Der Norden tankt am günstigsten Benzinpreise explodieren: "Entscheidender Faktor immer der Rohölpreis"

Von Christopher Chirvi

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Erstmals seit fast drei Jahren müssen Autofahrer an der Zapfsäule im Durchschnitt mehr als 1,40 Euro für einen Liter Superbenzin E10 bezahlen. Foto: dpaErstmals seit fast drei Jahren müssen Autofahrer an der Zapfsäule im Durchschnitt mehr als 1,40 Euro für einen Liter Superbenzin E10 bezahlen. Foto: dpa

Hamburg/München. Immer schneller sind die Preise für Benzin und Heizöl zuletzt gestiegen. Der ADAC erklärt, warum - und gibt Tank-Tipps.

Die Kraftstoffpreise steigen und steigen. Gegenüber der Vorwoche kletterte der Preis für einen Liter Super E10 nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Automobil-Club (ADAC) um 2,7 Cent auf durchschnittlich 1,461 Euro. Diesel-Kraftstoff verteuerte sich ebenfalls um 2,7 Cent je Liter und kostet derzeit im Tagesmittel 1,300 Euro (Stand: 23. Mai). Zum Vergleich: Vor 20 Jahren zahlten Autofahrer in Deutschland noch durchschnittlich 1,541 DM für einen Liter Normalbenzin, 1,588 DM für Super und 1,144 DM für Diesel. 

Trotzdem ist der aktuelle Preis nicht der Höchststand der vergangenen Jahre. Im September 2012 hat der Liter Super E10 an deutschen Tankstellen im Schnitt noch 1,671 Euro gekostet, der Liter Diesel 1,524 Euro. Danach sind die Preise von Jahr zu Jahr gefallen - bis sie 2017 wieder in die Höhe schossen. 

Erstmals seit fast drei Jahren müssen deutsche Autofahrer an der Zapfsäule durchschnittlich mehr als 1,40 Euro für einen Liter Superbenzin E10 bezahlen. Grafik: ADAC

"Entscheidender Faktor ist dabei natürlich immer der Rohölpreis", sagt ADAC-Sprecher Johannes Boos. Nach Erhebungen des Energie-Informationsdienstes (EID) hat der Heizölpreis in den größeren Städten zuletzt die Marke von 70 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern, inklusive Mehrwertsteuer) geknackt. 

Bei den Internet-Preisportalen steht er im bundesweiten Durchschnitt noch knapp darunter. Damit müssen die Heizöl-Käufer wieder so viel bezahlen wie vor dreieinhalb Jahren, im November 2014. Vor einem Jahr lag der Heizölpreis bei 55 Euro für 100 Liter, der Anstieg beträgt somit mehr als 15 Euro oder fast ein Drittel. Bei einer Tankfüllung sind das immerhin 450 Euro. 

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl ist ferner innerhalb eines Jahres gar um mehr als die Hälfte gestiegen, bei der Nordsee-Sorte Brent von gut 50 auf mehr als 77 Dollar. Noch Anfang 2016 war der Preis ganz kurzzeitig unter 30 Dollar je Barrel gefallen.

Regionale Preisunterschiede: Brandenburg am teuersten

Bei den Benzin- und Dieselpreisen sind teils enorme Tagesschwankungen sowie Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern zu beobachten. Bis zu zehn Cent je Liter und mehr können die Spitzenpreise an den Tankstellen den Durchschnitt noch übertreffen. Der EID ermittelte Anfang des Monats die höchsten Preise in Berlin mit 1,54 Cent für einen Liter E10 und 1,38 Euro für Diesel. Das seien jedoch Ausreißer-Werte, zu denen kaum ein Autofahrer tankt. 

Am günstigsten sind die Kraftstoffe grundsätzlich in Stadtstaaten wie Berlin und Hamburg. "In der Tendenz ist es dort aufgrund der Wettbewerbssituation immer günstiger", erklärt ADAC-Sprecher Boos. Aktuell ist aber auch der Norden Deutschlands insgesamt vergleichsweise günstig. Am wenigsten Zahlt man im Moment (Stand: 22. Mai) - wie bereits im vergangenen Monat - in Hamburg (Super E10: 1,406 Euro pro Liter), gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (1,425 Euro) und Schleswig-Holstein (1,428 Euro). 

Am teuersten ist es in Brandenburg (1,465 Euro), im Saarland (1,467 Euro) und in Thüringen (1,470 Euro). Dieser Preisunterschied von 6,4 Cent zwischen dem günstigsten und dem teuersten Bundesland macht sich dementsprechend vor allem beim Bezahlen der Tankrechnung bemerkbar: Eine 50-Liter-Tankfüllung Benzin ist in Thüringen 3,20 Euro teurer als in Hamburg.

Auch für Dieselfahrer ist Hamburg vergleichsweise günstig. Ein Liter kostet im Mittel 1,249 Euro, gefolgt von Schleswig-Holstein (1,252 Euro) und Bremen (1,265 Euro). Am teuersten tankt man Diesel derzeit in Baden-Württemberg (1,300 Euro), Rheinland-Pfalz (1,301 Euro) und im Saarland (1,315 Euro). Die Preisdifferenz zwischen dem günstigsten und teuersten Bundesland liegt bei 6,6 Cent - die 50-Liter-Tankfüllung ist damit im Saarland um 3,30 Euro teurer als in Hamburg.

An Tankstellen im Norden ist der Kraftstoff momentan am günstigsten. Grafik: ADAC

Zusätzlich gibt es zeitliche Unterschiede bei den Kraftstoffpreisen. Der Automobilclub empfiehlt Autofahrern, den Tank nach Möglichkeit spätnachmittags oder abends zu füllen. Dann seien die Spritpreise erfahrungsgemäß am niedrigsten. Grundsätzlich lohne es sich, vor dem Tanken die aktuellen Kraftstoffpreise zu vergleichen und gezielt beim günstigsten Anbieter in der Nähe zu tanken. Für einen aktuellen Überblick nach Ort und Kraftstoff bietet dafür unter anderem der ADAC einen Preisrechner an. 

Nur dafür, wie sich die Preise in Zukunft entwickeln könnten, gibt es keine seriösen Prognosen.

(mit dpa)


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