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27.06.2018, 15:13 Uhr KOMMENTAR

Insolvenzen: Risiken, trotz Konjunkturhoch

Kommentar von Nina Kallmeier

Die Zahl der Insolvenzen ist auch im ersten Halbjahr 2018 weiter gesunken. Allerdings: Immer mehr Mitarbeiter sind von Firmenpleiten betroffen. Foto: Alexander Heinl/dpaDie Zahl der Insolvenzen ist auch im ersten Halbjahr 2018 weiter gesunken. Allerdings: Immer mehr Mitarbeiter sind von Firmenpleiten betroffen. Foto: Alexander Heinl/dpa

Osnabrück. Die Zahl der Insolvenzen ist auch im ersten Halbjahr 2018 weiter gesunken. Das zeigen die Zahlen, die die Wirtschaftsauskunftei Creditreform vorgestellt hat. Allerdings: Die Zahl der durch die Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffenen Beschäftigten ist um 18,8 Prozent auf 120 000 kräftig gestiegen. Ein Kommentar.

Die Konjunktur läuft gut und die Zinsen sind anhaltend niedrig. Dass in diesem günstigen Umfeld die Zahl der Insolvenzen im ersten Halbjahr 2018 auf ein Allzeittief sinkt, ist nicht verwunderlich. Die Rahmenbedingungen könnten für Unternehmen aktuell – trotz des Handelsstreits mit den USA – fast nicht besser sein.

Die positiven Zahlen gründen sich jedoch nicht nur auf die gute Konjunktur, sondern auch auf die damit verbundenen positiven Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Wer heute das Risiko einer Firmengründung eingeht und sich damit von seinem sicheren Job verabschiedet, ist in der Regel besser vorbereitet als früher. Das Risiko einer Pleite geht entsprechend zurück. Das zeigt sich in den Zahlen: Gerade Kleinstunternehmer sind seltener von der Insolvenz betroffen.

Besorgniserregender ist ein zweiter Trend: immer mehr größere Firmen kommen in Bedrängnis. An ihnen hängen deutlich mehr Arbeitsplätze. Hier sollte ganz genau hingeschaut werden, ob die Gründe in einer Marktbereinigung liegen, oder politische Rahmenbedingungen ausschlaggebend sind.

Denn langfristig wird sich das Risiko von Unternehmensinsolvenzen wieder erhöhen. Das konjunkturelle Hoch wird nicht ewig anhalten, sodass die Bewährungsprobe vielen Firmen erst noch bevorsteht. Der Trend rückläufiger Insolvenzzahlen darf sich nicht wieder umkehren.


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