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Platzprobleme VW will Autos ohne Zulassung auf BER-Flughafen abstellen

Von dpa

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Die fehlenden Zulassungen für Fahrzeuge nach dem neuen WLPT-Abgastest führen zu Parkplatznot bei Volkswagen. Der Konzern weicht jetzt mit zahlreichen Neuwagen auf den Berliner Pannenflughafen BER aus. Foto: Bernd SettnikDie fehlenden Zulassungen für Fahrzeuge nach dem neuen WLPT-Abgastest führen zu Parkplatznot bei Volkswagen. Der Konzern weicht jetzt mit zahlreichen Neuwagen auf den Berliner Pannenflughafen BER aus. Foto: Bernd Settnik

Berlin/Wolfsburg. Von September an gelten neue Abgastest-Regeln für Neuwagen. Das sogenannte WLTP macht vielen Herstellern Sorgen - wegen hoher Kosten, Verzögerungen und Produktionsausfällen. Im Fall VW fehlt es nun auch noch schlicht an Platz.

Der neue Abgastest für Autos bereitet den deutschen Herstellern weiter Probleme - jetzt ist es auch noch Parkplatznot.

Volkswagen will deshalb den leeren Berliner Pannenflughafen BER nutzen, um bereits produzierte, aber noch nicht nach dem neuen WLTP-Standard zugelassene Fahrzeuge für einige Zeit abzustellen. Der Konzern habe Flächen dafür angemietet, sagte ein Sprecher. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ berichtet.

Wann genau die ersten Autos am BER ankommen sollen, ist noch offen. „Volkswagen und die Flughafengesellschaft sind sich darüber einig, Parkplatzkapazitäten am BER für die Lagerung von Fahrzeugen zu nutzen“, teilten die Betreiber mit. Einzelheiten würden aber noch ausgearbeitet. Der BER soll erst 2020 in Betrieb gehen - mit neun Jahren Verspätung. Es gibt vor dem Terminal auch mehrere Parkhäuser, die kaum genutzt werden.

WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) ist ein neues Messverfahren für Abgastests bei Autos, das für realistischere Werte sorgen soll. Vom 1. September an dürfen nur noch Neuwagen zugelassen werden, die es durchlaufen haben. Für die Hersteller bedeutet das, dass sie selbst Modelle, die schon einige Jahre auf dem Markt sind, nochmals neu unter verschärften Bedingungen zertifizieren lassen müssen. Und das auch noch jeweils für etliche verschiedene Varianten eines Modells.

VW produziert deshalb zahlreiche Autos vor, die so gebaut sind, dass sie das neue Prüfverfahren schaffen - aber die sind eben noch nicht freigegeben. Konzernweit könne es durch die Umstellung zu Lieferverzögerungen bei 200.000 bis 250.000 Fahrzeugen kommen, sagte der Sprecher. Ein Teil davon werde auf den angemieteten Parkplätzen abgestellt. Neben dem BER nutzt VW derzeit auch ein konzerneigenes Testgelände in Ehra-Lessien bei Wolfsburg, außerdem wird die Anmietung weiterer Flächen geprüft.

Für VW ist die Parkplatznot nicht die einzige Sorge im Zusammenhang mit WLTP. Wenn der Werksurlaub vorbei ist, soll die Produktion im Stammwerk Wolfsburg bis Ende September wöchentlich ein bis zwei Tage stillstehen. Im Werk Zwickau sind für das dritte Quartal teils vereinzelte Schließtage angesetzt, teils entfallen Schichten.

WLTP sorgt aber nicht nur bei der Marke Volkswagen für Probleme. Die VW-Tochter Porsche etwa kündigte kürzlich an, dass es durch das neue Verfahren zu Einschränkungen beim Neuwagen-Angebot kommen wird. Um die strengeren Vorgaben zu schaffen, müssten - wie bei anderen Herstellern auch - bei vielen Modellen Ottopartikelfilter eingebaut und die Fahrzeuge dann neu zertifiziert werden.

Daimler hatte vergangene Woche gar auf WLTP als einen Grund dafür verwiesen, dass die Gewinnprognose für das laufende Jahr nach unten korrigiert werden musste. Man habe aber nahezu alle Modelle planmäßig zertifiziert, hieß es.

Audi, ebenfalls eine VW-Tochter, macht es ähnlich wie Volkswagen. „Wir haben Fahrzeuge, die nach dem WLTP-Standard bereits vorproduziert werden. Sobald die behördliche Zulassung da ist, können wir die an den Handel ausliefern“, sagte ein Sprecher. Man habe zum Abstellen aber Flächen in den Werken oder auch im Umfeld, die nicht unbedingt neu angemietet werden müssten. Ob Audi-Beschäftigten in Ingolstadt oder Neckarsulm Zwangspausen drohen, weil WLTP-Freigaben noch nicht vorliegen, ist offen. „Gespräche laufen, Betriebsrat und Unternehmensleitung suchen nach einer Lösung im Sinne der Beschäftigten“, sagte ein Sprecher des Betriebsrats.

BMW und Opel hingegen betonten am Mittwoch, bei ihnen gebe es keine derartigen Probleme oder Verzögerungen.

Vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) oder dem Bundesverkehrsministerium war keine Stellungnahme zu erhalten. Hersteller hatten zuletzt immer wieder viel zu kurze Übergangsfristen bei der WLTP-Umstellung beklagt. Und auch der Autoexperte Stefan Bratzel betonte, man könne nicht einer Seite allein den Schwarzen Peter zuschieben.

Einerseits hätten die Hersteller zwar den Bedarf an Prüfhardware und Zeit unterschätzt, sagte der Professor von der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch-Gladbach. Andererseits seien die detaillierten Ausführungsbestimmungen tatsächlich erst sehr spät gekommen - und die im Dieselskandal unter Druck geratenen Autobauer hätten keinen allzu lauten Widerspruch gewagt. „Das ist also auch eine Folge des Abgasskandals in Form eines Dominoeffekts“, sagte Bratzel. Die Politik habe ein Zeichen setzen wollen - und nun gebe es eine Situation, die niemand so gewollt haben könne.

Für den Flughafen BER ist die Rolle als Abstellraum immerhin nicht so neu. Erst vergangenes Jahr diente der ungenutzte Großflughafen als Großparkplatz. Nach der Insolvenz von Air Berlin standen auf dem Vorfeld wochenlang die Flugzeuge der einst zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft herum.


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