Neue Konsumklima-Studie Das Geld sitzt locker: Deutsche weiter in Kauflaune

Von dpa

Nicht nur im Schlussverkauf schlagen die Deutschen gerne zu. Foto: dpa/Jana BauchNicht nur im Schlussverkauf schlagen die Deutschen gerne zu. Foto: dpa/Jana Bauch

Nürnberg. Auch wenn sich die Stimmung in der Wirtschaft verschlechtert – die Deutschen kaufen weiter. Doch wie lange noch?

Der wachsende Handelskonflikt der USA mit der EU und China macht den Deutschen zwar zunehmend Sorgen – ihre Kauflust ist aber trotzdem ungebrochen. Das geht aus der am Donnerstag veröffentlichten Konsumklimastudie des Nürnberger Marktforschungsinstitutes GfK für Juli hervor. Die Bundesbürger rechnen demnach weiter mit höheren Einkommen und sind dementsprechend bereit, Geld für größere Anschaffungen auszugeben.

"Bei der Konsumstimmung und ihren Einkommensaussichten stützen sich die Bürger nach wie vor auf die exzellenten Rahmenbedingungen, die wir nach wie vor in Deutschland haben", sagte GfK-Forscher Rolf Bürkl. Dazu gehörten die sehr gute Beschäftigungslage, steigende Einkommen – auch real –, niedrige Zinsen und eine immer noch moderate Inflation. Angst, ihren Job zu verlieren, müssten derzeit nur wenige Beschäftigte haben. Die gute Lohnentwicklung sorge zudem dafür, dass auch die Renten steigen. "Das ist etwas Neues. Vor nicht allzu langer Zeit mussten wir hier noch über Nullrunden sprechen", sagte Bürkl.

Vorsichtiger Blick in die Zukunft

Für den August erwarten die Forscher, dass sich das Konsumklima im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Zähler auf 10,6 Punkte verschlechtert. Die Verbraucher gehen laut Bürkl zunehmend davon aus, dass die Konjunkturdynamik in Deutschland nachlässt. Hauptgrund sei der Handelskonflikt mit den USA. Der entsprechende Indikator sei seit Anfang des Jahres im Abwärtstrend: "Seit Januar hat er um fast 40 Punkte verloren." Auf der anderen Seite blieben Einkommenserwartung und Anschaffungsneigung stabil auf sehr gutem Niveau.

Eine solche Konstellation – dass die Indikatoren sich über einen so langen Zeitraum so auseinanderbewegen – sei ungewöhnlich. "Die spannende Frage ist: Was passt sich wem an?", fragte Bürkl. Es bleibe zu hoffen, dass nicht die Anschaffungsneigung zurückgehe, sondern dass sich die Konjunkturerwartung wieder etwas fange – "weil die Situation im Inland ja nach wie vor sehr gut" sei.

Etwas Unsicherheit erzeuge zudem die Inflationsrate, die in den vergangenen zwei Monaten jeweils die Zwei-Prozent-Marke überschritten habe. "Sollte sich dieser Trend verfestigen, hätte das negative Auswirkungen auf den Konsum", schreiben die Forscher.

Angst vor großen Krisen

Das größte Risiko für die Binnenkonjunktur bleibe aber die weltpolitische Lage. Sollte der Handelskonflikt mit den USA den Export spürbar beeinträchtigen, würde vor allem bei Beschäftigten in exportorientierten Industrien die Angst vor dem Jobverlust wachsen, sagte Bürkl. Die Automobilindustrie habe hier "eine gewisse Signalfunktion". Weitere Unwägbarkeiten ergäben sich durch den EU-Austritt Großbritanniens und durch ein mögliches Aufflackern der Finanzkrise in Italien: "Dann würden wir über etwas größere Dimensionen sprechen als bei Griechenland vor einigen Jahren." Die Befragung wurde vor der überraschenden Einigung im Handelsstreit zwischen der USA und der EU am Mittwochabend durchgeführt.

Die Konsumklimastudie basiert auf monatlich rund 2000 Verbraucherinterviews im Auftrag der Europäischen Union. Das Konsumklima bezieht sich nicht nur auf die Ausgaben im Einzelhandel, sondern umfasst auch Mieten, Reisen und Gesundheit.


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