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18.07.2018, 18:45 Uhr EU-KOMMISSION ENTSCHEIDET

Milliardenstrafe für Google: Fader Nachgeschmack

Kommentar von Manuel Glasfort

Margrethe Vestager, EU-Wettbewerbskommissarin, hat eine Rekordstrafe gegen den US-Konzern Google verkündet. Foto: Patrick Seeger/epa/dpaMargrethe Vestager, EU-Wettbewerbskommissarin, hat eine Rekordstrafe gegen den US-Konzern Google verkündet. Foto: Patrick Seeger/epa/dpa

Osnabrück. Schon zum zweiten Mal innerhalb von gut einem Jahr hat die EU-Kommission zum Schlag gegen Google ausgeholt – und den Konzern da getroffen, wo es weh tut: beim erfolgreichen Betriebssystem Android. Eine Strafe von mehr als vier Milliarden Euro – wenn es dabei bleibt – ist auch für das zweitwertvollste Unternehmen der Welt spürbar. Die Summe entspricht etwa einem Quartalsgewinn der Google-Mutter Alphabet.

Wichtiger als das Bußgeld selbst dürfte aber das Brüsseler Ultimatum an Google sein, binnen drei Monaten seine Geschäftspraxis zu ändern. Die Android-Plattform ist entscheidend für den Erfolg des Konzerns, denn sie führt den Google-Diensten immer neue Nutzer und damit Werbeerlöse zu. Deshalb ist die Software für Handyhersteller wie Sony kostenlos, sie bezahlen mit Knebelverträgen. Damit soll es in Europa zum Glück bald vorbei sein, wovon Wettbewerb und Verbraucher nur profitieren können. 

Dennoch hinterlässt die Brüsseler Entscheidung einen faden Nachgeschmack. Im transatlantischen Verhältnis hat sich die ungute Sitte herausgebildet, die Konzerne des jeweils anderen mit horrenden Forderungen zu überziehen: Ihr geht gegen VW und die Deutsche Bank vor? Dann nehmen wir eben Google und Apple aufs Korn. Der Eindruck mag täuschen, aber die Frage drängt sich auf: Geht es nur um Recht und Gesetz oder auch um Marktanteile?


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