Serie "Zukunft der Arbeit" Robotersteuer: Ökonomen sind skeptisch

Von Manuel Glasfort

Roboter wie diese hier von Kuka werden in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Was bedeutet das für die Zukunft des Steuerstaates? Foto: dpaRoboter wie diese hier von Kuka werden in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Was bedeutet das für die Zukunft des Steuerstaates? Foto: dpa

Osnabrück. Die Zukunft der Arbeit ist ohne Roboter nicht vorstellbar. Über die Folgen für den Steuerstaat wird schon seit einiger Zeit kontrovers diskutiert. Braucht es eine Robotersteuer, um den Sozialstaat fit für die Digitalisierung zu machen? DHL-Chef Frank Appel und Microsoft-Gründer Bill Gates zählen zu den Befürwortern dieser Idee. Doch Ökonomen sind skeptisch.

Zunächst einmal: Roboter sind in der Industrie längst etabliert. In Deutschland kommen auf 10 000 Arbeiter bereits 309 Roboter, wie eine Untersuchung des Branchenverbands International Federation of Robotics vor Kurzem ergeben hat. In naher Zukunft dürften Roboter aber nicht nur in Fabrikhallen zum Alltag gehören: In Kliniken könnten sie Medikamente und Laborproben in das Krankenzimmer bringen, in japanischen Pflegeheimen kommen sie bereits heute zum Einsatz. Eine Studie der Universität Oxford kam bereits vor einigen Jahren zu dem Ergebnis, dass rund die Hälfte der Jobs in den USA in den kommenden 20 Jahren der Automatisierung zum Opfer fallen könnten. 

Ob man diese Schätzung nun für realistisch oder übertrieben hält: Die voranschreitende Automatisierung hat längst eine Debatte über die Zukunft des Steuerstaates ausgelöst. Wenn Roboter immer mehr Jobs übernehmen – sollen sie dann auch Steuern zahlen wie ein Arbeitnehmer aus Fleisch und Blut, um die Einnahmeausfälle bei Lohnsteuer und Sozialabgaben zu kompensieren? Mit dieser Forderung erregte Bill Gates im vergangenen Jahr Aufsehen. „Wenn Roboter die Arbeit übernehmen, sollte man denken, dass wir den Roboter auf ähnliche Weise besteuern“, sagte er im Video eines Online-Portals.

Doch wie sollte eine Robotersteuer überhaupt konkret aussehen? Bei menschlichen Mitarbeitern hängen Steuern und Sozialabgaben von der Höhe des Gehalts ab. Denkbar wäre es, bei Robotern die die Besteuerung an die monatliche Abschreibung zu knüpfen. Das Ergebnis: Investitionen verteuern sich, menschliche Arbeit wird betriebswirtschaftlich wieder attraktiver.

Aber wäre das überhaupt wünschenswert? Nicht, wenn man Thomas Straubhaar fragt. Der Ökonom von der Universität Hamburg glaubt: „Der Roboter ist nicht der Feind des Menschen, sondern sein Freund.“ Die Maschine helfe den Arbeitnehmern, produktiver zu werden. „Der Arbeiter kann dank des Roboters eine höhere Wertschöpfung pro Stunde erzielen und so wettbewerbsfähig bleiben.“ Eine Robotersteuer würde nach Straubhaars Ansicht dazu führen, dass Jobs nicht an Roboter verloren gehen, sondern an das Ausland. „Wenn der deutsche Arbeiter weiterhin besser verdienen soll als der chinesische, dann muss er auch pro Stunde mehr leisten.“ Er halte eine Robotersteuer für „die dümmste Antwort auf die Veränderungen, die sich durch die Digitalisierung ergeben“, sagt der Ökonom.

Straubhaar schwebt stattdessen eine Wertschöpfungsabgabe in Höhe von 50 Prozent vor, die anfällt sobald ein Unternehmen Gewinne auszahlt – sei es in Form von Löhnen an die Mitarbeiter oder Kapitalerträgen an die Eigentümer. Lohnsteuer und Sozialabgaben entfallen.

Der Wirtschaftsinformatiker Oliver Bendel von der Fachhochschule Nordwestschweiz gibt zu bedenken, dass bei einer Robotersteuer schwierige Unterscheidungen zu treffen werden: „Sprechen wir nur von Hardware- oder auch von Softwarerobotern? Reden wir nur über Fabrikarbeit?“ Problematisch sei außerdem, dass moderne Roboter oft vernetzte Systeme seien. Sogenannte Kooperations- und Kollaborationsroboter arbeiteten ganz eng mit Menschen zusammen. Das sei ein Problem für die Berechnung einer Steuer: Wo fängt die Arbeit des Roboters an, wo hört sie auf?

Auch Bendel erkennt die Gefahr, dass technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen behindert werden, wenn der Einsatz von Robotern mit einer Steuer bestraft wird. „Unterm Strich“ überwiegen für ihn die Nachteile einer solchen Abgabe.

Der Wirtschaftsinformatiker hat eine ganz eigene Vorstellung von der Zukunft der Arbeit. Der Siegeszug der Roboter erlaube es den Menschen, nur noch halbtags in einem „Brotberuf“ zu arbeiten und den Rest des Tages mit anderen Tätigkeiten zu füllen.