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31.05.2018, 18:08 Uhr EUROZONE IM UMBRUCH

20 Jahre EZB: Gefangen in der Rolle der Retterin

Kommentar von Manuel Glasfort

Die Amtszeit von Mario Draghi endet im kommenden Jahr. Als Nachfolger wird Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gehandelt. Foto: dpaDie Amtszeit von Mario Draghi endet im kommenden Jahr. Als Nachfolger wird Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gehandelt. Foto: dpa

Osnabrück. Man kann sich schönere Geburtstage vorstellen: Die Europäische Zentralbank wird 20 Jahre alt, und die überwunden geglaubte Eurokrise kehrt zurück – perfektes Timing. Die politischen Querelen in Italien lassen manchen Euroskeptiker zweifeln, ob die EZB auch ihren 30. Gründungstag noch erleben wird. Abwarten.

Eine Notenbank nach dem Vorbild der Bundesbank sollte die EZB sein, stabilitätsorientiert und unabhängig. Davon ist leider nicht mehr viel zu spüren. Vor sechs Jahren, als die Existenz des Euros auf dem Spiel stand, schlüpfte die EZB notgedrungen in die Rolle der Retterin. Aus dieser Rolle hat sie bis heute nicht mehr herausgefunden. Die Zentralbank kauft massenhaft Staatspapiere auf und bewegt sich nach Ansicht ihrer Kritiker und des Bundesverfassungsgerichts außerhalb ihres Mandats. Ihre Nullzinspolitik entwertet Sparguthaben, erschwert die private Altersvorsorge und sorgt für Blasenbildung.

Es stimmt schon: Die EZB muss Geldpolitik für die gesamte Eurozone machen. Doch die Konstruktionsmängel der Währungsunion lassen sich nicht mit den Mitteln der Geldpolitik beheben. Das kann nur die Politik. 


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