Grüne: Armutszeugnis für Bundesregierung Lidl und Tierwohl-Initiative starten Kennzeichnung

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Hähnchenfleisch bei Lidl samt Haltungskompass (oben rechts) und Siegel der Initiative Tierwohl. Foto: LidlHähnchenfleisch bei Lidl samt Haltungskompass (oben rechts) und Siegel der Initiative Tierwohl. Foto: Lidl

Osnabrück. Ab heute gilt’s: Sowohl der Discounter Lidl als auch die privatwirtschaftliche Initiative beginnen damit, Haltungsbedingungen der Tiere auf Fleischverpackungen kenntlich zu machen. Die Grünen im Bundestag sprechen von einem Armutszeugnis für die Bundesregierung.

Wer künftig in der Tiefkühltruhe nach Geflügelfleisch sucht, der könnte auf der Verpackung ein kleines, gelbes Rechteck entdecken. Die Initiative Tierwohl – ein Zusammenschluss von Landwirtschaft, Verarbeitern und Handel – will ab sofort das Fleisch aus teilnehmenden Betrieben kennzeichnen. Den Auftakt macht unverarbeitetes Hähnchen- und Putenfleisch, ab Oktober soll laut Mitteilung auch bearbeitetes Fleisch folgen – also gewürzt oder mariniert.

Das neue Label mache den Kunden deutlich, dass sie „Geflügelfleisch von Betrieben kaufen, die mehr für ihre Tiere tun als vom Gesetzgeber vorgeschrieben“, teilt Initiative-Geschäftsführer Alexander Hinrichs mit. Die teilnehmenden 2200 Betriebe lassen den Tieren mehr Platz oder bieten Beschäftigungsmöglichkeiten. Dafür gibt es Extra-Geld aus einem Fonds, den der teilnehmende Einzelhandel speist. 545 Millionen Puten oder Hähnchen leben nach Angaben der Initiative in Tierwohl-Ställen.

In 3200 Filialen

Bislang hatte der Zusammenschluss stets auf eine Kennzeichnung verzichtet. Wie flächendeckend das neue Siegel bei Lidl, Aldi, Edeka oder Rewe eingesetzt wird, muss sich noch zeigen. Keine Angaben machte die Initiative bislang dazu, ob die Kennzeichnung auch aufs Schweinefleisch ausgeweitet werden soll.

Quasi parallel zur Initiative startet der Discounter Lidl heute einen eigenen Vorstoß, den sogenannten Haltungskompass. In allen rund 3200 Filialen in Deutschland soll ab heute unmittelbar auf der Verpackung erkennbar sein, wie gut oder schlecht es das Tier im Stall hatte.

Lidl setzt dabei auf ein vierstufiges System: Die eins steht für eine Haltung nach dem gesetzlichen Standard, die vier für Bio-Haltung. Kunden sollten bei einer „bewussten Kaufentscheidung“ unterstützt werden, hieß es dazu aus der Zentrale in Neckarsulm. Und: Langfristig soll alles Fleisch bei Lidl auf der Stufe 2 mit dem Namen „Stallhaltung Plus“ stammen, bedeutet: mehr Platz für die Tiere, Beschäftigungsmaterial und gentechnikfreie Fütterung.

Grüne kritisieren Bundesregierung

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter nannte es „ein Armutszeugnis, dass beim Thema Fleischkennzeichnung selbst der Handel weiter ist als die Bundesregierung.“ Union und SPD hätten jahrelang den Wunsch der Verbraucher nach einer Kennzeichnung ignoriert. „Dass nun Supermarkt-Ketten ihre eigene Fleischkennzeichnung einführen und dadurch ein Labeldschungel entsteht, ist nicht im Sinne der Verbraucher, sondern stiftet schlimmstenfalls nur Verwirrung“, sagte Hofreiter.

Er forderte von der Bundesregierung „schnellstmöglich“ einen Vorschlag, wie eine klare und verbindliche Kennzeichnung umgesetzt werden kann. Die neue Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte zuletzt bekräftig, ein staatliches Tierwohllabel einführen zu wollen. Mit Details hielt sie sich aber zurück. Schon ihr Vorgänger Christian Schmidt (CSU) hatte daran gearbeitet. Sein Vorschlag sollte allerdings zunächst einmal nur freiwillig sein. Der Koalitionspartner SPD hatte zwischenzeitlich ein Pflichtsiegel für Fleischverpackungen gefordert. Die FDP lehnt eine solche Kennzeichnung ab, es brauche kein „Staats-Fleisch“, so der agrarpolitische Sprecher Gero Hocker. (Weiterlesen: SPD spricht sich für verpflichtendes Tierwohllabel aus)

Das Siegel der Initiative Tierwohl. Grafik: ITW

Die Grünen haben indes sehr konkrete Vorstellungen, wie das staatliche Label aussehen könnte. Hofreiter: „Wir fordern eine 3-2-1-0-Fleischkennzeichnung – ähnlich wie bei den Eiern. So können Verbraucherinnen und Verbraucher auf einen Blick erkennen, ob sie Milch oder Fleisch von einer Kuh kaufen, die auf der Weide gegrast hat oder von einer, die das Sonnenlicht nie zu Gesicht bekam.“ (Weiterlesen: Was ist überhaupt gesunde Ernährung?)


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