Spiegelmanufaktur Zierath Wo Kunden ins richtige Licht gerückt werden

Von Norbert Meyer


Georgsmarienhütte.   Sich von seiner besten Seite zeigen – wer möchte das nicht? Auf dieses Bedürfnis setzt die Modebranche, aber auch die Lichtspiegel-Manufaktur Zierath aus Georgsmarienhütte.

Zierrat bedeutet schöner Schein. Früher schrieb man Zierrat mit nur einem r und ganz früher mit h am Ende. Seinen Familiennamen hat Firmengründer Günther Zierath zum Programm gemacht, als er im März 1981 ein Unternehmen zur Herstellung von Spiegeln als Gewerbe anmeldete. „In einer Garage am Schölerberg in Osnabrück“, erinnert sich der 62-Jährige an die Anfangszeit. Zuerst habe er auf Flohmärkten verkauft, danach auch an Möbelhäuser.

 

Spiegel habe es bis dahin „nur in oval, eckig oder rund“ gegeben, so Günther Zierrath. „Doch wir waren anders und haben Spiegel als Wolke, Mond, Baum oder Regenschirm hergestellt.“ Das Konzept ging auf. Nach mehreren Umzügen und Vergrößerungen bezog die Günther Zierath GmbH 1996 ihr heutiges Firmengelände in Georgsmarienhütte-Harderberg, wo sie auf 4000 Quadratmetern produziert und auf weiteren 1000 Quadratmetern Bürofläche verwaltet wird. Die Firma beschäftigt aktuell 45 Männer und Frauen, darunter speziell ausgebildete Flachglasmechaniker. Hauptabnehmer ist der Sanitärgroßhandel.

Nächste Generation übernimmt

 

Zur Belegschaft gehört auch Alina Zierath (29), Tochter des Inhabers und zusammen mit ihrem Bruder Adrian (25) Juniorchefin. Günther Zierath hat schon damit begonnen, sich aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen. Beide Kinder haben einen Hochschulabschluss in BWL und – wie der Vater betont – zum Glück unterschiedliche Interessen. Der Sohn kümmert sich um Design und Technik, die Tochter um Marketing und demnächst auch um den Vertrieb.

 

Technik spielt bei modernen Badspiegeln eine wesentliche Rolle, denn inzwischen werden im Unternehmen Zierath rund 90 Prozent als Lichtspiegel verkauft, wobei vorwiegend LED eingebaut sind. Bei rund acht Millionen Euro lag laut Günther Zierath der Umsatz im vergangenen Jahr, in dem etwa 20 000 Spiegel abgesetzt wurden. Das ergibt im Schnitt einen Erlös von 400 Euro pro Spiegel. Das Standardmaß liegt nach Angaben des Firmengründers bei 60 mal 80 Zentimetern, doch 80 Prozent seien Sonderanfertigungen.

„Die einzige Marke“

Es gebe zwar noch zwei bedeutende Wettbewerber, aber im deutschen Sanitärmarkt verkörpere ihr Unternehmen „die einzige Spiegelmarke“, betonen Vater und Tochter Zierath. Der Hersteller aus dem Osnabrücker Land verkaufte seine Spiegel aber auch schon über Deutschlands Grenzen hinaus, zum Beispiel Österreich, in Schweiz und die Niederlande, nach Belgien, Luxemburg, Lettland und sogar schon in die chinesische Metropole Schanghai. „Unsere Spiegel sind nicht die billigsten, und wir haben noch nie an einen Baumarkt geliefert“, antwortet Günther Zierrath auf die Frage nach dem Marktsegment, das seine Firma bedient. Die Kunden setzten auf das Besondere.

Eine „vertrauensvolle und erfolgreiche Partnerschaft“ verbindet den Sanitärgroßhändler Cordes & Graefe seit vielen Jahren mit dem Zulieferer Zierath, wie  Uwe Niederprüm, persönlich haftender Gesellschafter der Cordes & Graefe KG bestätigt. Weitere verbindende Elemente seien der Charakter als Familienunternehmen und die Treue zum dreistufigen Vertriebsweg. Damit meint er das Zusammenspiel von Industrie, Großhandel und Fachhandwerk. 

 

Bisweilen ist Günther Zierath selbst davon überrascht, wie sich sein Geschäft weiterentwickelt. Dass Licht im Spiegel nicht nur an- und ausgeschaltet oder gedimmt wird, sondern durch Farbveränderungen auch unterschiedliche Stimmungen erzeugen kann, habe er bis vor wenigen Jahren nicht gewusst, sagt der Firmengründer. Heute sieht er darin eine große Chance für sein Unternehmen. Objektgeschäft lautet hier der Schlüsselbegriff.  Die Zieraths verstehen darunter die Ausstattung von Hotels, Bekleidungsketten und Kreuzfahrtschiffen.

Großauftrag von Orsay

Einen ersten bedeutenden Auftrag in diesem Sektor haben sie von der Damenmodekette Orsay bekommen und in den letzten drei Jahren bereits 900 Spiegel für Umkleidekabinen in Orsay-Filialen geliefert. Worauf es dabei ankommt, führen Günther und Alina Zierath in ihrer Ausstellung vor: Vom Daylook-Modus, einem Mischlicht für das Casual-Outfit, lässt sich der Umkleide-Spiegel per Sensorberührung  in den Nightlook-Modus umschalten. Das taucht Kundinnen bei Anprobe von Cocktailkleidern oder Abendgarderobe in ein warmes, schmeichelndes Licht ein und hilft womöglich der Kaufentscheidung auf die Sprünge.