EU-Austritt rückt näher DIHK-Präsident Schweitzer warnt vor Brexit ohne Abkommen

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Ein Airbus A380 des europäischen Flugzeugherstellers Airbus wird bei der Farnborough International Airshow ausgestellt. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus droht im Falle eines harten Brexits ohne Abkommen mit dem Rückzug aus Großbritannien. Foto: dpa/Andrew MatthewsEin Airbus A380 des europäischen Flugzeugherstellers Airbus wird bei der Farnborough International Airshow ausgestellt. Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus droht im Falle eines harten Brexits ohne Abkommen mit dem Rückzug aus Großbritannien. Foto: dpa/Andrew Matthews

Berlin. Vor zwei Jahren stimmten die Briten für den EU-Austritt. Doch bis heute sind wesentliche Fragen ungeklärt. Es könnte immer noch zu einem „harten Brexit“ ohne Vertrag kommen, warnt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Auch der Flugzeugbauer Airbus spielt dieses Szenario durch.

Der Deutsche Industrie und Handelskammertag (DIHK) hat beklagt, dass zwei Jahre nach dem Brexit-Votum „noch immer wesentliche Fragen offen“ sind. Die Unternehmen müssten sich letztlich auch „auf den schlimmsten Fall“ vorbereiten, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer im Gespräch mit unserer Redaktion. Komme der harte Brexit ohne Abkommen zwischen Brüssel und London, gingen alle Vorteile des gemeinsamen Binnenmarktes verloren. „Das heißt: In Bezug auf den Handel hat Großbritannien dann den gleichen Status wie beispielsweise die Mongolei“, warnte Schweitzer.

Er verwies auf „gravierende Unsicherheit“ in der Unternehmerschaft. Laut einer DIHK-Umfrage unter 2100 auslandsaktiven Betrieben mit Sitz in Deutschland seien für jedes zweite Unternehmen die konkreten Auswirkungen für das Geschäft mit den Briten unklar. „Für die britische Regierung ist es fünf vor zwölf, belastbare Antworten zu liefern“, mahnte Schweitzer. Die Zeit für Vorschläge, welche künftige Partnerschaft sich Großbritannien vorstellt, sei knapp. So sei ungeklärt, ob Institutionen wie Zollverwaltungen oder neue Zulassungsstellen bereits am 30. März 2019 unter neuen Bedingungen funktionieren.

Betriebe erwarten schlechtere Bilanzen

Nach seinen Worten erwarten die Betriebe im laufenden Jahr schlechtere Bilanzen, nachdem das Vorjahr schon „relativ miserabel“ gewesen sei. Die deutschen Exporte in das Vereinigte Königreich sind laut DIHK im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf 84 Milliarden Euro zurückgegangen, während deutsche Ausfuhren in den Rest der Welt im gleichen Zeitraum um knapp fünf Prozent deutlich gestiegen sind. „Nicht zuletzt deshalb plant jedes zwölfte Unternehmen bereits schon heute eine Verlagerung seiner UK-Investitionen auf andere Märkt – vor allem innerhalb der EU“, erklärte Schweitzer.

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus will im Fall eines harten Brexits seine Investitionen in Großbritannien überdenken. „Einfach ausgedrückt gefährdet ein Szenario ohne Deal direkt die Zukunft von Airbus im Vereinigten Königreich“, erklärte Airbus-Chef Tom Enders in der Nacht zum Freitag. Falls das Land im März 2019 ohne Deal aus der EU aussteige und damit im kommenden Jahr Binnenmarkt und Zollunion sofort und ohne Übergangsphase verlasse, würde dies laut Airbus zu einer „schweren Störung und Unterbrechung“ der Produktion führen. „Dieses Szenario würde Airbus dazu zwingen, seine Investitionen im Vereinigten Königreich und seinen langfristigen Fußabdruck im Land zu überdenken“, teilte das Unternehmen mit.

Es geht um bis zu 110.000 Jobs

Airbus beschäftigt nach eigenen Angaben 14 000 Mitarbeiter an 25 Standorten in Großbritannien, in seiner britischen Zulieferkette unterstütze es 110 000 Jobs. In den britischen Werken Filton und Broughton werden alle Flügel der Airbus-Verkehrsflugzeuge entworfen und hergestellt.

In einer Risikobewertung schreibt Airbus, dass ein geordneter Rückzug mit einem Brexit-Abkommen vorzuziehen sei. Die derzeit angedachte Übergangsphase bis Dezember 2020 reiche aber nicht aus, damit EU und Großbritannien die offenen Fragen regeln können - und auch für Airbus zu kurz sei, um die notwendigen Änderungen in seiner umfangreichen Zulieferkette umzusetzen. (Mit dpa)


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