2017 pro Kopf 59,73 Kilogramm Deutsche essen immer weniger (Schweine-)Fleisch

Von Dirk Fisser

Wie viel Wurst darf‘s sein? Foto: dpaWie viel Wurst darf‘s sein? Foto: dpa

Osnabrück. Die Deutschen essen immer weniger Fleisch. 2017 verzehrte jeder Bundesbürger im Schnitt noch 59,73 Kilo, zeigt eine Auswertung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Allerdings: Für den Rückgang des Gesamtverzehrs ist allein der mangelnde Appetit aufs Schwein verantwortlich.

Gerade noch 35,8 Kilo Schweinefleisch kam im vergangenen Jahr bei den Bundesbürgern auf den Tisch. Damit setzte sich der stete Abwärtstrend der vergangenen Jahre fort: 2007 lag der durchschnittliche Verbrauch bei 40,5 Kilo und damit gut 11,6 Prozent höher.

Hingegen erfährt Geflügelfleisch einen regelrechten Boom: In den vergangenen zehn Jahren stieg der Konsum um 15,7 Prozent und erreichte zuletzt 12,4 Kilo. Die Nachfrage nach Rind erholt sich kontinuierlich nach dem Zusammenbruch in der BSE-Krise. Fast zehn Kilo verzehrten die Deutschen vergangenes Jahr – plus 12,9 Prozent seit 2007. Andere Fleischarten wie etwa Schaf oder Ziege (0,57 Kilo) spielen fast keine Rolle bei den Essgewohnheiten. (Weiterlesen: In Deutschland wird immer weniger Schweinefleisch gegessen)

BLE-Präsident Hanns Christoph Eiden führt die Entwicklung auf veränderte Essgewohnheiten der Gesellschaft zurück. Er sagte unserer Redaktion: „Geflügelfleisch wird positiv gesehen, weil es fettarm ist. Damit kommt es den Ernährungswünschen eher entgegen.“ Zudem wachse der Anteil der Menschen in Deutschland, die aus religiösen oder anderen Gründen kein Schweinefleisch essen.

Deutsche essen zu viel Fleisch

Eiden erwartet, dass der Rückgang des Fleischkonsums anhalten wird. „Viele Menschen achten auf mehr Vielfalt und Ausgewogenheit in ihrer Ernährung. Damit kommen andere Lebensmittel neben Fleisch mehr ins Spiel.“ Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt ohnehin etwa halb so viel Fleisch wie die Deutschen tatsächlich essen: 300 bis 600 Gramm an Fleisch oder Wurst pro Woche sind demnach gesund. Eine wichtigere Rolle spielen beim Kauf laut Eiden auch Tierwohlaspekte. Die Qualität stehe zunehmend im Fokus der Verbraucher, „sie kaufen weniger, dafür aber qualitativ hochwertiger.“ (Weiterlesen: Wie viel Fleisch ist gesund?)

Grüne: Brauchen keine „industrielle Massentierhaltung“

Auch die Grünen sehen ein Umdenken in der Gesellschaft. Bundestagsfraktionsvorsitzender Anton Hofreiter sagte unserer Redaktion: „Bei vielen Deutschen steigt das Bewusstsein dafür, was für ein Fleisch sie essen und wie die Qualität ist.“ Deutschland brauche keine Ställe für Tausende Schweine und Zehntausende Hühner. „Wir fordern einen Ausstieg aus der industriellen Massentierhaltung in den nächsten 20 Jahren“, so Hofreiter.

Je weniger Fleisch die Deutschen essen, desto wichtiger wird der Export für die Hersteller. Den Selbstversorgungsgrad beim Schweinefleisch gibt das BLE beim Schwein mit 120 Prozent an. Das heißt: in Deutschland wird 20 Prozent mehr produziert als tatsächlich konsumiert. Bei Rind und Geflügel wird die heimische Nachfrage in etwa gedeckt. Eiden: „Der EU-Binnenmarkt und der Weltmarkt spielen eine wichtige Rolle. Auch bei sinkendem Verbrauch und Verzehr von Schweinefleisch in Deutschland gilt weiterhin, dass sie gute Absatzmärkte darstellen.“

Hanns-Christoph Eiden. Foto: BLE