Ein Bild von Manuel Glasfort
10.04.2018, 17:57 Uhr ÖFFENTLICHER DIENST

Warnstreiks: Augenmaß ist gefragt

Kommentar von Manuel Glasfort

Verdi-Kundgebung in Köln. Foto: imago/Manngold/Rainer KeuenhofVerdi-Kundgebung in Köln. Foto: imago/Manngold/Rainer Keuenhof

Osnabrück. Mit den Warnstreiks im öffentlichen Dienst erreicht das Tarifjahr 2018 seinen ersten Siedepunkt. Die Folgen der Streiks bekommt die breite Masse zu spüren, neben Fluggästen auch vielerorts Pendler, die den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Eins wird klar: Nachdem das vergangene Tarifjahr eines der friedlichsten seit Langem war, droht das laufende wieder ungemütlich zu werden.

Angesichts einer brummenden Konjunktur und eines leer gefegten Arbeitsmarkts befinden sich die Gewerkschaften in einer starken Verhandlungsposition. Auch die Inflation ist zurückgekehrt, die Löhne müssen also vergleichsweise kräftig wachsen, damit nach Abzug der Teuerung ein Plus übrig bleibt.

Der öffentliche Dienst ist freilich ein Sonderfall, denn die Arbeitgeber sind hier der Bund und die Kommunen. Und während der Bund und auch manche Kommunen im Geld schwimmen, stehen viele Städte und Gemeinden finanziell mit dem Rücken zur Wand. Hoch verschuldete Städte wie Duisburg könnten die von Verdi geforderte sechsprozentige Lohnerhöhung nicht so einfach schultern. Sie müssten die Ausgaben an anderer Stelle einsparen oder kommunale Steuern erhöhen.

Und auch aus einem anderen Grund sollte Verdi mit Augenmaß agieren: Wenn die Gehälter zu kräftig steigen, wächst die Versuchung, Dienste wie die Müllabfuhr zu privatisieren.


Der Artikel zum Kommentar