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02.04.2018, 18:15 Uhr VERGELTUNGSZÖLLE AUF US-WAREN

Handelskonflikt: Peking ist kein Unschuldslamm

Kommentar von Manuel Glasfort

Ein Arbeiter klettert auf Stahlprodukte auf einem Großhandelsmarkt für Stahl. Peking hat auf die US-Zölle auf Stahl und Aluminium mit eigenen Einfuhrabgaben reagiert. Foto: dpaEin Arbeiter klettert auf Stahlprodukte auf einem Großhandelsmarkt für Stahl. Peking hat auf die US-Zölle auf Stahl und Aluminium mit eigenen Einfuhrabgaben reagiert. Foto: dpa

Osnabrück. Der Handelsstreit zwischen den USA und China geht in die nächste Runde. Peking ergreift Gegenmaßnahmen – und ist doch alles andere als ein Unschuldslamm.

Es war abzusehen, dass die Führung in Peking die von Donald Trump verhängten Stahl- und Aluminiumzölle mit Gegenmaßnahmen kontern würde. Alles andere wäre aus Sicht der chinesischen Führung ein Signal der Schwäche gewesen.

Wenn China den USA allerdings Protektionismus vorwirft, ist das nicht mehr als ein schlechter Scherz. Die Freihandelsrhetorik ist durch und durch verlogen, tatsächlich ist Peking der eigentliche Protektionist. So wie sich das Reich der Mitte einst mit einer Mauer aus Stein nach außen abschottete, so schützt es heute seine Märkte mit hohen Einfuhrabgaben. Die durchschnittlichen Zölle Chinas übersteigen die der USA deutlich. Hinzu kommt, dass einzelne Märkte wie Banken, Hightechindustrie und die Digitalwirtschaft für internationale Investoren tabu sind. Zugleich subventioniert Peking seine Exporte. Trump hat also nicht Unrecht, wenn er Chinas Handelspraktiken als unfair rügt.

Nun versucht der US-Präsident, eine Änderung mit der Brechstange zu erzwingen – wohl kaum das richtige Werkzeug und noch dazu äußerst gefährlich. Das Eskalationpotenzial ist enorm. China ist nämlich nicht nur der größte Handelspartner der USA, sondern auch der größte Gläubiger des amerikanischen Staates. Und es ist unklug, sich mit seinem Finanzier anzulegen.


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