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29.07.2018, 16:36 Uhr KOMMENTAR

Einlenken der Pharmariesen ist ein Wahlgeschenk für Trump

Kommentar von Nina Kallmeier

Auch deutsche Pharmakonzerne verzichten in den USA vorerst auf Preiserhöhungen. Foto: Arne Dedert/dpaAuch deutsche Pharmakonzerne verzichten in den USA vorerst auf Preiserhöhungen. Foto: Arne Dedert/dpa

Osnabrück. US-Präsident Donald Trump prangert immer wieder teure Medikamente an. Immer mehr Pharmakonzerne geben nach. Auch deutsche Unternehmen verzichten nun vorläufig auf Preiserhöhungen in den USA. Ein Kommentar.

Da wird sich Donald Trump wohl ein Grinsen kaum verkneifen können: Die von ihm so getrietzte deutsche Wirtschaft hat ihm ein wunderbares Geschenk gemacht. Merck & Co. reihen sich in die Riege der Pharmariesen ein, die zunächst auf Preiserhöhungen in den USA verzichten. Das wird der US-Präsident seinen Wählern ohne Frage als „guten Deal“ verkaufen. Und – leider zurecht – betonen, wie groß sein internationaler Einfluss ist.

Dass der Verzicht auf Preiserhöhungen nur bis Ende des Jahres gilt, ist dabei nebensächlich. Der Zeitpunkt, zu dem diese Zugeständnisse kommen, ist entscheidend: Im Herbst wählen die Amerikaner alle 435 Sitze des Repräsentantenhauses und 35 der 100 Senatssitze neu. Nachdem lange Zeit die Demokraten klar vorne lagen, ist der Abstand zu den Republikanern nun knapper. Da könnte der „gute Deal“ des Präsidenten für den einen oder anderen, der unter den hohen Medikamentenpreisen leidet, in seiner Wahlentscheidung das Zünglein an der Waage sein.

Zugegeben: Der preislich unregulierte US-Markt spielt Pharmakonzernen international in die Karten. Er ist eine Möglichkeit, rückläufige Einnahmen in anderen Märkten zu kompensieren. Insofern muss man Trump in seiner Preiskritik recht geben. Jedoch nutzen Unternehmen lediglich die sich bietenden Rahmenbedingungen zu ihrem Vorteil. Der US-Präsident sollte sich nicht darauf verlassen, dass die Preise auf dem Niveau bleiben.


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