Genossenschaftsverband besorgt Mangel an gentechnikfreiem Futter befürchtet

Von Manuel Glasfort

Was ist drin im Futtermittel? Oftmals ist gentechnisch verändertes Soja aus Südamerika enthalten. Das kollidiert mit der steigenden Nachfrage des Lebensmitteleinzelhandels nach Fleisch und Milch, die ohne den Einsatz von Gentechnik hergestellt wurden. Foto: dpaWas ist drin im Futtermittel? Oftmals ist gentechnisch verändertes Soja aus Südamerika enthalten. Das kollidiert mit der steigenden Nachfrage des Lebensmitteleinzelhandels nach Fleisch und Milch, die ohne den Einsatz von Gentechnik hergestellt wurden. Foto: dpa

Rastede. Die Agrargenossenschaften im Nordwesten haben 2017 von anziehenden Erzeugerpreisen profitiert. Sorgen bereitet ihnen aber die steigende Nachfrage nach gentechnikfreien Produkten. Auch die Düngereform sorgt für Probleme, wie auf der Jahrespressekonferenz des Genossenschaftsverbands Weser-Ems in Rastede deutlich wurde.

Milch, Fleisch und Eier frei von Gentechnik – mit diesem Versprechen locken Supermärkte und Discounter immer öfter die Verbraucher. Doch die steigende Nachfrage des Lebensmitteleinzelhandels nach gentechnikfreien tierischen Produkten ist nicht unbegrenzt zu befriedigen, wie der Genossenschaftsverband Weser-Ems am Freitag in Rastede warnte. Er vertritt unter anderem die Agrargenossenschaften, die die Landwirte der Region mit Futtermitteln beliefern.

Das Problem: Deutschlands Landwirte sind auf den Import von Soja aus Südamerika und den USA angewiesen, wo der Einsatz von Gentechnik üblich ist. Das gentechnisch veränderte Soja landet in den Trögen von Kühen, Schweinen und Hühnern. Johannes Freundlieb, Verbandsdirektor des Genossenschaftsverbands, wies darauf hin, dass derzeit vermehrt Bohnen und Erbsen aus heimischem Anbau als Eiweißquellen verfüttert würden. „Im Moment funktioniert das, aber wenn die Nachfrage nach gentechnikfreiem Futter sich deutlich erhöht, wird es nicht mehr funktionieren.“ Die Flächen in Deutschland seien begrenzt. „Das wird ein Engpassfaktor“, warnte Freundlieb.

"Die Bauern werden ihre Gülle nicht los"

Noch mehr als das Gentechnikthema treibt die Genossen aber die Reform des Düngerechts um, die mit der zum Jahreswechsel in Kraft getretenen Stoffstrombilanzverordnung abgeschlossen wurde. Die verschärften Auflagen für Nährstoffüberschüsse hätten negative Konsequenzen in der Viehhaltungsregion Südoldenburg, erklärte Freundlieb: „Die Bauern werden ihre Gülle nicht mehr los.“ Manche Landwirte gingen bereits auf die Futtermittelhändler zu mit der Bitte, im Gegenzug für die Lieferung von Futter Gülle zu entsorgen. Liebfreund befürchtet, dass manche Bauern bereits im Herbst ihre Ställe leerstehen lassen müssten. Wegen rückläufiger Nutztierbestände kalkuliert der Genossenschaftsverband mit einer leicht rückläufigen Nachfrage nach Futtermitteln.

Ungeachtet solcher Probleme blicken die ländlichen Genossenschaften im Gebiet Weser-Ems auf ein positives Jahr 2017 zurück. Angesichts gestiegener Erzeugerpreise sagte Freundlieb: „Die Agrarbranche lässt 2017 zwei schwierige Jahre hinter sich. Wie kehren wieder auf den Wachstumspfad zurück.“ Das unbeständige Wetter habe die Getreideernte im vergangenen Jahr allerdings zu einer Herausforderung gemacht.

Vieh vermarktende Genossenschaften steigern Umsatz

Von der Erholung der Schweinefleischpreise profitierten die 21 zum Verband gehörenden Vieh vermarktenden Genossenschaften. Sie steigerten ihren durchschnittlichen Umsatz um 18,2 Prozent auf rund 62 Millionen Euro im vergangenen Jahr. In dieser Zeit wurden in der Region Weser-Ems 4,1 Millionen Zucht- und Nutztiere gehandelt.

Auch den Milchbauern bot 2017 einen Lichtblick. Der durchschnittliche Erzeugerpreis lag im vergangenen Jahr nach Verbandsangaben bei etwa 36 Cent je Kilo – 35 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die beiden zum Verband gehörenden Molkereigenossenschaften Deutsches Milchkontor (DMK) und Molkerei Ammerland erzielten zusammen einen Umsatz in Höhe von rund 6,7 Milliarden Euro und verarbeiteten insgesamt 9,9 Milliarden Kilo Rohmilch.