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03.04.2018, 16:15 Uhr KOMMENTAR

Weinlabel: Ziele höhersteckt

Kommentar von Nina Kallmeier

Das Etikett einer Flasche 2015er Riesling Kabinett halbtrocken aus der Lage Kiedricher Wasseros (Rheingau) ist mit dem Zusatz „Deutscher Prädikatswein“ versehen. Viele Konsumenten verstehen das komplizierte System der Weinbezeichnungen nicht. Der Deutsche Weinbauverband (DWV) möchte Ordnung und Struktur in das Nebeneinander der Systeme bei Qualitätsbezeichnungen von Weinen bringen. Foto: dpaDas Etikett einer Flasche 2015er Riesling Kabinett halbtrocken aus der Lage Kiedricher Wasseros (Rheingau) ist mit dem Zusatz „Deutscher Prädikatswein“ versehen. Viele Konsumenten verstehen das komplizierte System der Weinbezeichnungen nicht. Der Deutsche Weinbauverband (DWV) möchte Ordnung und Struktur in das Nebeneinander der Systeme bei Qualitätsbezeichnungen von Weinen bringen. Foto: dpa

Dirmstein/Bonn. Qualitätswein? Spätlese? Kabinett? Viele Konsumenten verstehen das komplizierte System der Weinbezeichnungen nicht. Der Deutsche Weinbauverband (DWV) möchte Ordnung und Struktur in das Nebeneinander der Systeme bei Qualitätsbezeichnungen von Weinen bringen. Ein Kommentar.

Fair gehandelt, biologisch angebaut, gentechnikfrei oder mit Qualitätssiegel der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft: Der Dschungel an Logos und Herkunftsbezeichnungen für Lebensmittel in Deutschland ist für den Verbraucher in vielen Bereichen unübersichtlich, wenn nicht gar undurchschaubar. Da ist der Weinanbau keine Ausnahme. Verbände und sogar einzelne Winzer haben ihr eigenes System zur Qualitätsbestimmung. Und während die Angabe Landwein oder Tafelwein Pflicht ist, sind unter anderem Rebsorte und Jahrgang freiwillig anzugeben.

Dass der Weinbauverband nun einen Vorstoß unternimmt, etwas Licht in den Etiketten-Dschungel zu bringen, ist daher aus Sicht des Verbrauchers zu begrüßen. Der Teufel steckt jedoch wie so oft im Detail: Für eine Vereinfachung muss das neue Weinlabel für Qualität und Herkunft die aktuellen Systeme ersetzen. Sonst wird es nur zusätzlich Verwirrung stiften. Dafür müssten jedoch alle Verbände und Winzer, die bislang ihr eigenes Süppchen kochen, an einem Strang ziehen. Hinzu kommt, dass ein neues System auch die durch das EU-Recht bestehende Vergleichbarkeit ergänzen sollte. Ein Alleingang des Weinbauverbands hilft also niemandem. Und für eine wirkliche Vereinfachung für den Verbraucher bräuchte es eine weltweit einheitliche Kennzeichnung. Schließlich wird nicht nur Wein von der Mosel getrunken.


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