Stellenabbau geplant Gerry Weber korrigiert Umsatz und Gewinn nach unten

Von Nina Kallmeier

Weitere Rückschläge: Das erste Halbjahr hat die Kehrtwende bei Gerry Weber nicht einleiten können. Konzernchef Ralf Weber kündigt weitere Einsparmaßnahmen an. Foto: dpaWeitere Rückschläge: Das erste Halbjahr hat die Kehrtwende bei Gerry Weber nicht einleiten können. Konzernchef Ralf Weber kündigt weitere Einsparmaßnahmen an. Foto: dpa

Halle/Osnabrück. Gerry Weber kommt aus der Abwärtsspirale nicht heraus. Nach den Ergebnissen des ersten Halbjahres korrigiert der Haller Modekonzern seine Umsatz- und Gewinnerwartungen deutlich nach unten. Außerdem sollen in der Zentrale und der Logistik in den nächsten zwei Jahren bis zu 150 Stellen abgebaut werden.

Der Haller Modekonzern Gerry Weber steckt weiter in der Krise. Nachdem Vorstandschef Ralf Weber schon im Februar einen Konzernfehlbetrag in Höhe von 800.000 Euro für das abgelaufene Geschäftsjahr verkünden musste, wird nun die Prognose für das laufende Jahr nach unten korrigiert. Statt Umsätze zwischen 870 und 890 Millionen Euro erwartet Gerry Weber nach Ablauf des ersten Halbjahres nur noch 830 bis 840 Millionen. Statt eines Konzernergebnis vor Zins und Steuer (EBIT) zwischen 10 und 20 Million lautet die Prognose nun: Nullrunde oder 10 Millionen Minus.

Weiteres Performance-Programm

Damit setzt sich die Abwärtsspirale des Familienunternehmens fort - obwohl das 2016 verkündete Performance-Programm "Fit4growth" erst im vergangenen Jahr abgeschlossen wurde. 143 Filialen sind im Zuge dessen geschlossen worden, die Mitarbeiterzahl sank auf 6595. Trotz der Einsparungen setzt sich der Umsatzrückgang im ersten Halbjahr des aktuellen Geschäftsjahres fort und auch das operative Ergebnis gab um 46,7 Prozent nach. Es brauche einen tiefgreifenden Wandel und man müsse "fundamental gegensteuern", sagte Ralf Weber in der Bilanzkonferenz zum ersten Halbjahr, um Gerry Weber wieder zurück in die Erfolgsspur zu bringen.

Wie zu Beginn des Jahres angekündigt soll nun ein neues Performance-Programm helfen. Dazu gehört ein weiterer Stellenabbau: 140 bis 150 Vollzeitstellen sollen in den nächsten zwei Jahren in der Zentrale und der Logistik gestrichen werden. Für die Mitarbeiter am Firmensitz bedeutet dies, dass zwar die Kompetenz für Schnitte und Passformen in Halle bleiben soll, jedoch andere Aspekte der passiven Lohnveredelung bis 2020 an strategische Partner ausgelagert werden, erklärte Konzernchef Weber. Das betreffe unter anderem Produktion und Technik. "Dadurch werden die Strukturen in Halle entlastet", so Digitalvorstand Johannes Ehling. Ein weiteres Programm zur Filialschließung sei nicht nicht geplant. "Wir behalten uns jedoch vor, auslaufende Mietverträge nicht zu verlängern", so Ehling. Im Bereich Logistik will Gerry Weber schlanker und effizienter werden. Durch Personal- und Sachkosteneinsparungen verspricht sich das Unternehmen Einsparungen von 13 bis 15 Millionen Euro.

Digital im Fokus

International will sich die Gruppe künftig auf große und profitable Wachstumsmärkte konzentrieren. Laut Ralf Weber sind das vor allem Osteuropa und Russland sowie Europa und Middle East. Aus einem Markt zurückziehen werde man sich nicht, betonte der Konzernchef. 

Ebenfalls die Wende bringen soll eine Fokussierung auf Digitalisierung und eine umfassende Omnichannel-Strategie. Die Online-Umsätze der Kernmarken entwickelten sich bereits im ersten Halbjahr positiv und verzeichneten 14,9 Millionen Euro (+9,4 Prozent). Fast ebenso hoch lagen die Umsätze der Münchner Tochter Hallhuber, die sich insgesamt im ersten Halbjahr positiv entwickelte. Sie erreichte im E-Commerce einen Umsatz von 14,6 Millionen - ein Plus von 61 Prozent.

 "Digital steht bei allen Aktivitäten der Gerry Weber Gruppe ab sofort an erster Stelle", heißt es seitens des Konzerns. Die Schließung des Onlinehsops Gr8tfrul sah Ralf Weber nicht im Konflikt mit dieser Strategie. "Die Entwicklung des Shops haben wir vor rund einem Jahr gestartet und nun jedoch entschieden, uns auf die bestehenden Marken zu konzentrieren." Die Investition sei aber nicht verloren und die Markenrechte werde man behalten. Der Webshop soll ab Herbst von der bestehenden Marke "Talkabout" genutzt werden. "Entsprechend müssen wir keine großen Gelder abschreiben." Auch Kundenbindungsprogramme werden erheblich ausgebaut, kündigte Ehling an. Um Kollektionen näher am Kunden auszurichten, sollen zudem Befragungen helfen.

Schon nächstes Jahr mit schwarzer Null?

Trotz der Rückschläge bleibt die Gerry-Weber-Spitze für die Zukunft optimistisch und strebt an, durch die Umsetzung der Maßnahmen die Umsatzerlöse in den kommenden drei bis fünf Jahren "deutlich und stärker als der Markt zu steigern, insgesamt Kosten im mittleren, zweistelligen Millionenbereich einzusparen und damit innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre für das operative Ergebnis (EBIT) ein zusätzliches Potenzial in Höhe von bis zu jährlich 35 bis 40 Millionen Euro zu erwirtschaften". Bereits im kommenden Jahr soll das Ergebnis unterm Strich wieder positiv sein, stellte Finanzchef Stüber in Aussicht.