Firmenporträt Wurst Stahlbau setzt mit ambitionierten Projekten Maßstäbe

Von Christoph Lützenkirchen

Aus einer kleinen Dorfschmiede ist das Unternehmen Wurst Stahlbau entstanden. Nicht nur für Fußballstadien hat der Familienbetrieb Dachkonstruktionen gebaut, auch für eine Forschungsstation in der Arktis. Foto: LützenkirchenAus einer kleinen Dorfschmiede ist das Unternehmen Wurst Stahlbau entstanden. Nicht nur für Fußballstadien hat der Familienbetrieb Dachkonstruktionen gebaut, auch für eine Forschungsstation in der Arktis. Foto: Lützenkirchen

Bersenbrück. Atka-Bucht Antarktis am 20. Februar 2009: Die deutsche Forschungsstation Neumayer III geht in Betrieb. An diesem Tag dürften 15 000 Kilometer nördlich im niedersächsischen Bersenbrück die Sektkorken geknallt haben. Hier hat das Unternehmen Wurst Stahlbau seinen Sitz, das die Stahlfachwerkkonstruktion für die Station geliefert und vor Ort montiert hat.

Mehr als 1000 Tonnen Stahl wurden für die Forschungsstation um die halbe Welt verschifft. Das spektakuläre Projekt ragt heraus, doch auch andere Aufträge des Bersenbrücker Familienunternehmens sind anspruchsvoll, wie die Stahldachkonstruktion des Bremer Weserstadions. Die Bersenbrücker haben sie von 2008 bis 2011 im laufenden Spielbetrieb gebaut – der heilige Rasen durfte nicht betreten werden. Oder die Fertigungshalle "Ariane 5“ im Auftrag des Raumfahrtunternehmens MT Aerospace in Bremen.

Aus Dorfschmiede entstanden

Kaum zu glauben, dass Wurst Stahlbau mit zuletzt 50 Millionen Euro Jahresumsatz vor 52 Jahren aus einer Dorfschmiede entstanden ist, die der Schmiedegeselle Friedmut Wurst und seine Frau Hildegard 1966 übernahmen. Dort ließ man noch Pferde beschlagen, verkaufte Landmaschinen und installierte Heizungen. Erst in den Achtzigerjahren entwickelte sich der Stahlbau zum dominierenden Betriebszweig; Wurst baute unter anderem Kanalbrücken. Heute beschäftigt das Unternehmen über die vier Geschäftsbereiche Stahlbau und Industriebau, Anlagenbau, Revitalisierung und Projektbau 220 Mitarbeiter, darunter 45 Monteure in zwölf Teams, sowie 16 Ingenieure und Techniker. Im Zwei-Schicht-Betrieb verarbeiten sie 12 000 Tonnen Stahl im Jahr. Die fast 15 000 Quadratmeter große Produktionsfläche mit mehreren Hallen ist unter anderem mit Krananlagen für Stücklasten bis 64 Tonnen ausgerüstet, CNC-gesteuerten Säge-Bohr-Anlagen und Blechbearbeitungszentren.  

Unternehmensführung heißt Veränderung

Seit 2006 liegt die Geschäftsführung des Unternehmens bei den drei Brüdern Thomas (47), Michael (50) und Christian (53) Wurst. Zu diesem Zeitpunkt betrugen die Umsatzerlöse noch 18 Millionen Euro. Die Brüder haben einen neuen Führungsstil etabliert, permanente Veränderung gehört heute zum Selbstverständnis des Mittelständlers. „Die Kunst in der Unternehmensführung besteht darin, sich selbst auch zu verändern“, sagt Thomas Wurst, der Stratege unter den Dreien: „Wir versuchen permanent, die Herausforderungen des Marktes früh genug zu erkennen und ihnen durch entsprechende Maßnahmen zu begegnen. Vor fünf Jahren gab es bei uns beispielsweise noch keine mittlere Führungsebene.“ Regelmäßige Strategieworkshops gehören für die Brüder zum Alltagsgeschäft. Ihre Fachrichtungen und Fertigkeiten ergänzen sich: Christian, der Ingenieur, vertraut mit den technischen Fragen des Stahlbaus, Michael, der Groß- und Außenhandelskaufmann, der sich auch im Steuerwesen gut auskennt, und Thomas, als Diplom- Kaufmann mit Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre vertraut.

Fachkräftemangel zeichnete sich schon 2005 ab

Zum Erfolgsrezept gehört, dass sich die Brüder intensiv um gute Mitarbeiter bemühen. Man habe schon 2005 erkannt, dass es einen Fachkräftemangel geben werde, so Christian Wurst. Dem will man unter anderem durch intensive Ausbildung entgegenwirken. Bei Wurst lernen Metallbauer, Fachkräfte für Montagetechnik, Bürokaufleute und Technische Systemplaner. Außerdem bietet das Unternehmen Plätze für duale Studiengänge in den Bereichen Wirtschaftsingenieurwesen, Bauingenieurwesen und Betriebswirtschaft. Die Ausbildung höre aber nicht mit dem Gesellenbrief auf, so Christian Wurst: „Wir bieten unseren Mitarbeitern die Möglichkeit, im Unternehmen Karriere zu machen. Deshalb unterstützen wir sie aktiv bei Fortbildungen.“ Sven Ruschhaupt Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim bezeichnet die Brüder als „authentische Unternehmer“, die nicht nur fachlich beispielgebend seien. „Sie üben ihre unternehmerische, soziale und gesellschaftliche Verantwortung mit Leidenschaft aus“, so Ruschhaupt.

Ziel: Fünf bis zehn Prozent Wachstum pro Jahr

Für die Zukunft haben sich die Wurst-Brüder ehrgeizige Ziele gesteckt. Ihr Unternehmen soll fünf bis zehn Prozent pro Jahr wachsen. Im laufenden Geschäftsjahr soll der Umsatz auf 55 Millionen Euro klettern. Das größte Potenzial sehen sie im Geschäftsbereich Projektbau. Dem Standort Bersenbrück will die Familie treu bleiben. Die Verkehrsanbindung sei gut. Viele Mitarbeiter haben im Umland gebaut. Die Umgebung biete einen hohen Freizeitwert, zudem gebe es eine vollständige Infrastruktur mit Kitas und Schulen.