Bench, Abercrombie und Co. Gehypt und gefallen – die Niedergänge bekannter Mode-Marken

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Der britische Modehersteller Bench hat die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Foto: dpa Der britische Modehersteller Bench hat die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Foto: dpa

Hamburg. Das Modelabel Bench ist insolvent. Auch andere Marken gerieten in Schieflage. Einige berappelten sich, andere nicht.

Moden kommen und gehen – und mit ihnen auch die Marken. Das zeigt auch die aktuelle Pleite des britischen Modelabels Bench. Bis jetzt hatten die Kapuzenpullis und Fleecejacken mit ihren populären Löchern einen festen Platz in vielen Kleiderschränken. Nun könnten die Klamotten vom Markt verschwinden. Die Gründe für den Bench-Niedergang sind vielfältig und nicht unbedingt hausgemacht. Und auch zahlreiche andere Marken gerieten in ähnliche Krisen, sie überlebten oder auch nicht. Ein Überblick.  

Aktueller Fall: Bench

Der Mutterkonzern Bench Limited mit Sitz in Manchester stellte am Wochenende einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. “Durch die Abwertung des britischen Pfundes, den starken Wettbewerb und den rückläufigen Markt in unserem Modebereich haben wir viel Gegenwind erfahren“, teilte Direktor Barry Knight mit.

Bench wurde 1998 in Großbritannien gegründet und um die Jahrtausendwende mit markanten Kapuzen-Pullis und Fleecejacken bekannt. Auch in Deutschland liefen die Geschäfte eine Zeitlang sehr gut. Zuletzt konnte das Unternehmen jedoch nicht mehr an die alten Erfolge anknüpfen. Für den Marketing-Experten Martin Fassnacht ist der Absturz der einstigen Kultmarke kein Einzelfall. „Der Lebenszyklus von neuen Marken ist kürzer geworden. Die Leute wollen immer öfter etwas anderes, noch Cooleres“, beobachtet er. Eine Marke auf Dauer attraktiv zu halten, sei heute Schwerstarbeit und mit hohen Kosten verbunden.

“Eine Kultmarke ist immer in Gefahr. Die Übersättigung wird heute gefühlt schneller erreicht als früher“, erklärt Fassnacht die Entwicklung. “Manchmal ist es der Erfolg selbst, der einer Marke zum Verhängnis wird. Wenn die Kunden sagen: ,Die Marke war cool, aber jetzt tragen sie alle.‘ Und zu etwas anderem greifen.“

Noch ist das Ende von Bench nicht besiegelt. Chef Knight betonte in seiner Stellungnahme zum Insolvenzantrag ausdrücklich: „Trotz der zahlreichen Herausforderungen sind wir zuversichtlich, dass Bench eine Zukunft hat, da sich die Marke sowohl in Großbritannien, Deutschland und auch international vermarkten lässt.“

Abercrombie & Fitch


Das amerikanische Modelabel "Hollister" hat deutlich an Popularität eingebüßt. Foto: dpa



Einer der bekanntesten Fälle einer gefallen Marke ist die US-Kette Abercrombie & Fitch. Noch vor einigen Jahren konnten Jugendliche gar nicht genug bekommen von ihren Produkten. Vor den Läden – ob in New York oder Düsseldorf – standen die jungen Leute Schlange. Doch das ist längst Vergangenheit. Die Käufer blieben plötzlich aus, Umsätze und Gewinne brachen ein.

Abercrombie & Fitch kämpft seit über vier Jahren mit sinkenden Verkäufen. Zuletzt machte das Unternehmen Anlegern jedoch Mut, indem es für die zweite Jahreshälfte 2017 leicht steigende Absatzzahlen in Aussicht stellte. Vor allem die Zweitmarke Hollister, die zuletzt ein Verkaufsplus von fünf Prozent verbuchte, sorgt für Hoffnung. Insgesamt bleibt die Lage aber kritisch. Erst im Juli vergangenen Jahres war der Versuch eines Verkaufs an Investoren für gescheitert erklärt worden, die Aktie fiel daraufhin auf den tiefsten Stand seit 17 Jahren.

American Apparel


Ein Shop von American Apparel in Lower Manhattan. Foto: dpa


Coole T-Shirts, sexy Werbung und „Made in Los Angeles“ - damit hatte das Kultlabel American Apparel jahrelang Erfolg. Doch die Glitzerwelt des US-amerikanischen Trendlabels geriet in dunkle Zeiten.

Das Modelabel stand finanziell mit dem Rücken zur Wand. Die Verkäufe gingen zurück, die Schulden stiegen, Geschäfte musste geschlossen werden. Firmenchef und -gründer Dov Charney wurde rausgeworfen, doch die marode Marke rettete das nicht.

Allerdings könnte American Apparel noch ein Online-Comeback erleben, nachdem die Marke vom kanadischen Unternehmen Gildan übernommen wurde. Doch ihr Gütesiegel “Made in USA“ ist damit wohl für immer verloren.

H&M


H&M ist beim Preis nicht mehr das Maß aller Dinge. Foto: dpa


Die schwedische Modekette steckt seit geraumer Zeit in Schwierigkeiten. Online-Händler wie Zalando und Asos ziehen Kundenschaft ab. Auch beim Preis ist H&M nicht mehr das Maß aller Dinge; Ketten wie Primark sind noch billiger. Gegen den großen Rivalen aus Spanien, Inditex, hat H&M ebenfalls das Nachsehen. Die Zara-Mutter ist wesentlich schneller, wenn es darum geht, die neuesten Trends in die Läden zu bekommen.

Jüngst hatte Chef Karl-Johan Persson die Börse darauf vorbereitet, dass H&M erst im kommenden Geschäftsjahr wieder profitabel wachsen werde. Er setzt große Hoffnungen auf den Ausbau des Online-Handels.

Zuletzt musste die Modekette wegen hoher Rabatte einen deutlichen Gewinneinbruch hinnehmen. Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Februar sackte der Gewinn gemessen am Vorjahreszeitraum um fast die Hälfte auf 1,37 Milliarden schwedische Kronen (134 Millionen Euro) ab. Das konnte auch ein Sonderertrag im Zuge der US-Steuerreform nicht wettmachen. Der operative Gewinn fiel um 62 Prozent auf 1,2 Milliarden Kronen.

Naketano



Über die Gründe für das Aus des Modelabels Naketano ist nur wenig bekannt. Foto: Naketano/dpa/tmn


Kapuzenpullis mit dicker weißer Kordel am Kragen sind das Markenzeichen des Essener Modelables Naketano. Doch bis Ende des Jahres könnten sie aus dem Einzelhandel verschwunden sein, das Aus ist für den 31. Dezember angekündigt. Auch der Webshop des Unternehmens könnte dicht gemacht werden. Über die Gründe für Naketanos Abstieg ist nur wenig bekannt. „Es wird Zeit für Veränderung“ hieß es in einer Unternehmensmitteilung.

In die Schlagzeilen war Naketano zuvor auch wegen seiner sexistischen Produktbezeichnungen geraten. Für den Multilabel-Handel war Naketano zu einer wichtigen Umsatzsäule geworden. „Naketano ist eine Mega-Cash-Cow. Wir haben mit der Kollektion in der vergangenen Saison ein Umsatzplus von 50 Prozent gemacht. Es wird schwierig, das zu kompensieren“, sagte ein Händler aus Norddeutschland dem Fachmagazin „Textilwirtschaft“.

Tom Tailor


Die Hamburger Modekette Tom Tailor hat überraschend schnell die Ertragswende geschafft. Foto: dpa


Durch eine überzogene Expansionspolitik auf Pump war die Hamburger Modekette in Probleme geraten. Der neue Vorstand musste das Filialnetz ausdünnen und einen rigorosen Sanierungskurs fahren. Die Maßnahmen zeigten Wirkung.

Die Ertragswende schaffte Tom Tailor schneller als erwartet und meldete sich mit einem Rekordergebnis im vergangenen März zurück. Nach Steuern verdiente der Konzern 17,1 Millionen Euro, nachdem im Jahr zuvor noch ein Verlust von 73 Millionen Euro zu Buche geschlagen hatte. Die Ergebnisziele seien damit deutlich übertroffen worden. Der Umsatz ging um knapp fünf Prozent auf 922 Millionen Euro zurück, weil Filialen geschlossen und das Produktsortiment bereinigt wurden.

Vor allem aber gelang es Tom Tailor, die Nettoverschuldung von 195 Millionen auf 113 Millionen Euro zu senken. Der Konzern hatte unter dem langjährigen Vorstandschef Dieter Holzer auf Expansion und Wachstum gesetzt und sich dabei hoch verschuldet.

Der neue Vorstand unter Heiko Schäfer, der seit einem Jahr offiziell an der Spitze des Unternehmens steht und zuvor kommissarisch die Weichen stellte, legte ein Sanierungsprogramm auf. Rund 300 Filialen wurden geschlossen, ganze Produktlinien wie Bonita Men aufgegeben, Einkauf, IT und Marketing neu aufgestellt. Die Belegschaft ging im vergangenen Jahr um mehr als zehn Prozent auf rund 6000 Mitarbeiter zurück.

Eine offene Baustelle ist der Online-Shop, der bislang weniger als zehn Prozent zum Umsatz beisteuert. Unter einem neuen Management sollen es mehr als 20 Prozent werden. Für das laufende Jahr erwartet Tom Tailor nochmals einen leichten Umsatzrückgang durch die Neustrukturierung und einen moderaten Anstieg der Gewinnmarge.

(Mit dpa)


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