Kritik bleibt KMUs im Norden: 230 Millionen Exportumsatz durch Amazon

Von Nina Kallmeier

Kleine und mittlere Unternehmen nutzen den Versandriesen Amazon für ihr Exportgeschäft. Zahlen dazu hat Amazon nun vorgelegt. Foto: dpaKleine und mittlere Unternehmen nutzen den Versandriesen Amazon für ihr Exportgeschäft. Zahlen dazu hat Amazon nun vorgelegt. Foto: dpa

Osnabrück. Fluch oder Segen? Für viele Hersteller und Händler ist der Amazon Marktplatz mittlerweile ein Bestandteil der Online-Strategie – auch im Export. Allein kleine und mittlere Unternehmen aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg Vorpommern exportierten im vergangenen Jahr Waren im Wert von mehr als 230 Millionen Euro.

Als „große Chance für mittlere und mittelgroße Händler“ hat unter anderen Josef Sanktjohanser, Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), in einem Gespräch mit unserer Redaktion jüngst den Verkauf über Online-Plattformen insgesamt bezeichnet. „Für viele ist es auch schlicht zu aufwendig, gleich einen eigenen Online-Shop zu eröffnen.“Laut einer Mitteilung von Amazon nutzen allein in Niedersachsen Tausende kleine und mittlere Unternehmen (KMU) den Marktplatz des Internetriesen für Exportgeschäfte. Mehr als sieben Millionen Produkte exportierten sie über eine der 14 Internetseiten des Unternehmens an Kunden außerhalb Deutschlands und erzielten so einen Umsatz von mehr als 150 Millionen Euro. In Schleswig-Holstein betrug die Zahl der exportierten Produkte mehr als zwei Millionen, in Mecklenburg Vorpommern waren es 900000. Als Exportumsatz wurden 60 beziehungsweise 20 Millionen Euro erzielt. Spitzenreiter sind laut Amazon sowohl im Umsatz als auch bei der Zahl exportierter Produkte KMU in Bayern und Nordrhein-Westfalen. Auch die Zahl der Mitarbeiter, die KMU beschäftigen, um ihr Onlinegeschäft über den Amazon-Marktplatz abzuwickeln, gibt eine Studie der Wirtschaftsberatung Keystone Strategy wieder. In Niedersachsen sind es mehr als 6200, in Schleswig-Holstein über 2700, und in Mecklenburg-Vorpommern wird ihre Zahl mit mehr als 900 angegeben.

Bereits im Februar hatte Amazon Zahlen zum Exportumsatz kleiner und mittlerer Unternehmen insgesamt vorgestellt. Demnach exportierten sie weltweit Waren im Wert von 2,1 Milliarden Euro über das US-Unternehmen. Der Ökonom und E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein kritisierte diese Zahlen. „Mindestens 50 Prozent des angegebenen Exportvolumens erklären sich alleine aus den Ausfuhren, die nach Österreich und in die Schweiz gehen. Dort gibt es nämlich keine Amazon-Niederlassung“, sagte Heinemann gegenüber unserer Redaktion. Auch HDE-Präsident Josef Sanktjohanser äußerte Kritik an Internetmarktplätzen insgesamt. „Es gibt zwischen den großen Plattformunternehmen und den mittelständischen Händlern ein Ungleichgewicht in der Verhandlungsposition. Am Ende muss jeder Händler für sich abwägen, ob durch die Präsenz bei einer Plattform oder einem Marktplatz die Vorteile die Risiken überwiegen.“