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24.07.2018, 16:27 Uhr KOMMENTAR ZU OPEL

Opel-Bilanz: Schöne Zahlen, aber...

Kommentar von Katharina Ritzer

Wie viel Opel steckt noch in der Marke mit dem Blitz? Für die Kunden ist das eine entscheidende Frage; sie wird auch die weitere Geschäftsentwicklung beeinflussen. Foto: Boris Roessler/dpaWie viel Opel steckt noch in der Marke mit dem Blitz? Für die Kunden ist das eine entscheidende Frage; sie wird auch die weitere Geschäftsentwicklung beeinflussen. Foto: Boris Roessler/dpa

Osnabrück. Der krisengeschüttelte Autobauer Opel schreibt wieder schwarze Zahlen. Laut der französischen Konzernmutter PSA trugen Opel und die Schwestermarke Vauxhall im ersten Halbjahr 2018 rund 500 Millionen Euro zum Konzerngewinn bei. Doch die Frage für die Kunden bleibt: Wie viel Opel steckt wirklich noch in der Marke mit dem Blitz? Ein Kommentar.

Als der US-Konzern GM einst Opel kaufte, war die 1862 als Nähmaschinenfabrik gegründete Firma der größte Autobauer Deutschlands. Gut, das ist schon einige Zeit her – genauer gesagt im kommenden Jahr genau 90 Jahre. Unter den Amerikanern hatte Opel gute Zeiten und dann lange schlechte, bis GM den hochdefizitären Laden 2017 entnervt an die Franzosen von PSA verscherbelte.

Der Konzern, der auch Citroën und Peugeot baut, hat dann sofort ein hartes Sparprogramm begonnen: Das Werk in Bochum wurde dicht gemacht, Tausende Stellen abgebaut. Und weil jeder ausscheidende Mitarbeiter im Schnitt 150.000 Euro Abfindung kassierte, musste PSA für die Schrumpfkur bei Opel einen hohen dreistelligen Millionenbetrag aufwenden. Jetzt hofft PSA auf den ersten operativen Gewinn seit fast 20 Jahren und entzückt damit die eigenen Aktionäre, auch wenn sich die Zahlen mit denen aus GM-Zeiten wegen unterschiedlicher Standards bei der Rechnungslegung nur schwer vergleichen lassen.

Weniger entzückt sind die Fans der Marke Opel, denn von der bleibt bis auf den Blitz im Logo nicht viel übrig. Gebaut werden neue Modelle auf nur noch zwei Plattformen statt bisher neun, was die Eigenständigkeit der Marke und damit weiter Kunden kosten dürfte. Schon jetzt stammen nur noch sechs Prozent der deutschen Neuzulassungen aus Rüsselsheim, ein Allzeittief. Und als reine PSA-Hülle werden die Kunden Opel in Zukunft noch weiter ausparken im Kopf.


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