Neues Konzept Kein Plastikmüll mehr: Kreuzfahrt für das gute Gewissen

Von Anna Behrend und Christopher Chirvi

Kreuzfahrten sind vor allem bei deutschen Urlaubern beliebt. (Foto: dpa)Kreuzfahrten sind vor allem bei deutschen Urlaubern beliebt. (Foto: dpa)

Tromsø. Schifffahrtsbetreiber Hurtigruten will auf Wegwerfplastik verzichten. Doch das eigentliche Problem der Dampfer bleibt.

Bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikmüll landen laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace jedes Jahr im Meer. 150 Millionen Tonnen sollen sich demnach im Laufe der Zeit bereits angesammelt haben.

Dabei ist Plastik extrem beständig und kann über Jahrzehnte oder Jahrhunderte in der Umwelt bleiben. Größere Plastikteile werden im Meer stark zerkleinert, sie sinken dann von der Oberfläche in die Tiefe ab und finden sich mittlerweile in den entlegensten Gebieten der Erde – von der Arktis bis zur Tiefsee. Wissenschaftler fordern deswegen schon lange, die Entsorgung zu verbessern und den Verbrauch von Plastik zu verringern.

Bei einigen Unternehmen hat inzwischen ein Umdenken begonnen: Einzelne Kosmetikproduzenten verzichten auf Mikroplastik oder Supermärkte geben keine kostenlosen Plastiktüten mehr heraus – und nun hat auch die norwegische Schifffahrtsgesellschaft Hurtigruten angekündigt, in Zukunft auf Wegwerfplastik verzichten zu wollen. Zumindest weitestgehend.

"Bereits ab dem 2. Juli, dem 125. Hurtigruten-Geburtstag, werden alle Schiffe der Reederei von Plastikstrohhalmen, Plastikrührstäben, Plastikbechern, Plastikdeckeln und Plastiktüten befreit sein", verspricht das Unternehmen.


Seit 1893 verbindet die Hurtigruten (norwegisch für "die schnelle Route") Orte der mehr als 2700 Kilometer langen norwegischen Westküste – von Bergen im Süden des Landes bis ins Nord-Norwegische Kirkenes. Rund 2500 Mitarbeiter und 400.000 Passagiere im Jahr produzieren entsprechend viel Müll: Bislang werden laut Reederei jedes Jahr fast eine Million Plastikstrohhalme, 400.000 Kunststoffgläser, 200.000 Plastiktüten und mehr als 800.000 Einmalverpackungen mit Butter weggeworfen. Hinzu kommt die Einwegkleidung der Küchenbesatzungen.

In Zukunft sollen nun beispielsweise Plastikstrohhalme auf den Schiffen durch solche aus Metall ersetzt werden, Kunststoffgläser durch Glas. Außerdem soll auf Plastikbesteck, - zahnstocher oder Wegwerfbutterverpackungen komplett verzichtet werden.

Verkündet wurde dieses Vorhaben medienwirksam im Rahmen einer großen Aufräumaktion, die in den vergangenen Wochen in ganz Norwegen stattgefunden hat. Man wolle alles an Plastik weglassen, was man weglassen kann – es sei die Zeit gekommen, "zu handeln", sagte Konzernchef Daniel Skjeldam gegenüber norwegischen Medien.

Eine der klimaschädlichsten Urlaubsarten

Ein anderes Thema allerdings wird die Anbieter von Kreuzfahrtreisen auch in noch Zukunft beschäftigen: Die Luftverschmutzung durch Schiffsdiesel.

Denn nicht nur der bei Kreuzfahrtreisen produzierte Müll belastet die Umwelt, es wird auch eine ganze Menge klimaschädliches CO2 erzeugt. Die Umweltschutzorganisation WWF und das Öko-Institut Berlin haben 2009 die Klima-Fußabdrücke verschiedener beliebter Urlaubsarten errechnet: Zwar schnitt der All-Inclusive-Urlaub in Mexiko durch die lange Flugreise noch schlechter ab, doch die Mittelmeerkreuzfahrt folgte im Ranking auf Platz zwei der klimaschädlichsten Urlaubsarten, dicht gefolgt vom Mallorca-Urlaub.


Zwar ist laut einem Kreuzfahrt-Ranking des Naturschutzbunds Deutschland auf keinem der europäischen Kreuzfahrtschiffe eine Reise aus Umwelt- und Gesundheitssicht derzeit uneingeschränkt empfehlenswert. Dennoch bleiben Kreuzfahrten bei den Deutschen beliebt.


Immerhin hat Hurtigruten in den vergangenen Jahren angekündigt, ihre neuen Schiffe mit Hybridantrieben auszustatten. Und ebenso will die norwegische Regierung die Landstromversorgung verbessern.


Wie wurden die Werte zum CO2-Fußabdruck berechnet?

Bei der Berechnung der CO2-Äquivalent-Emissionen wurden verschiedene Faktoren berücksichtigt, wie etwa die Entfernung zum Urlaubsort, das gewählte Verkehrsmittel, die Art der Beherbung, die Reisedauer oder die Anzahl der warmen Mahlzeiten.

Außerdem wurden für die Reisen folgende Rahmenbedingungen angenommen:

All-Inclusive-Urlaub Mexiko: Flugzeug, 14 Tage, 2 Personen

Mittelmeerkreuzfahrt: Flugzeug, 7 Tage, 2 Personen

Strandurlaub Mallorca: Flugzeug, 14 Tage, 3 Personen

Skiurlaub Österreich: Pkw, 7 Tage, 1 Person

Gesundheitsurlaub Allgäu: Bahn, 10 Tage, 3 Personen

Familienurlaub Rügen: Pkw, 14 Tage, 4 Personen

Kultururlaub Südtirol: Bus, 5 Tage, 2 Personen

Balkonien: 14 Tage, 4 Personen

Nähere Informationen finden sich im Bericht von WWF und Öko-Institut Berlin.