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17.05.2018, 15:35 Uhr KOMMENTAR ZU BGH-URTEIL

Bier-Urteil: Übers Ziel hinausgeschossen

Kommentar von Katharina Ritzer

Mit dem Slogan Mit dem Slogan "bekömmlich" bewirbt Gottfried Härle, Geschäftsführer der Brauerei Clemens Härle, Biere seines Allgäuer Unternehmens. Die Verwendung dieses Zusatzes hat der Bundesgerichtshof (BGH) nun untersagt. Foto: dpa/Uli Deck

Osnabrück. "Bekömmlich" ist als Werbeattribut für Bier nicht zulässig. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Der Begriff sei eine gesundheitsbezogene Angabe, die nach EU-Recht für alkoholische Getränke nicht erlaubt sei, argumentierten die Richter. Das Urteil schießt übers Ziel hinaus, meint jedoch unsere Kommentatorin.

Irreführende Werbung für Lebensmittel, die an Hinterlist grenzt und uns Verbraucher ganz bewusst hinters Licht führen will – da ist jede Empörung gerechtfertigt. Wenn etwa süße Frühstücksflocken Hilfe beim Abnehmen versprechen, ein Joghurtdrink das Immunsystem stärken soll und eine Schokolade speziell für Kinder die Unterstützung des Wachstums proklamiert, dann ist staatliche Aufsicht gefordert. Und die hat in Form der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit die genannten Beispiele denn auch vor einigen Jahren untersagt. Gut so.

Wenn aber eine kleine Brauerei aus dem Allgäu mit 33 Mitarbeitern, die ausschließlich regionale Rohstoffe wie Bio-Hopfen und Braugerste von oberschwäbischen Bauern verwendet, ihr flüssiges Gold mit dem Etikett „bekömmlich“ anpreist, liegt der Fall anders. Seit dem Beginn des vergangenen Jahrhunderts bezeichnet der Familienbetrieb sein Produkt so, und seither weiß der Biertrinker: Der Gerstensaft aus Leutkirch ist gut verträglich. Ebenso weiß der Biertrinker übrigens auch seit jeher, dass beim Konsum die Dosis das Gift macht.

Formaljuristisch mögen Verhandlung und Urteil korrekt sein, sie schießen aber übers Ziel hinaus. Und der Steuerzahler fragt sich, ob der Bundesgerichtshof wirklich nichts Wichtigeres zu entscheiden hat als die Bekömmlichkeit eines nicht irreführenden geschweige denn böswilligen Reklamespruchs. Dem Bierbrauer möge die Entscheidung nun nicht sauer aufstoßen, er möge sie im Gegenteil sportlich nehmen – das ist gesünder. Wohl bekomm’s!


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