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29.07.2018, 17:32 Uhr KOMMENTAR ZU VW

Winterkorn, Middelhoff und Co.: Kriminelle Raffkes

Kommentar von Katharina Ritzer

Erfolgreich und lässig, so inszenieren sich Manager vom Schlage des Ex-VW-Chefs Martin Winterkorn gerne. Was sie aber ebenso zu einen scheint, ist die Gier. Foto: Julian Stratenschulte/dpa-ArchivErfolgreich und lässig, so inszenieren sich Manager vom Schlage des Ex-VW-Chefs Martin Winterkorn gerne. Was sie aber ebenso zu einen scheint, ist die Gier. Foto: Julian Stratenschulte/dpa-Archiv

Osnabrück. Rund zehn Millionen Euro soll Ex-VW-Chef Martin Winterkorn in den vergangenen zwei Jahren auf Schweizer Konten überwiesen haben. Weil der Verdacht besteht, das fällige Steuern nicht bezahlt wurden, ermittelt die Staatsanwaltschaft. Es könnte ein Zusammenhang mit dem VW-Dieselskandal bestehen. Anlass für Verwunderung bietet diese neue Entwicklung allerdings nicht. Ein Kommentar.

Da betrügt einer notorisch in seinem Tagesgeschäft, erfindet frei Fakten und richtet dabei einen milliardenschweren volkswirtschaftlichen Schaden an. Als ihm die Staatsanwaltschaft auf den Fersen ist, überweist er seiner Frau schnell ein paar Millionen in die Schweiz – quasi als Notgroschen und vermeintlich geschützt vor Forderungen nach Schadenersatz. Nein, die Rede ist nicht von Martin Winterkorn – sondern von Jürgen Schneider.

Erinnert sich noch wer an den „Baulöwen“? Der bei seinen Projekten ganze Stockwerke hinzu fantasierte und die vor Gier blinden Banken bediente? Für den Schaden von 50 Millionen Mark, der seinem Haus entstand, fand der damalige Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper den Begriff „Peanuts“. Der wurde zum Unwort des Jahres 1994 gekürt.

Mehr als zwei Jahrzehnte nach Schneider hat sich an der Unmoral deutscher Spitzenmanager vom Schlage eines Martin Winterkorn offenbar nichts geändert. Tricksen, Tarnen und Täuschen gehören nach wie vor selbstverständlich dazu. Ebenso das Gefühl, wegen der eigenen Millionengagen über der Gesellschaft zu stehen und möglichst keine Steuern zu zahlen. Steuern, die für Schulen, Kindergärten und Straßen benötigt werden, auf denen auch Volkswagen fahren. Diese kriminellen Raffkes und maximal unsolidarischen Egoisten wird es wohl immer geben – nach Schneider kamen Thomas Middelhoff und viele andere, auch nach Winterkorn werden weitere kommen. Je mehr er hat, je mehr er will – das gilt immer weiter. Leider.


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