Bench, Abercrombie und Co. Nach Gerry-Weber-Insolvenz: Die Niedergänge bekannter Modemarken

Das Modeunternehmen Gerry Weber aus dem westfälischen Halle hat Insolvenz angemeldet. Foto: imago/RustDas Modeunternehmen Gerry Weber aus dem westfälischen Halle hat Insolvenz angemeldet. Foto: imago/Rust

Hamburg/Halle. Das Modeunternehmen Gerry Weber geht in die Insolvenz. Auch andere bekannte Modemarken gerieten schon in Schieflage. Ein Überblick.

Aus dem westfälischen Halle heraus eroberte Gerry Weber den Modemarkt. Lange Zeit war das Unternehmen ein Fixstern am Modehimmel. Doch jetzt kämpft der Konzern ums Überleben. Bereits in den vergangenen Monaten hatten sich die schlechten Nachrichten gehäuft. Zuletzt hatte das Unternehmen Mitte Januar seine Gewinnprognose nach unten korrigieren müssen. Grund waren unter anderem Probleme bei der bislang als Hoffnungsträger geltenden Tochter Hallhuber. 

Am Freitag stellte die Muttergesellschaft Gerry Weber International mit rund 580 Mitarbeitern beim Amtsgericht Bielefeld Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Ziel sei es, das Unternehmen zu sanieren. Als ein Grund für die Insolvenz gilt das schwache Digitalgeschäft. Mit den Kernmarken Gerry Weber, Hallhuber, Samoon und Taifun kämpfte das Unternehmen seit längerem mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. 

Weiterlesen: Modehersteller Gerry Weber beantragt Insolvenz

Das schwache Digitalgeschäft ist nur eine Front. Zu schaffen macht Gerry Weber auch eine unzureichende Positionierung der eigenen Marken sowie starke Konkurrenz durch andere Unternehmen wie H&M und die Inditex-Tochter Zara. Gleichzeitig hatte sich das Unternehmen mit der Eröffnung zahlreicher Filialen übernommen.

Auch zahlreiche andere Marken gerieten in ähnliche Krisen, sie überlebten oder auch nicht. Ein Überblick.  

Bench

Der britische Modehersteller Bench beantragte im vergangenen Jahr die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Foto: dpa/Luk Brandt


Bench ist in Deutschland für seine Kapuzen- und Fleece-Pullis bekannt. Schrumpfende Nachfrage, harter Wettbewerb und die Abwertung des britischen Pfundes hatten die Firma in Manchester allerdings pleite gehen lassen.

Das Modeunternehmen wurde 1998 in Großbritannien gegründet und um die Jahrtausendwende mit markanten Kapuzen-Pullis und Fleecejacken bekannt. Auch in Deutschland liefen die Geschäfte eine Zeitlang sehr gut. Dann konnte Benck jedoch nicht mehr an die alten Erfolge anknüpfen. „Der Lebenszyklus von neuen Marken ist kürzer geworden. Die Leute wollen immer öfter etwas anderes, noch Cooleres“, erklärte der Marketing-Experte Martin Fassnacht. Eine Marke auf Dauer attraktiv zu halten, sei heute Schwerstarbeit und mit hohen Kosten verbunden.

“Eine Kultmarke ist immer in Gefahr. Die Übersättigung wird heute gefühlt schneller erreicht als früher“, erklärt Fassnacht die Entwicklung. “Manchmal ist es der Erfolg selbst, der einer Marke zum Verhängnis wird. Wenn die Kunden sagen: ,Die Marke war cool, aber jetzt tragen sie alle.‘ Und zu etwas anderem greifen.“

Abercrombie & Fitch


Das amerikanische Modelabel "Hollister" hat deutlich an Popularität eingebüßt. Foto: dpa

Einer der bekanntesten Fälle einer gefallen Marke ist die US-Kette Abercrombie & Fitch. Noch vor einigen Jahren konnten Jugendliche gar nicht genug bekommen von ihren Produkten. Vor den Läden – ob in New York oder Düsseldorf – standen die jungen Leute Schlange. Doch das ist längst Vergangenheit. Die Käufer blieben plötzlich aus, Umsätze und Gewinne brachen ein.

American Apparel


Ein Shop von American Apparel in Lower Manhattan. Foto: dpa

Coole T-Shirts, sexy Werbung und „Made in Los Angeles“ – damit hatte das Kultlabel American Apparel jahrelang Erfolg. Doch die Glitzerwelt des US-amerikanischen Trendlabels geriet in dunkle Zeiten.

Das Modelabel stand finanziell mit dem Rücken zur Wand. Die Verkäufe gingen zurück, die Schulden stiegen, Geschäfte musste geschlossen werden. Firmenchef und -gründer Dov Charney wurde rausgeworfen, doch die marode Marke rettete das nicht.

Allerdings könnte American Apparel noch ein Online-Comeback erleben, nachdem die Marke vom kanadischen Unternehmen Gildan übernommen wurde. Doch ihr Gütesiegel “Made in USA“ ist damit wohl für immer verloren.

H&M


H&M ist beim Preis nicht mehr das Maß aller Dinge. Foto: dpa


Auch die schwedische Modekette steckt seit geraumer Zeit in Schwierigkeiten. Online-Händler wie Zalando und Asos ziehen Kundenschaft ab. Auch beim Preis ist H&M nicht mehr das Maß aller Dinge; Ketten wie Primark sind noch billiger. Gegen den großen Rivalen aus Spanien, Inditex, hat H&M ebenfalls das Nachsehen. Die Zara-Mutter ist wesentlich schneller, wenn es darum geht, die neuesten Trends in die Läden zu bekommen.

Firmenchef Karl-Johan Persson setzt große Hoffnungen auf den Ausbau des Online-Handels.

Naketano


Über die Gründe für das Aus des Modelabels Naketano ist nur wenig bekannt. Foto: Naketano/dpa/tmn

Kapuzenpullis mit dicker weißer Kordel am Kragen sind das Markenzeichen des Essener Modelables Naketano. Ende vergangenen Jahres stellte das Unternehmen jedoch seine Verkäufe ein. Der Onlineshop des Unternehmens ist seitdem nicht mehr zu erreichen. Über die Gründe für Naketanos Abstieg ist nur wenig bekannt. „Es wird Zeit für Veränderung“ hieß es in einer Unternehmensmitteilung.

In die Schlagzeilen war Naketano zuvor auch wegen seiner sexistischen Produktbezeichnungen geraten. Für den Multilabel-Handel war Naketano zu einer wichtigen Umsatzsäule geworden. „Naketano ist eine Mega-Cash-Cow. Wir haben mit der Kollektion in der vergangenen Saison ein Umsatzplus von 50 Prozent gemacht. Es wird schwierig, das zu kompensieren“, sagte ein Händler aus Norddeutschland dem Fachmagazin „Textilwirtschaft“.

Tom Tailor


Die Hamburger Modekette Tom Tailor hat überraschend schnell die Ertragswende geschafft. Foto: dpa


Durch eine überzogene Expansionspolitik auf Pump war die Hamburger Modekette in Probleme geraten. Der neue Vorstand musste das Filialnetz ausdünnen und einen rigorosen Sanierungskurs fahren. Die Maßnahmen zeigten Wirkung.

Die Ertragswende schaffte Tom Tailor schneller als erwartet und meldete sich mit einem Rekordergebnis im vergangenen März zurück. Nach Steuern verdiente der Konzern 17,1 Millionen Euro, nachdem im Jahr zuvor noch ein Verlust von 73 Millionen Euro zu Buche geschlagen hatte. Die Ergebnisziele seien damit deutlich übertroffen worden. Der Umsatz ging um knapp fünf Prozent auf 922 Millionen Euro zurück, weil Filialen geschlossen und das Produktsortiment bereinigt wurden.

Vor allem aber gelang es Tom Tailor, die Nettoverschuldung von 195 Millionen auf 113 Millionen Euro zu senken. Der Konzern hatte unter dem langjährigen Vorstandschef Dieter Holzer auf Expansion und Wachstum gesetzt und sich dabei hoch verschuldet.

Der neue Vorstand unter Heiko Schäfer, der seit einem Jahr offiziell an der Spitze des Unternehmens steht und zuvor kommissarisch die Weichen stellte, legte ein Sanierungsprogramm auf. Rund 300 Filialen wurden geschlossen, ganze Produktlinien wie Bonita Men aufgegeben, Einkauf, IT und Marketing neu aufgestellt. Die Belegschaft ging im vergangenen Jahr um mehr als zehn Prozent auf rund 6000 Mitarbeiter zurück.

Eine offene Baustelle ist der Online-Shop, der bislang weniger als zehn Prozent zum Umsatz beisteuert. Unter einem neuen Management sollen es mehr als 20 Prozent werden.

(Mit dpa)


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN