Paypal-Rivalen greifen an Zahlungsdienste: Wirecard und Adyen im Höhenflug

Von Manuel Glasfort

Zückt der Kunde die Karte, wird bei vielen Händlern im Hintergrund ein Zahlungsdienstleister wie Adyen oder Wirecard aktiv. Sie wickeln den Zahlungsverkehr auf allen Kanälen ab. Foto: dpaZückt der Kunde die Karte, wird bei vielen Händlern im Hintergrund ein Zahlungsdienstleister wie Adyen oder Wirecard aktiv. Sie wickeln den Zahlungsverkehr auf allen Kanälen ab. Foto: dpa

Osnabrück. Vom Boom der Internetwirtschaft profitieren auch Zahlungsdienstleister. Eines dieser Unternehmen ist schon fast so wertvoll wie die Deutsche Bank, ein anderes hat am Mittwoch einen furiosen Börsengang hingelegt.

Osnabrück. Wer ein Netflix- oder Spotify-Abo abgeschlossen hat, kennt den Namen Adyen womöglich von seinem Kontoauszug. Das niederländische Start-up wickelt für die beiden Streamingdienste den Zahlungsverkehr ab. Zum prominenten Kundenkreis des Paypal-Rivalen zählen auch der Fahrdienstleister Uber und der Fernbusanbieter Flixbus.

Zahlungsdienstleister wie Adyen und Wirecard sorgen dieser Tage für Furore an den Börsen. Christian Rieck, Finanzwissenschaftler an der Frankfurt University of Applied Science, ist überzeugt: „Zahlungsdienstleister werden auf jeden Fall weiter wachsen, keine Frage.“ Bargeld werde in Zukunft seltener verwendet werden.

An dem 2006 gegründeten Unternehmen Adyen hält unter anderen Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Anteile, entsprechend groß war die Aufregung, als die Firma vor einigen Wochen ihren Börsengang ankündigte. Adyen zählt zu den wenigen europäischen „Einhörnern“, wie Start-ups mit einem Marktwert von mehr als einer Milliarde US-Dollar genannt werden. Im vorbörslichen Handel rissen sich die Investoren um die Papiere: Für die angebotenen 14 Prozent Unternehmensanteile erhielten die Alteigentümer rund 947 Millionen Euro oder 240 Euro je Aktie – das obere Ende der angepeilten Spanne. Damit nicht genug: Als die Papiere gestern in Amsterdam in den öffentlichen Handel gingen, schoss der Kurs am Vormittag um 100 Prozent in die Höhe. Der Unternehmenswert verdoppelte sich zwischenzeitlich von 7,1 Milliarden auf 14,2 Milliarden Euro.

Beeindruckendes Wachstum

Für den Optimismus der Anleger gibt es Gründe. Adyen hat in den vergangenen Jahren ein beeindruckendes Wachstum hingelegt: Die Niederländer verdreifachten ihren Jahresumsatz seit 2015 auf zuletzt rund eine Milliarde Euro, der operative Gewinn (Ebitda) stieg im selben Zeitraum von 43,1 Millionen auf rund 100 Millionen Euro. Hinter diesen Ergebnissen stehen gerade mal 668 Mitarbeiter.

Und die Geschäftsaussichten sind gut, vor allem seit im Februar bekannt wurde, dass Adyen den deutlich größeren US-Rivalen Paypal als Partner von Ebay ausstechen konnte. Spätestens ab 2021 will das Online-Auktionshaus vorrangig auf Adyen setzen, Paypal soll als Option weiter verfügbar sein, wie im Februar bekannt wurde. Ebay-Chef Devin Wenig verspricht Händlern niedrigere Kosten und Nutzern ein „nahtloseres Bezahlen“. Anders als bei Paypal sollen die Nutzer mit Adyen direkt auf der Ebay-Seite bezahlen können.

Wirecard-Aktie eilt von Rekord zu Rekord

Mit dem starken Wachstum befindet sich Adyen in bester Gesellschaft: Der deutsche Konkurrent Wirecard steigerte seinen Umsatz von rund einer Milliarde Euro im Jahr 2016 auf rund 1,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr, während das Ebitda um 34 Prozent auf 412 Millionen Euro wuchs. Damit verdient Wirecard an jedem erlösten Euro rund 28 Cent. An der Börse eilt der TecDax-Konzern mit Sitz in Aschheim bei München seit Wochen von einem Rekord zum nächsten. Innerhalb eines Jahres legte der Kurs um 154 Prozent auf zuletzt rund 150 Euro zu.

Das Unternehmen profitiert vom Trend zum Omnichannel-Vertrieb, bei dem Händler ihre Produkte über mehrere miteinander verzahnte Kanäle verkaufen. Ebenso wie Adyen stellt Wirecard den Händlern eine Software-Plattform zur Verfügung, über die sie ihren Zahlungsverkehr abwickeln können – und das auf allen Vertriebskanälen, online wie im Ladengeschäft.

Kunden haben weiter die Wahl

Der Kunde kann weiterhin per Kreditkarte, Lastschrift, Rechnung oder Smartphone bezahlen, während Wirecard im Hintergrund die technischen Abläufe zwischen Händler- und Kundenbank managt und gegen Risiken absichert. Das ausgegebene Ziel: elektronisches Bezahlen und alle nachgelagerten Prozesse für den Händler so einfach und so sicher wie möglich zu machen.

Inzwischen kommt Wirecard auf einen Börsenwert von 18,5 Milliarden Euro – und reicht damit fast an das Dax-Schwergewicht Deutsche Bank heran. Die Commerzbank hat der TecDax-Konzern bereits klar hinter sich gelassen, dabei beschäftigt er nur etwa 4500 Mitarbeiter.