Durchwachsene Bilanz EWE investiert 1,2 Milliarden in Glasfaserausbau

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Trotz durchwachsener Bilanz sind die EWE-Vorstände Urban Keussen, Stefan Dohler, Wolfgang Mücher und Michael Heidkamp mit dem Jahr zufrieden. Foto: EWETrotz durchwachsener Bilanz sind die EWE-Vorstände Urban Keussen, Stefan Dohler, Wolfgang Mücher und Michael Heidkamp mit dem Jahr zufrieden. Foto: EWE

Oldenburg. Nach einem „Jahr in rauer See“ schaut Stefan Dohler, seit Januar Vorstandsvorsitzender des Energiekonzerns EWE, zuversichtlich nach vorne. Für die Zukunft schließt der Vorstandschef jedoch eine Partnerschaft nicht aus. In welcher Form, ließ er offen.

Seine ersten 100 Tage als neuer Chef an der Spitze des EWE-Vorstands hat Stefan Dohler hinter sich und hat nun zum ersten Mal das Ergebnis des Oldenburger Energiekonzerns präsentiert. „Für EWE war es ein Jahr in rauer See“, so der Vorstandschef. Dennoch ist er mit dem Ergebnis zufrieden. Zwar liege das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern mit 503,4 Millionen Euro unter dem Vorjahresniveau, erwartet hatte EWE jedoch weniger. „Auch das Konzernperiodenergebnis fiel mit 256,1 Millionen Euro zufriedenstellend aus“, so Dohler. Gute Nachrichten gab es indes beim hart umkämpften Strommarkt. Hier konnte EWE im vergangenen Jahr erstmals mehr Kunden gewinnen.

Investitionen vor allem im Netzgeschäft

Die gute Entwicklung des Unternehmens wird weiterhin vom Netzgeschäft getragen, sagte Finanzvorstand Wolfgang Mücher. Hier hat das Unternehmen, das seinen Umsatz vor allem aufgrund des Handelsgeschäfts um 684 Millionen auf 8,25 Milliarden Euro steigern konnte, insbesondere investiert. Insgesamt waren es 525,6 Millionen Euro. Allerdings habe man es nicht geschafft, alle vorgesehenen Projekte im Netzausbau abzuschließen, sagte Finanzvorstand Wolfgang Mücher. Dafür verantwortlich seien zum einen fehlende Tiefbaukapazitäten, zum anderen Schwierigkeiten beim Abruf von Fördergeldern für den Breitbandausbau, erklärte Vorstandschef Dohler. Auch in den kommenden Jahren plant der Energiekonzern allein im Bereich des Glasfaserausbaus Investitionen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro, machte Dohler deutlich. Hinzu kommen rund 600 Millionen Euro für das Ausrollen intelligenter Zähler und die flächendeckende Umstellung von L- auf H-Gas.

Auch die Erneuerbaren sind im Fokus

In erneuerbare Energien wird EWE ebenfalls investieren. Im Sommer beginnt der Bau eines zweiten Windparks vor Borkum. Die Anlagen des Offshore-Windparks Alpha Ventus vor der Insel stehen indes weiter still, nachdem die Gondel einer Windkraftanlage in die Nordsee gefallen war. Man arbeite an der Ursachenforschung, so der Vorstandschef. Ebenfalls investieren will das Oldenburger Unternehmen in Mobilität und innovative Speicherlösungen. Im Landkreis Leer wird EWE neue 22 Ladesäulen mit 45 Ladepunkten aufstellen, sagte Vorstand Michael Heidkamp. Hier wolle man Partner der Kommunen sein. Insgesamt wird das Mobilitätsgeschäft seit Februar in der Tochtergesellschaft waydo mit Sitz in Oldenburg gebündelt.

Dividende kommt aus den Rücklagen

Trotz dieser positiven Nachrichten aus dem Bereich der Investitionen: Die EWE AG weist für das zurückliegende Geschäftsjahr einen Jahresfehlbetrag in Höhe von 136,9 Millionen Euro aus. Der Grund dafür ist laut Finanzvorstand Mücher, dass der Beteiligungsbuchwert der Bremer swb AG mit 349,2 Millionen Euro abgeschrieben wurde. Auswirkungen auf den Cashflow des Unternehmens habe dies jedoch noch, betonte Mücher. Und er hatte auch gute Nachrichten für die Anteilseigner: Eine Dividende auf Höhe des Vorjahresniveaus wird dennoch ausgeschüttet. „Die 88 Millionen Euro werden aus den Rücklagen genommen.“

Schlechtere Zahlen für 2018 erwartet

Der Ausblick auf die Zahlen des aktuell laufenden Geschäftsjahrs bleiben verhalten. Erwartet wird ein operatives Ergebnis unter den Zahlen von 2017, stellte Mücher vor. Insbesondere im Bereich der Netzentgelte erwartet EWE einen Rückgang. Auf die Dividendenzahlung für 2018 werde das keinen Einfluss haben, ist der Vorstand überzeugt. Und auch aus den Rücklagen werde man das Geld nicht wieder nehmen müssen. „Dafür wird es trotz schlechterer Zahlen reichen.“

Ein Partner für EWE?

Bis zum Sommer soll die aktuell laufende Strategieüberprüfung abgeschlossen sein, stellte Stefan Dohler in Aussicht. Anschließend werde sich auch entscheiden, ob man einen Partner für EWE finde wolle. Welche Form diese Partnerschaft haben könnte, ließ Dohler offen. „Das ist Teil der Strategieüberprüfung.“ Ebenso wie die Beteiligung des Energiekonzerns in der Türkei. Diese werde ergebnisoffen geprüft, versicherte der Vorstandschef. Auch ein Rückzug aus dem Engagement sei denkbar. Insgesamt ist für Dohler jedoch die Kooperation, auch projektbezogen, das „Modell von morgen“. Das gilt auch im Bereich der Innovationen. „Wir werden nicht alles aus eigener Kraft tragen können.“


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