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14.06.2018, 18:07 Uhr ENDE DER ANLEIHEKÄUFE

EZB-Politik: Zu zaghaft

Kommentar von Manuel Glasfort

EZB-Präsident Mario Draghi will die Anleihekäufe zum Jahresende auslaufen lassen. Foto: dpaEZB-Präsident Mario Draghi will die Anleihekäufe zum Jahresende auslaufen lassen. Foto: dpa

Osnabrück. Endlich! Die EZB hat den Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik verkündet. Die umstrittenen Anleihekäufe sollen zum Jahresende auslaufen. Rund zwei Billionen Euro an Staatspapieren hat sich die Notenbank in die Bilanz geladen. Höchste Zeit, dass dieser Posten aufhört zu wachsen. Doch bei der Zinswende geht die EZB zu zaghaft vor.

Ihre ungewöhnliche Geldpolitik hat den Währungshütern den Vorwurf der Staatsfinanzierung eingebracht. Offiziell begründet hat die EZB die Anleikäufe mit der Gefahr sinkender Preise. Falls diese je bestand, ist sie jedenfalls vorbei. Die Inflationsrate in der Eurozone lag zuletzt bei knapp zwei Prozent. Über Anleihekäufe mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen, erübrigt sich da.  

Gleiches gilt für die Nullzinsen. Mehr noch: Sie sind unnatürlich. Denn der Zins erfüllt eine wichtige Funktion. Er lenkt das Geld dorthin, wo es am meisten Nutzen stiftet, er trennt rentable von unrentablen Anlagen. Bei Nullzinsen gerät die Wirtschaft in einen Blindflug. Sparer fliehen auf der Suche nach Rendite in Aktien und Immobilien und blähen deren Preise auf.

Die EZB hat sich in eine schwierige Lage manövriert. Handelt sie zu forsch, könnte sie den Aufschwung abwürgen. Doch lässt sie sich zu viel Zeit mit der Zinswende, fehlt ihr im nächsten Abschwung der notwendige Spielraum. 


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