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Lebensqualität wichtiger als Karriere Die Generation Z tickt anders: Überstunden sind out

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Sie wollen Sicherheit und geregelte Arbeitszeit im Job: die Generation Z. Foto: imago/Westend61Sie wollen Sicherheit und geregelte Arbeitszeit im Job: die Generation Z. Foto: imago/Westend61

Osnabrück. Der Arbeitsmarkt ist im Wandel: Mit ganz eigenen Vorstellungen von Arbeit und Leben gehen die Menschen der jungen Generation Z auf Jobsuche. Sie ticken anders als ältere Generationen und aus einem guten Grund müssen Unternehmen lernen, sich nach ihnen zu richten und nicht umgekehrt.

Sie legen Wert auf feste statt flexible Arbeitszeiten. Lebensqualität und Gesundheit ist ihnen wichtiger als Karriere. Mit der Generation Z drängen nach und nach junge Menschen in die Arbeitswelt, die ganz andere Erwartungen, Bedürfnisse und Ziele haben als die Generationen zuvor.

Wer ist die Generation Z?

„Als Generation Z bezeichnen wir die Jugendlichen beziehungsweise jungen Erwachsenen, die ab Anfang der 1990er Jahre geboren wurden“, sagt Generationenforscher Christian Scholz von der Universität des Saarlandes. Die Auslegung ist unterschiedlich, auch die Grenzen zur vorhergegangen Generation Y sind fließend. Jugendforscher Klaus Hurrelmann zählt junge Menschen dazu, die nach 2000 geboren wurden. „Es kommt nicht dominant auf das Geburtsjahr an, vielmehr auf das Wertemuster“, schreibt Scholz in einer Arbeit über die Generation Z.

So heterogen Altersgruppen auch sind, Forscher versuchen, der jungen Generation ein einheitliches Gesicht zu geben, indem sie deren Einstellung zu Leben, Beruf und Familie weitestgehend zusammenfassen. Besonders Arbeitgeber müssen aus diesen Erkenntnisse lernen, jene Generation zu verstehen, weil sie ihnen so fremd ist, und weil sie in Zukunft um diese Menschen als Arbeitskräfte buhlen müssen.

Was erwartet die Generation Z von der Arbeitswelt?

Scholz sieht die Altersgruppe in sehr sicheren Strukturen in Schule und im familiären Leben aufwachsen. „Sie will sich in einem stabilen, strukturierten Umfeld wohlfühlen“, sagt der Generationenforscher. Auch vom Berufsleben wünschen sich Jugendliche an erster Stelle diese Sicherheit, wie aus der jüngsten Shell-Jugendstudie von 2015 hervorgeht. Beruf und Privatleben sollen strikt voneinander getrennt sein. 

„Wirbt ein Unternehmen mit ‚flexibler Arbeitszeit‘ oder mit ‚Vertrauensarbeitszeit‘, dann ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sich die Generation Z für dieses Unternehmen entscheidet.“Christian Scholz, Generationenforscher

Junge Menschen sehnen sich nach geregelter Arbeitszeit mit klar festgelegtem Beginn und Ende. Die jüngsten Schulabgänger erwarten Attribute wie Wohlfühlen und Struktur. Auch vor Großraumbüros mit „allen bekannten Belastungen wie Lärm und mit allen Kontrollen durch permanente Transparenz“ würden sie scheuen, sagt Scholz.

Überstunden sind out. Nicht einmal die Hälfte der Jugendlichen hält Überstunden für notwendig, um in der Karriereleiter aufzusteigen. Spaß bei der Arbeit ist stattdessen für 98 Prozent der unter 25-Jährigen besonders wichtig, wie eine Allensbach-Ausbildungsstudie ergab. Sie möchten etwas machen, was ihnen individuell liegt, und wo sie sich persönlich entfalten können, sagt Hurrelmann.

Wie unterscheidet sich die Generation Z von der Generation Y?

Im Gegensatz zur Generation Z hat Unsicherheit die als Generation Y bezeichnete, vorhergegangene Altersgruppe geprägt. Je nach Auslegung gehören dazu die zwischen 1985 und 2000 Geborenen. Weil sie durch ihr Hinterfragen charakterisiert wird, erhielt die Generation den Zusatz Y (Englisch für "Warum?").  Menschen dieses Alters haben erfahren, „wie ungewiss bis vor wenigen Jahren der Übergang in den Beruf war“, sagt Hurrelmann. Die Sehnsucht nach Sicherheit ist daher kein neues Phänomen der Generation Z – die ihren Titel durch die alphabetischen Reihenfolge erhalten hat – sondern schon in den älteren Geburtsjahrgängen stark verbreitet, wie Studien zeigen.


Die Generation Z hat dazu eine klare Antwort. Foto: imago/allOver


„Yler“ wünschen sich flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, auch mal von zu Hause aus arbeiten zu können. Die Generation Z dagegen will Klarheit, das gelte auch für die Laufzeit von Arbeitsverträgen. „Zler“ wollen befristete Verträge vermeiden, meint Scholz. Und: „Wirbt ein Unternehmen mit ‚flexibler Arbeitszeit‘ oder mit ‚Vertrauensarbeitszeit‘, dann ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass sich die Generation Z für dieses Unternehmen entscheidet.“ Der überwiegende Teil der jungen Menschen will auch nicht mehr von zu Hause aus arbeiten können, wie die Allensbach-Ausbildungsstudie zeigt.

Wie müssen sich Unternehmen darauf einstellen?

Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist in guter Verfassung. Das spüren die jungen Erwachsenen, indem es ihnen zunehmend leichter fällt, einen Ausbildungs-oder Arbeitsplatz zu finden. Sie nehmen derzeit günstige Bedingungen für den Start ins Berufsleben wahr und blicken optimistisch in die Zukunft. Die Generation „ist nicht mehr unter dem Druck, sich um jeden Preis für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren, weil sehr viele Arbeitsplätze in den nächsten Jahren neu besetzt werden müssen“, meint Hurrelmann.

„Unternehmen, die das nicht anbieten können, werden in den kommenden Jahren ganz große Probleme haben, hochqualifizierte junge Leute zu bekommen.“Klaus Hurrelmann, Co-Autor der Shell-Studie

Die Unternehmen würden künftig merken, was für eine selbstbewusste junge Generation in die Arbeitswelt drängt. Arbeitgeber müssten Bedingungen schaffen, dass sich junge Leute mit ihren persönlichen Wünsche, Ziele und Kompetenzen einbringen können. „Unternehmen, die das nicht anbieten können, werden in den kommenden Jahren ganz große Probleme haben, hochqualifizierte junge Leute zu bekommen.“ 

Auf der anderen Seite orientiert sich die Industrie derzeit in eine gegenteilige Richtung: Im Fokus steht Flexibilisierung in Form von Großraumbüros, Arbeitsplatzteilung, Arbeit auf Abfrage, Leiharbeit, Werkverträge und befristeten Verträgen – sprich: dem Graus der Generation Z.

Shell Jugendstudie 2015: Das sind die Erwartungen der jungen Menschen an die Berufstätigkeit. Grafik: obs/Shell Deutschland Oil GmbH

Noch mehr als die Generation Y ist die Generation Z im digitalen Zeitalter aufgewachsen. Das Internet ist nicht nur zugänglich, sondern wie selbstverständlich jederzeit nach einem Griff in die Hosentasche erreichbar. Fast zwei Drittel aller unter 25-Jährigen gehen davon aus, dass die Digitalisierung für sie persönlich sowohl im Privatleben als auch im Beruf mehr Vorteile hat. Die Autoren der Allensbach-Studie raten daher, die experimentelle Haltung der jungen Generation zu nutzen und mit ihrer Hilfe die Arbeitsabläufe im Betrieb schrittweise auf digital umzustellen.


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