1,3 Milliarden Milliardenverlust der Deutschen Bahn: Angekündigter Unfall

Meinung – Beate Tenfelde | 02.12.2015, 15:10 Uhr

Die Deutsche Bahn muss nach übereinstimmenden Medienberichten einen Milliardenverlust verkraften. Laut der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ wird der Betrag bei knapp 1,3 Milliarden liegen - und das, obwohl der Umsatz über die Marke von 40 Milliarden Euro steigen werde. Es sei der erste Verlust seit mehr als einem Jahrzehnt.

Die Bahn rutscht in die roten Zahlen - das ist ein angekündigter Unfall. Ernste Mienen beim Vorstand gab es schon im Sommer bei der Halbjahresbilanz. Es war also Zeit genug, bis zur Sitzung des Aufsichtsrats am 16. Dezember einen effektiven Plan mit Gegenmaßnahmen zu schmieden. Ein Konzernumbau ist überfällig – und er muss gelingen, will Bahnchef Rüdiger Grube nicht scheitern wie nahezu alle seine Vorgänger.

Fakt ist: Neun Streiks in Serie schlauchten die Bahn. Der Ersatzverkehr funktionierte perfekt, aber dann vergraulte eine Flut von Verspätungen noch mehr Kunden. Krass ist der Einbruch im Schienengüterverkehr: Unternehmen hatten sich während der Streiks schnell neu orientiert und erlebt, dass die rund 200 Bahn-Wettbewerber flexibel agieren. Schwer wiegt auch: Das Staatsunternehmen Bahn hat viel zu lange an personalintensiven und damit teuren Doppelstrukturen festgehalten. Vorstandsbüros in Berlin und Frankfurt oder Repräsentanzen in den Ländern hätten lange schon abgeschafft werden müssen. Aber auch hier war die Bahn nicht pünktlich.

Fakt ist aber auch: Der Konzern ist Wettbewerbsverzerrung ausgesetzt. Die umweltfreundliche Bahn muss zum Beispiel für die Nutzung der Schienen Geld bezahlen. Die Fernbusse hingegen können ihre klimaschädlichen Fahrten ohne Maut betreiben. Ein Fall für Verkehrsminister Alexander Dobrindt - der kennt sich da aus.