Anbaugebiete werden ausgebaut Polen könnte der größte Weinproduzent in Europa werden

Von Jens Mattern

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Anbaugebiete im Westen Polens werden dank der Klimaerwärmung immer weiter ausgebaut. Als bekannteste Region gilt das einstige deutsche Grünberg (Zielona Gora). Foto: imago/SchöningAnbaugebiete im Westen Polens werden dank der Klimaerwärmung immer weiter ausgebaut. Als bekannteste Region gilt das einstige deutsche Grünberg (Zielona Gora). Foto: imago/Schöning

Warschau. Anbaugebiete im Westen Polens werden dank der Klimaerwärmung immer weiter ausgebaut. Als bekannteste Region gilt das einstige deutsche Grünberg (Zielona Gora). Prognosen sehen Polen bis 2050 als größten Weinproduzenten in Europa.

Ein Winzerhaus aus Holz mit einem Walmdach – dazu die Rebstöcke in einer sanft geschwungenen grünen Hügellandschaft, der rote Traktor daneben stammt aus den 50ern – die polnische Weinregion bei der Mittelstadt Grünberg (Zielona Gora) hat noch den Charme von alten Zeiten. Das Wochenende den „offenen Winzereien“ erfreute sich bei dem warmen Wetter großer Beliebtheit.

Anbaufläche ist klein – noch

Polen ist als Weinland im Kommen – vom Konsum und vom Anbau, der Klimaerwärmung sei Dank. Dabei ist die Anbaufläche bescheiden – „wir schätzen sie mittlerweile auf über 1000 Hektar“ meint Lukasz Chrostowski, Winzer und Chef des Interessenverbands „Polskie Wina“. Die Winzerei ist somit ein recht kleinteiliges Geschäft. Im Vergleich dazu –macht der Weinanbau in Deutschland über 100.000 Hektar aus (Österreich 51.000, Schweiz 15.000 Hektar).

Das zentraleuropäische und somit rauere Klima erlaubt vor allem Weißwein, wenn auch manche Hersteller sich zunehmend an den empfindlicheren Spätburgunder wagen. „In der Region um Grünberg, in der Wojewodschaft Lebus herrscht das beste Klima.“ so Chrostowski, der seit 2005 Winzer ist. Der gelernte Physiotherapeut gehört zu den wenigen, die mittlerweile davon leben können.

Weinbau schon im Mittelalter

Schon im späten Mittelalter sollen hier Mönche Wein angebaut haben, im 19. Jahrhundert galt das niederschlesische Grünberg als nördlichstes Weinanbaugebiet Europas, die dortige Sektkellerei Grempler & Co. A. G. war lange die größte Deutschlands. Mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung ab 1945 kam die Weinkultur zum Erliegen. Den sozialistischen Machthabern schien auch der Wodka passender als der als bourgeois angesehen Rebensaft. Allerdings wurden damals nach dem Krieg Erhebungen getätigt, wonach 20.000 Hektar in Polen für den Weinbau geeignet seien, weiß Chrostowski. Und schenkt man einer Analyse der amerikanischen Wissenschaftsgesellschaft „National Academy of Sciences“ Glauben, so wird sich Polen 2050 Dank globaler Erwärmung zu einem der weltweit größten Weinhersteller der Welt mausern.

Stolzer Preis für eine Flasche

Jedenfalls wird die Winzerei, ab den Siebzigern auf Liebhaberbasis begonnen, in Polen nicht mehr belächelt. Zunehmend entstehen Weinanbaugebiete in anderen Teilen Polens wie in der Karpatenregion oder weiter im Osten. Vor allem sind dies Hybridweine wie der weiße Johanniter, der die härteren Fröste im Winter besser aushält.

Die Preise liegen bei rund 15 bis 20 Euro pro Flasche, kein Schnäppchen also, als Hauptabnehmer gelten vor allem gehobene Restaurants und einige Liebhaber, der Export beträgt nach Angaben von „Polskie Wina“ wohl nicht mehr als drei Prozent. Dank internationaler Preise, die die polnischen Weine aktuell gewinnen, könnte es jedoch mehr werden.

Die polnische Agentur für den Agrarmarkt, vermeldete diese Woche, dass der polnische Weinkonsum 2017 um sechs Prozent zugenommen hat, der polnische Weinmarkt habe ein Volumen von 2,6 Milliarden Zloty (608 Millionen Euro/724 Millionen Franken).

Im Land verzeichnet das Getränk seit 25 Jahren ein Wachstum im Absatz, bei Alkoholischen Getränken machen jedoch Bier die Hälfte und Wodka ein Drittel des Konsums aus. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts hat sich der Verkauf von deutschem Wein in Polen im vergangenen Jahr um 54 Prozent gesteigert.

Lukaschenko setzt auf Wein

Auch der weißrussische Präsident und Diktator Aleksander Lukaschenko will Bewegung in Sachen Trinkverhalten. Seinen Landsleuten warf er vor, den Wodka literweise zu konsumieren und mahnte, „sich an europäischen Weinkonsum zu gewöhnen“. Igor Dodon, der moldawische Präsident, hat Lukaschenko im April versprochen, zu zeigen, wie man Wein anbaut. Moldawischer Wein macht fast 90 Prozent des Weinkonsums in Weißrussland aus.


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