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"Symbolische Wirkung" US-Strafzölle: Niedersachsens Wirtschaft bleibt gelassen

Von Nina Kallmeier

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US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium: Am 1. Mai läuft die Ausnahmeregelung für die EU aus. Foto: dpaUS-Strafzölle auf Stahl und Aluminium: Am 1. Mai läuft die Ausnahmeregelung für die EU aus. Foto: dpa

Osnbrück. Die von US-Präsident Donald Trump gewährte Ausnahme der EU von US-Strafzöllen auf Stahl und Aluminium laufen am 1. Mai aus. Für Niedersachsen sind die Vereinigten Staaten insgesamt einer der wichtigsten Handelspartner. 2017 wurden Waren im Wert von rund 5,5 Milliarden Euro exportiert.

Die USA sind nach den Niederlanden, Polen und Großbritannien der wichtigste Exportmarkt für niedersachsächsische Unternehmen. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Auch in Niedersachsen gibt es das von US-Präsident Donald Trump viel kritisierte Handelsbilanzdefizit. Das Exportvolumen niedersächsischer Unternehmen ist im vergangenen Jahr zwar leicht zurückgegangen, sodass insgesamt Waren im Wert von rund 5,5 Milliarden Euro ausgeführt wurden. Den höchsten Anteil daran haben Autos und Wohnmobile, Wasserfahrzeuge und Fahrzeugteile. Demgegenüber stehen Importe aus den USA im Wert von rund 3,6 Milliarden Euro – vor allem Luftfahrzeuge, Steinkohle und Steinkohlebriketts sowie Branntwein.

Stahl und Aluminium mit geringem Anteil am Handelsvolumen

Wenn am 1. Mai die Ausnahmeregelung für US-Zölle auf Stahl und Aluminium für die EU ausläuft, sind niedersächsische Unternehmen nicht allzu sehr betroffen, sagte Tilman Brunner, Leiter International der Industrie und Handelskammer Niedersachsen (IHKN), unserer Redaktion. Rohwaren aus Stahl und Aluminium machen lediglich einen geringen Teil des Handelsvolumens aus. Selbst die Salzgitter AG gebe den Anteil ihres US-Geschäfts mit einem einstelligen Prozentanteil am Umsatz an, so Brunner. Das meiste sei jedoch keine Rohware, die aus Niedersachsen in die USA exportiert werde. Auch der Stahlhersteller Georgsmarienhütter teilte unserer Redaktion kürzlich mit, „im Wesentlichen indirekt betroffen“ zu sein. „Aus den Produkten der GMH Gruppe fertigen Dritte Komponenten, die dann unter anderem auch ihren Weg in die USA finden“, hieß es.

Hohe symbolische Bedeutung

Die Auswirkungen könnten niedersächsische Unternehmen jedoch treffen, wenn chinesische Stahlexporte in die USA aufgrund der Zölle einen anderen Abnehmer suchen. US-Strafzölle für die EU haben für Brunner vor allem eine hohe symbolische Wirkung. „Jetzt wird es darum gehen, wie man damit umgeht. Strafzölle sind ein Baustein, den freien Handel einzuschränken.“ Damit sei eine Grenze überschritten – und es bleibe abzuwarten, ob Strafzölle möglicherweise auch auf andere Bereichen ausgeweitet werden. Brunner sieht auch nicht automatisch positive Auswirkungen der Strafzölle auf Stahl und Aluminium für den US Markt. „Das Preisniveau steigt nicht automatisch. Es gibt viele Anwendungsbereiche, in denen nicht unbedingt Stahl verwenden muss, sondern möglicherweise ersetzt werden kann.“

Gespräche positiv

Das Gespräch von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit US-Präsident Trump beurteilte Brunner dennoch positiv. „Steter Tropfen höhlt den Stein. Es ist wichtig, auch immer wieder darauf hinzuweisen, welche Wertschöpfung deutsche Unternehmen in die USA bringen. Der Handel ist keine Einbahnstraße“, betonte Brunner. Ein Freihandelsabkommen wie TTIP würde den Handel einfacher machen. Hinsichtlich der Zölle sei man sich bei TTIP auch nahezu einig gewesen, so Brunner. „In diesem Bereich könnte man sich auch künftig wieder schnell einigen“, ist er sich sicher.


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