Ein Bild von Dirk Fisser
30.06.2018, 07:29 Uhr KOMMENTAR ZU UMWELTPROBLEMEN

Ammoniak- und Nitrat-Probleme: Der Preis des Wachstums

Kommentar von Dirk Fisser

Blick in einen Schweinestall. Foto: dpaBlick in einen Schweinestall. Foto: dpa

Osnabrück. Nach dem Nitrat-Urteil droht Deutschland bereits der nächste Umweltärger mit der EU-Kommission. Dieses Mal wegen Ammoniak. Verursacher: die Landwirtschaft. Dazu ein Kommentar.

Seien es nun Nitrat oder Ammoniak: Die jetzigen Probleme mit der Landwirtschaft sind der Preis für eine Entwicklung, in der es in der Tierhaltung mehr um das Wachstum als um die Umwelt ging. Den Preis für diese Bedenkenlosigkeit zahlen die fleischhungrige Gesellschaft und die Landwirtschaft nun mit Verzögerung.

Für einige Bauern wird die Rechnung zu hoch ausfallen. Die Zahl der Betriebe wird weiter zurückgehen, weil sich Investitionen in alte Ställe nicht mehr rechnen, weil der Filter zu teuer ist oder weil die Auflagen zu hoch sind. Es kann dabei nicht Aufgabe der Gesellschaft sein, jedem Bauern seinen Filter zu finanzieren. Unsere Aufgabe aber ist es, den verbliebenen Betrieben eine klare Antwort auf die Frage zu geben, welche Landwirtschaft wir eigentlich wollen.

Tierwohl und Umwelt passen derzeit allzu oft nicht zusammen. Will der Bauer seine Schweine in einem Auslauf an die frische Luft lassen, geht das oftmals baurechtlich nicht, wenn in der Nähe ein Wald steht. Will der Bauer einen geschlossenen Stall mit teurem Filter bauen, steht die Bürgerinitiative auf dem Hof und protestiert gegen den „Schweine-Knast“.

Doch wer sollte die Antwort geben? Die Bundesregierung war in den letzten Jahren Spiegelbild der gesellschaftlichen Zerrissenheit. Grabenkämpfe zwischen Agrar- und Umweltressort blockierten ein Fortkommen. Hier muss sich etwas ändern und dann länger als nur eine Legislaturperiode Bestand haben.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN