Bis zu 5000 Schlachtungen pro Woche Tönnies: Badbergen soll zentraler Rinderschlachthof werden

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Maximilian (links) und Clemens Tönnies. Foto: dpaMaximilian (links) und Clemens Tönnies. Foto: dpa

Rheda-Wiedenbrück.. Der Fleisch-Gigant Tönnies wächst weiter. Davon profitieren auch Standorte in der Region: Badbergen soll künftig Hauptstandort für die Rindfleischproduktion des Konzerns sein. Und in Meppen rollt neuerdings Tierfutter vom Band. Ein Überblick.

Die Zahlen: 6,9 Milliarden Euro Umsatz hat die Unternehmensgruppe mit Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück im vergangenen Jahr erwirtschaftet – plus 8,6 Prozent im Vergleich zu 2016. „Und das trotz eines recht schwierigen Umfelds“, wie Clemens Tönnies am Montag betonte. Ein Großteil des Zuwachses geht allerdings zurück auf die Integration der Zur-Mühlen-Gruppe mit Marken wie Böklunder oder Könecke in den Gesamtkonzern. Zum Gewinn machte der Unternehmenslenker keine Angaben.

Leicht angestiegen sind die Schlachtzahlen. Demnach starben weltweit 20,6 Millionen Schweine in den Schlachthöfen des Konzerns, davon 16,6 Millionen in den deutschen Werken wie etwa im emsländischen Sögel. Hinzu kamen 432.000 Rinder. Für das laufende Jahr rechnet Tönnies trotz des rückläufigen Schweinefleischkonsums der Deutschen mit leichten Zuwächsen beim Umsatz. 50 Prozent seiner Ware exportiert das Unternehmen ins Ausland. Neuerdings auch nach Mexiko, wie Tönnies betonte.

Die Standorte: Im Gegensatz zum Schwein essen die Deutschen immer mehr Rind. Davon wird ganz unmittelbar der Standort in Badbergen im Landkreis Osnabrück profitieren. „Das ist der Rinderstandort der Zukunft für Tönnies“, sagte Clemens Tönnies. Der Konzern hatte den Standort 2017 vom insolventen Mitbewerber Lutz übernommen. Mindestens 80 Millionen Euro wollen die neuen Inhaber hier jetzt mittelfristig investieren – etwa in neue Kühkapazitäten, um die Schlachtzahlen zu erhöhen. Bislang werden in dem Betrieb 2700 Rinder pro Woche verarbeitet, bei wachsendem Kühlraum sind laut Tönnies bis zu 5000 Tiere möglich und damit etwa doppelt so viel wie an den anderen Standorten in Wilhelmshaven und Kempten. (Weiterlesen: Tönnies in Badbergen)

Komplett umgestellt worden ist unterdessen die Produktion im emsländischen Meppen. 2016 hatte Maximilian Tönnies die Wurstfabrik der Hochwald-Molkerei im Emsland aufgekauft, mittlerweile ist sie Bestandteil des Gesamtkonzerns und produziert hochwertiges Tierfutter anstelle von Bockwürstchen. Tönnies sprach von einer „Veredlung der Rohstoffe“, es handele sich keinesfalls um Massenware. 



Der Veggie-Trend: Clemens Tönnies betonte erneut, dass er nicht viel von Veggie-Produkten hält. „Für mich als Fleisch- und Wurstesser mit Liebe war das nichts“, sagte er über die Verkostung fleischloser Produkte aus dem Angebot des eigenen Konzerns. Der Veggie-Trend sei „über den Zenit, der Hype ist aus. Ich glaub nicht dran.“ Auch bei künstlich erzeugtem Fleisch zeigte sich Tönnies wenig begeistert. „Ich halte nichts von diesem Laborfleisch, zumindest ist das nichts für mich.“

Der Mutterkonzern von Konkurrent Wiesenhof hatte zuletzt angekündigt, künftig fleischlose Burger eines amerikanischen Startups in Deutschland verkaufen zu wollen. Zudem beteiligte sich der Geflügelfleischproduzent aus dem Kreis Vechta zuletzt an einem Unternehmen, das Fleisch in der Petrischale erzeugen will. Tönnies sagte mit Blick auf seinen Sohn, das sei eher etwas für die kommende Generation an der Unternehmensspitze. Maximilian Tönnies hielt fest: „Ich schließe nichts aus.“ 

Der Familienstreit: Jahrelang hatten sich Clemens Tönnies und sein Neffe Robert um die Führung des Unternehmens gestritten. Im vergangenen Jahr kam es dann zu einer Einigung, deren Teil die Integration der Zur-Mühlen-Gruppe mit Standorten unter anderem in Delmenhorst und Dissen in den Gesamtkonzern war. Maximilian Tönnies, Sohn von Clemens Tönnies, treibt das Projekt voran. Darüber hinaus ist dem Senior mit Andres Ruff ein Co-Geschäftsführer an die Seite gestellt worden. Ruff war zuvor Chef der Apetito AG aus Rheine. Tönnies räumte zwar ein, es sei zunächst ungewohnt gewesen, nicht mehr alleine entscheiden zu können. Aber: „Das Unternehmen ist gigantisch groß geworden, das kann man nicht aus dem Handgelenk schütteln.“ Die Zusammenarbeit mit Ruff bezeichnete er als gut. Der neue Manager sprach von einer „Aufbruchstimmung“ bei Tönnies.


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