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29.03.2018, 16:00 Uhr VW SETZT WEITER AUF DEN DIESEL

Neue Umtauschprämie: Sicherheit sieht anders aus

Kommentar von Norbert Meyer

Was hinten herauskommt, kann krank machen. Ein Volkswagen mit Abgaswolke. Foto: dpaWas hinten herauskommt, kann krank machen. Ein Volkswagen mit Abgaswolke. Foto: dpa

Osnabrück. Mit einer „Deutschland Garantie“ für freie Fahrt in die Innenstädte wirbt VW um neue Dieselkunden - und offenbart damit ein seltsames Politikverständnis. Ein Kommentar.

Der Diesel lebt und hat Zukunft - diese Botschaft sendet VW mit der Verlängerung der Umtauschprämie für alte Selbstzünder an die verunsicherte Kundschaft. Zwei Dinge macht der Konzern damit deutlich. Erstens: Beim größten Autohersteller der Welt vollzieht sich der Technologiewandel weiterhin nur langsam, obwohl er bereits seit der Aufdeckung des Dieselskandals vor zweieinhalb Jahren ein großes Thema ist. Zweitens: Der Einfluss von Kritikern wie etwa des Duisburger Professors Ferdinand Dudenhöffer auf das Kaufverhalten ist größer, als es sich die Wolfsburger Automanager wünschen. Dudenhöffer hat den Diesel schon fast totgesagt.

Aber so ganz überzeugt von der längerfristigen Überlebensfähigkeit des Diesels ist die VW-Spitze offenbar selbst nicht. Nur für die nächsten drei Jahre verspricht sie Käufern neuester Dieselfahrzeuge, dass diese auf alle Fälle mit einem Auto des Konzerns (notfalls einem auszutauschenden Neu- oder Jahreswagen) in deutsche Innenstädte fahren können. Danach könnte die Kunden schlimmstenfalls wieder eine neue Umtauschprämie erwarten. Dabei hat VW früher einmal damit geworben, besonders langlebige Autos zu bauen.

Die sogenannte Deutschland Garantie für freie Fahrt in die Innenstädte offenbart zudem ein seltsames politisches Verständnis der VW-Konzernzentrale. Schließlich hat jede Kommune, sogar Wolfsburg, das Recht, Bereiche für den motorisierten Individualverkehr zu sperren. Wenn es um die Gesundheit ihrer Bürger geht, haben Städte unter Umständen sogar die Pflicht dazu. Allzu sehr sollten Kunden auf das neue Versprechen des Branchenprimus also nicht vertrauen.


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