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13.07.2018, 18:01 Uhr KOMMENTAR

Real: Tarifliche Schwebe

Kommentar von Nina Kallmeier

Die Gewerkschaft Verdi hatte bundesweit Mitarbeiter der Supermarktkette Real zum Streik aufgerufen. Foto: David Young/dpaDie Gewerkschaft Verdi hatte bundesweit Mitarbeiter der Supermarktkette Real zum Streik aufgerufen. Foto: David Young/dpa

Osnabrück. Mehrere tausend Mitarbeiter der Supermarktkette Real haben nach Angaben der Gewerkschaft Verdi die Arbeit niedergelegt. Damit protestierten sie gegen Einschnitte bei den Löhnen neu veingestellter Mitarbeiter. Ein Kommentar.

Noch im April kündigte die Gewerkschaft DHV an, kein Partner für eine Tarifflucht der Supermarktkette Real sein zu wollen. Sie kündigte gar die Tarifvertragsbeziehung mit der Metro Services GmbH auf,, in die neue Real-Mitarbeiter ausgegliedert werden. Geholfen hat die Haltung der Gewerkschaft, der immer wieder Arbeitgebernähe vorgeworfen wird, nicht. Bis zum Abschluss eines neuen Tarifvertrags bleibt der alte bestehen – und genau der wird aktuell neuen Real-Mitarbeitern angeboten.

Somit hat die Metro AG erreicht, was sie wollte. Einen aufdrängenden Grund, gar mit Verdi neu zu verhandeln, gibt es nicht. Ob ihr Plan jedoch langfristig aufgeht, eine Tarifflucht durch den DHV-Vertrag zu umgehen, ist fraglich. Seit 2013 wird gerichtlich darüber gestritten, inwiefern die Gewerkschaft überhaupt tariffähig ist. Erst Ende Juni dieses Jahres kassierte das Bundesarbeitsgericht ein Urteil, das der DHV Tariffähigkeit bescheinigte. Entsprechend ist das letzte Wort über die DHV-Tarifverträge noch nicht gesprochen.

Aktuell nützt das den 34 000 Real-Beschäftigten nichts. Sie zeigen sich solidarisch und gehen für ihre neuen Kollegen auf die Straße. Hinzu kommt die berechtigte Furcht, dass eine schlechtere Bezahlung neuer Mitarbeiter nur der Anfang ist. Die Muttergesellschaft Metro pocht darauf, die angeschlagene Supermarktkette auch über niedrigere Gehälter der Mitarbeiter zu sanieren. Mittelfristig auch an die Konditionen von Bestandsmitarbeitern gehen zu wollen ist der nächste logische Schritt. 


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