Aktienkurs unter Druck Weiter Produktionsprobleme: Wird es eng für Tesla?

Von John Dyer

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Wagen des ersten günstigeren Tesla-Fahrzeugs, dem Model 3. Archivfoto: dpaWagen des ersten günstigeren Tesla-Fahrzeugs, dem Model 3. Archivfoto: dpa

Boston. Tesla hat sein Ziel verpasst, bis Ende März wöchentlich 2500 Model-3-Fahrzeuge herzustellen. Die Produktionsprobleme, ein tödlicher Unfall und ein Rückruf drücken auf den Aktienkurs.

Der amerikanische Elektroautohersteller Tesla produziert 2000 Model-3-Autos pro Woche. Angesichts der Produktionsprobleme der Vergangenheit eine beeindruckende Leistung. „Es war extrem schwierig, die Marke von 2000 Autos pro Woche beim Model 3 zu nehmen“, sagte Teslas Unternehmenschef Elon Musk. Aber die Stückzahl ist immer noch weitaus niedriger als die 2500 Autos, die Musk für Ende März anvisiert hatte.

Aktie im Sturzflug

Beim Model 3 handelt es sich um das erste Tesla-Auto für den Massenmarkt. Der Preis von rund 35.000 Dollar (28.400 Euro/33.400 Franken) liegt um die Hälfte niedriger als der anderer Tesla-Modelle. Die Verzögerungen bei der Produktion, ein Rückruf von Fahrzeugen des Models S und ein tödlicher Unfall mit einem Model X hatten in den vergangenen Tagen negativen Einfluss auf den Aktienkurs.

Am Montag schloss die Tesla-Aktie an der Nasdaq in New York bei 252,48 Dollar, was einem Rückgang von 5 Prozent gegenüber dem Vortag entspricht. Die Aktie liegt nun fast 30 Prozent unter ihrem Höchststand von Ende Februar dieses Jahres. Untersuchungen von Technologieunternehmen angesichts des Datenschutzskandals bei Facebook, die öffentliche Kritik von Präsident Donald Trump an der angeblichen Steuerhinterziehung bei Amazon und die Angst vor einem Handelskrieg mit China haben wahrscheinlich auch den Druck auf Tesla erhöht.

Am Optimismus von Musk ändert aber auch der Sturzflug nichts. „Das gesamte Tesla-Produktionssystem steht nun auf einem festen Fundament, was bedeutet, dass wir in der Lage sein sollten, eine kombinierte Produktionsrate von 4000 Fahrzeugen pro Woche zu übertreffen und schnell zu steigern.“ Im Januar sagte Musk, er wolle, dass Tesla bis zum Ende des zweiten Quartals dieses Jahres 5000 Autos pro Woche produziert.

Witze über finanzielle Lage

Am Montag hat Musk Berichten zufolge die Verantwortung für die Fließbandproduktion persönlich übernommen. Es wird noch gerätselt, ob die Arbeiter die Autos von Hand herstellten, weil Roboter und andere automatisierte Prozesse nicht funktionierten, wie es schon im vergangenen Jahr hieß. Am Sonntag hatte Musk noch anlässlich des 1. Aprils erklärt, dass „Tesla vollständig und völlig bankrott“ gegangen sei. „So bankrott, Du glaubst es nicht“, so der verfehlte Aprilscherz.

Dabei steht der Hersteller vor ernsten Problemen, die nicht zum Lachen sind. Das Unternehmen hat freiwillig 123.000 Fahrzeuge des Models S wegen eines Lenkproblems zurückgerufen, das in kalten Gegenden auftritt. Zum ersten Mal wurde das Problem durch die Korrosion eines Bolzens durch Streusalz im kanadischen Montreal verursacht. Die deutsche Robert Bosch GmbH übernimmt die Kosten für den Rückruf.

Behörde kritisiert Autobauer

Tesla steht auch bei den Behörden im Fokus, die einen tödlichen Unfall eines Models X im kalifornischen Mountain View am 23. März untersuchen. Der Fahrer hatte dabei den Autopiloten von Tesla genutzt und seine Hände nicht am Steuer. Er habe auch zahlreiche Warnhinweise ignoriert, die Kontrolle über das Auto zu übernehmen, so Tesla in einem Blogbeitrag vom 30. März. Durch diese Veröffentlichung hat sich Tesla den Unmut der untersuchenden Behörde National Transportation Safety Board (NTSB) zugezogen. „NTSB ist unzufrieden mit der Veröffentlichung von Untersuchungsinformationen durch Tesla“, erklärte deren Sprecher Christopher O’Neil.

Musk wies die Kritik zurück. „Bei allem Respekt für NTSB, aber NHTSA reguliert Autos, nicht NTSB, die eine beratende Funktion haben“, so der Tesla-Chef mit Bezug auf die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA). „Tesla veröffentlicht wichtige Unfalldaten, die die öffentliche Sicherheit beeinflussen, sofort und wird das auch in Zukunft immer tun.“


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