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10.04.2018, 17:01 Uhr KOMMENTAR

VW: Mit Müllers Abgang beginnt die Zeit nach Piech

Kommentar von Burkhard Ewert

Im Juni wird er 65: Matthias Müller führte VW ohne große Fehler, aber auch ohne Vision und Fortune. Foto: dpaIm Juni wird er 65: Matthias Müller führte VW ohne große Fehler, aber auch ohne Vision und Fortune. Foto: dpa

Osnabrück. Dass Matthias Müllers Tage an der VW-Spitze gezählt waren, war zuletzt kein Geheimnis. Immer wieder agierte der Manager in der öffentlichen Wirkung ungeschickt. Ohnehin war er nur ein Übergangskandidat zum Start in die Post-Piech-Ära. Nun steht die eigentliche Neuausrichtung des Konzerns bevor.

Matthias Müller hat als Volkswagen-Chef eine merkwürdige Figur gemacht. Als Hausgewächs mit Stationen bei nahezu allen Marken stand er bis zuletzt für die Stärken, aber eben auch Schwächen des Konzernkosmos‘: zum Hochmut neigend, technikzentriert, verschlossen. Außerdem ist er Autonarr der alten Schule. Dem Trend zu Fahrassistenten beschied er, ein „Hype“ zu sein, den Klang eines Porsches zieht er jeder Musik vor, Elektro braucht man nicht mehr und nicht früher als nötig: Solche Allüren kann man sich als Multimillionär auf seinem Anwesen oder beim Schlüren durchs hauseigene Museum leisten. Aber für den Platz an der Vorstandsspitze eines Unternehmens mit einer derartigen wirtschaftlichen und eben auch gesellschaftlichen Rolle wie VW fehlte dem Informatiker die Sensibilität für sozialen und politischen Wandel.

Trotzdem wäre es ungerecht, Müller nun mit Häme in Rente gehen zu lassen. Erst für Audi, als Chef des „A3“, später bei Porsche hat er viel geleistet. Bei VW diente er nicht zuletzt als „Übergangskandidat“ in die Post-Piech-Ära.

Sein offenkundiger Nachfolger Herbert Diess trieb schon bei BMW die Elektrotechnik voran, hat sich auch im VW-Vorstand dafür stark gemacht, inklusive einer hauseigenen Fertigung von Batterien. Viel wichtiger aber: Er gilt als fähig, neben wirtschaftlichen und technischen auch politische Zusammenhänge zu verstehen. Darauf kam es bei VW noch nie so an wie heute.

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