Peter M. Wolf im Interview Reno-Chef:„Es wird nicht über Nacht mehr gekauft“

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Seit März steht Peter Wolf an der Spitze von Deutschlands zweitgrößtem Schuhhändler, der Hamm-Reno-Gruppe. Seit 2016 ist er auch Anteilseigner. Foto: Michael GründelSeit März steht Peter Wolf an der Spitze von Deutschlands zweitgrößtem Schuhhändler, der Hamm-Reno-Gruppe. Seit 2016 ist er auch Anteilseigner. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Seit März steht Peter Wolf an der Spitze von Deutschlands zweitgrößtem Schuhhändler, der Hamm-Reno-Gruppe. Seit 2016 ist er auch Anteilseigner. Ein Gespräch über E-Commerce Herausforderungen des Marktes und das Systemgeschäft.

Herr Wolf, die Hamm-Reno-Gruppe hat traditionell zwei Geschäftsfelder: den stationären Handel mit Reno und das weniger sichtbare Geschäft als Sysemanbieter und damit Dienstleister auf Drittflächen. Haben beide Bereiche einen gleichen Anteil am Umsatz?

Wenn man den e-Commerce-Bereich der beiden Geschäftsbereiche, Reno auf der einen und Systemgeschäft auf der anderen Seite zurechnet, sind nahezu beide Bereiche annähernd gleich groß. Reno hat hierbei eine Umsatzgewichtung von rund 55 Prozent. Das e-Commerce-Geschäft hat aktuell einen Anteil von insgesamt etwa 10 Prozent und liegt derzeit noch unterhalb des Durchschnitts des e-Commerce-Anteil am Schuhmarkt in Deutschland mit zirka 20 Prozent. Somit haben wir hier noch Wachstumspotential, mit dem Ziel, mittelfristig mindestens den Durchschnitt von 20 Prozent in diesem Bereich zu erzielen.

Sie haben jüngst surf4shoes gekauft. Ein Baustein in der Strategie, um den E-Commerce zu stärken?

Mit der Mehrheitsbeteiligung an dem Online-Anbieter surf4shoes machen wir in dem für uns wichtigen e-Commerce-Geschäft einen großen Sprung nach vorne und erschließen einen wichtigen weiteren Absatzkanal im digitalen Marktplatzgeschäft. Mit dieser Akquisition werden wir auch einen hohen Know-how-Transfer haben, um mit den entsprechenden Algorithmen, mit denen surf4shoes arbeitet, eine intelligente Steuerung in der Angebotsstruktur zu haben. Dies ist ein weiterer Schritt, die digitale Transformation im Wholesale-Geschäft weiter voranzubringen. Das e-Commerce-Geschäft bei Reno wird unabhängig hiervon weiter ausgebaut.

Insbesondere Retouren sind immer wieder ein Thema im Onlinegeschäft. Wie hoch ist die Quote bei Hamm-Reno?

Im Branchenvergleich liegen wir im unteren Durchschnitt, wobei es einige Wettbewerber gibt, die hier nachweislich höhere Retourenquoten aufweisen. Wir versuchen, über die Beschreibung der Passform und Kundenbewertungen dem Kunden eine bessere Orientierung zu geben, damit eine gezieltere Auswahl getroffen werden kann. Dies führt zu einer geringeren Retournierung.

Aufgrund der Größe der Gruppe hat Hamm-Reno eine gewisse Marktmacht. Das macht das Wettbewerbsumfeld – gerade mit Blick auf den Internethandel – jedoch nicht einfacher.

Das ist immer eine Frage des Blickwinkels. Im Handel gibt es Veränderungen, die bei dem einen positiv, bei dem anderen negativ ins Gewicht fallen. Der Schuhmarkt in Deutschland ist bereits stark online geprägt und hat zum Beispeil im Vergleich zu dem Textilmarkt eine höhere e-Commerce-Anteiligkeit. Begründet wurde dies zum großen Teil durch große Online-Anbieter, die sich anfänglich ausschließlich auf den Schuhmarkt konzentriert und damit das Online-Geschäft forciert haben. Die Schwierigkeit der digitalen Transformation ist nicht in erster Linie die Technik oder das Know-how, sondern die Einstellung eines Unternehmens dazu. Das habe ich in den unterschiedlichen Branchen, in denen ich bisher tätig war, so wahrgenommen.

Fakt ist, es wird nicht über Nacht mehr gekauft, sondern es gibt Verschiebungen auf der Anbieterseite. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass es für Online-Anbieter ein längerer Weg in die Profitabilität ist. Insgesamt braucht es für den e-Commerce einen langen Atem. Es ist nicht damit getan, lediglich einen Online-Shop aufzuschalten und dann auf Anhieb nachhaltigen Erfolg zu haben. E-Commerce aufzubauen ist ein großes Investitionsprojekt sowohl in Know-how als auch in Systeme, bis hin zu spezifischen Sortimentsangeboten.

Die HR Group hat relativ spät auf den wachsenden „Sneakermarkt“ reagiert, aber wir haben in diesem Jahr mit einer breit angelegten ‚Sneakeroffensive‘ über alle Vetriebskanäle ordentlich an dem Wachstum partizipieren können. Wir gehen davon aus, dass der Sneakertrend weiter anhalten wird und eine ‚Demokratisierung‘ erlebt, das heißt, mehr und mehr von allen Altersgruppen getragen wird.

Wie stark ist ein mittelständischer Player wie Hamm-Reno von Plattformen getrieben?

Grundsätzlich ist der deutsche Schuhmarkt im Absatz relativ stabil, aber der Markt wird immer preisaggressiver. Es gibt auch Verschiebungen in Segmenten, wie zum Beispiel im Sneaker-Bereich, der aufgrund der zunehmenden Casualisierung wächst. Damit bietet der Markt ein solides Fundament ohne hohe Volatilitäten. Der Durchschnittspreis sinkt jedoch kontinuierlich, sodass der Markt sehr kompetitiv ist, was zum Teil auch auf ein Überangebot zurückzuführen ist.

Wie problematisch sind die immer früher einsetzenden Rabattaktionen?

Fängt ein Händler an, ziehen die anderen nach. Der Kunde lernt und kann sich darauf einstellen. Eine große Rolle spielt der Preis, vor allem im unteren bis mittleren Preissegment. Hier ist die Sensibilität des Kunden besonders hoch. In der Marktwirtschaft bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Dies gehört zu unserem Geschäft und wir müssen damit umgehen.

Auch immer mehr Textileinzelhändler bieten Schuhe an. Welche Rolle spielt dieses Geschäft für die Hamm-Reno-Gruppe?

Es ist natürlich eine Konkurrenz, wenn Textileinzelhändler Schuhkollektionen auf den Markt bringen. Aufgrund ihrer Markenkraft und der breiten Distribution haben sie im Markt sofort eine Relevanz. Die Frage ist, ob der Kunde bereit ist, einen Markentransfer in eine andere Produktkategorie zu unterstützen. Mal funktioniert es, mal nicht.

Die Preissensibilität der Kunden gehört für Hamm-Reno-Chef Peter M. Wolf zum Geschäft. Foto: Philipp Hülsmann

Die Hamm-Reno-Gruppe ist den Weg gegangen, mit dem Textilhandel zu kooperieren. Das jüngste Beispiel ist C&A. Dies fällt bei uns unter den Bereich Wholesale, in dem wir für C&A als Dienstleister die Schuhabteilungen bewirtschaften, je nach Kundenwunsch übernehmen wir eine komplette Flächenbewirtschaftung, vom Einkauf über das Sortiment, auf Wunsch auch Personal bis hin zum Merchandising. Mit diesem Geschäftsmodell, auf das wir uns spezialisiert haben, sind wir in ganz Europa tätigt.


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