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28.05.2018, 16:07 Uhr KOMMENTAR

Zetsche bei Scheuer: Am Ende zahlt der Steuerzahler

Kommentar von Stefanie Witte

Daimler-Chef Dieter Zetsche. Foto: dpaDaimler-Chef Dieter Zetsche. Foto: dpa

Osnabrück. Es wirkt schon ein wenig naiv, wenn die Bundesumweltministerin an die „moralische Verantwortung“ von Autoherstellern appelliert. Wenn eben diese Konzerne in der Vergangenheit eins bewiesen haben, dann dass moralische Überlegungen bei Entscheidungen keine Rolle spielen.

Auch ein Imageschaden scheint die Firmen nicht abzuschrecken. Mehr als zwei Jahre nach dem Dieselskandal werden immer noch frisch produzierte Motoren unterschiedlicher Hersteller wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen zurückgerufen. Da verfestigt sich der Eindruck, dass die deutsche Autoindustrie keinen sauberen, regelkonformen Diesel produzieren will. Ein Armutszeugnis.

Von der Politik haben die Hersteller dennoch nichts zu befürchten. Kanzlerin und Verkehrsminister sind gegen Hardware-Nachrüstungen. Auch ein Ultimatum an den Daimler-Chef kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Industrie geschont werden soll. Die Konsequenzen des systematischen Versagens müssen nicht nur die Diesel-Besitzer ausbaden, letztlich trägt sie die gesamte Gesellschaft. Denn Fahrverbote schließen nicht nur bestimmte Autos aus, sie müssen auch durchgesetzt werden – im Zweifel von der Polizei. Das kostet. Am Ende trägt es der Steuerzahler, die Konzerne hingegen kommen nahezu ungeschoren davon.


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