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25.06.2018, 17:06 Uhr BAHN ÄNDERT BEWERBUNGSVERFAHREN

Abschied vom Motivationsschreiben: Überfälliger Schritt

Kommentar von Manuel Glasfort

Wer wie diese jungen Leute bei der Bahn eine Ausbildung machen will, kommt bald ohne Motivationsschreiben aus. Foto: dpa/Frank RumpenhorstWer wie diese jungen Leute bei der Bahn eine Ausbildung machen will, kommt bald ohne Motivationsschreiben aus. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Osnabrück. Ausgerechnet der schnarchige Staatskonzern Deutsche Bahn krempelt sein Bewerbungsverfahren um. Angehende Azubis kommen bald ohne das leidige Anschreiben aus – ein sinnvoller und überfälliger Schritt, der hoffentlich viele Nachahmer findet.

Niemand verfasst gerne Bewerbungsschreiben – selbst die nicht, die ihr Geld mit dem Schreiben von Texten verdienen. Kein Blatt füllt sich so quälend langsam wie jenes, das einen Arbeitgeber von den eigenen Qualitäten überzeugen soll. Wie wecke ich das Interesse des Personalers? Wie verkaufe ich mich gut, ohne zu übertreiben oder überheblich zu wirken? Ist diese Formulierung zu abgegriffen? Solche Gedanken rotieren im Kopf der Kandidaten. Am Ende behelfen sich viele mit Stanzen aus Bewerbungsratgebern.

Wem ist damit gedient? Auch für die Personaler wird der Auswahlprozess durch ein Motivationsanschreiben nicht einfacher. Im Gegenteil ist das klassische Prozedere für die Unternehmen zeitraubend und kostspielig. Gerade bei angehenden Azubis und Berufsanfängern sollten Zeugnisse und Lebenslauf ausreichen, um eine Vorauswahl zu treffen und sich später im Vorstellungsgespräch einen persönlichen Eindruck zu verschaffen.

Schon heute setzen viele Unternehmen auf Online-Bewerbungen. Warum nicht auf das Anschreiben verzichten und es durch zwei knappe Motivationsfragen ersetzen, wie es der Handelskonzern Otto macht? Es wäre eine Erleichterung für alle Beteiligten. 


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