnittholz für Verpackungen an Spartherm. Den Geschäftspartner beschreibt Schäfer als unkompliziert und zuverlässig. „Die Entscheidungswege sind kurz.“

Ungeachtet der schwierigen Marktlage hat Spartherm in den letzten zehn Jahren allein in Melle mehr als fünf Millionen Euro investiert, unter anderem für den Ausbau eines firmeneigenen Schulungszentrums. Man setzt auf den Erfolg neuer Produktgruppen, beispielsweise auf ethanol- oder gasbetriebene Geräte. Außerdem rechnet man mit einem weiter steigenden Exportanteil. „Wir wollen in weiteren Märkten die Marktführerschaft erringen“, so Konert: „Dazu zählen beispielsweise die USA und Neuseeland.“


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