Hof Neyer in Tecklenburg-Ledde Wo Osterlämmer länger leben

Von Norbert Meyer


Tecklenburg-Ledde. Veganer müssen jetzt nicht weiterlesen, Liebhaber von Lammfleisch dürfen es. 2001 hat Familie Neyer in Tecklenburg-Ledde mit der Bio-Aufzucht von Texelschafen begonnen. Eine Tradition mit biblischem Ursprung.

Ein Stück vom Lamm gehört für viele Fleisch-Liebhaber zum Osterfest. Dabei geht es für sie um Genuss und nicht um Opfer wie im Alten Testament. Geopfert werden muss dafür dennoch das Leben der Tiere, die aber nicht mehr ganz so niedlich sind, wie ahnungslose Verbraucher glauben.

Im Stall des Hofs Neyer zeigt sich das. Dort gibt es Einzelbuchten, in denen Mutterschafe mit ihrem wenige Tage alten Nachwuchs stehen und Boxen, in denen etwas größere Lämmer an das Leben in Kleingruppen gewöhnt werden. Die meisten Muttertiere bekommen von Februar bis April ihre Jungen. Den größten Raum im Stall beanspruchen ausgewachsene Schafe und neun bis zwölf Monate alte Lämmer, die bald geschlachtet werden. Üblicherweise stehen sie Ende März schon auf der Wiese, aber dieses Jahr ist es zu kalt dafür. So passen auch die Border-Collies Jassie und Lia drinnen auf ihre Herde auf.

Das Meiste wird selbst vermarktet

Der Bioland-Hof Neyer ist ein klassischer Familienbetrieb mit drei Generationen unter einem Dach. Die Wurzeln der Neyers in Ledde lassen sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Vor gut 100 Jahren kaufte der Großvater des heutigen Besitzers Jörg Neyer (51) das Land auf dem Berg, wo sich damals die Windmühle befand. Jörg Neyers Ehefrau Ines (50) sowie die Söhne Daniel (21) und Jannik (18) arbeiten mit auf dem Hof.

Zu Ostern stellt sich die Familie wieder auf eine Vielzahl von Kunden ein, die frisches Lammfleisch kaufen wollen. Voriges Jahr seien sie „überrannt“ worden, sagt Daniel Neyer, der in Hannover Tiermedizin studiert. Er räumt ein, dass sich der Hofladen noch im Aufbau befindet. Allerdings seien die Neyers 2017 mit der Direktvermarktung „richtig durchgestartet“ und verkauften mittlerweile mehr als 60 Prozent ihres Lammfleischs selbst. 150 Tiere wurden 2017 vermarktet, im laufenden Jahr sollen es mehr als 200 werden. Im Sommer wird die Schafherde der Neyers insgesamt 300 Tiere umfassen.

Vater Jörg Neyer will sich daher bald voll und ganz seinem Hof widmen, den er bisher nebenberuflich betreibt. Mit der Bio-Aufzucht von Texelschafen hat er 2001 begonnen, ist Gründungsmitglied der Genossenschaft Biofleisch NRW und hat an diese anfangs alle Tiere verkauft. Heute haben sich in der Genossenschaft, der Geschäftsführer Christoph Dahlmann vorsteht, rund 100 landwirtschaftliche Bio-Betriebe aus Westfalen zusammengeschlossen. Den Hof der Neyers schätzt der im Artland lebende und selbst Schafe züchtende Dahlmann als einen Lieferanten von Schlachtlämmern, der stets „gute und gleichmäßige Qualität“ liefere.

Tierwohl besonders im Blick

Ines Neyer transportiert die Lämmer auf ihrer letzten Reise – mit dem Anhänger, entweder zum Schlachthof nach Ascheberg oder zur fünf Kilometer entfernten Schlachterei in Ibbenbüren-Laggenbeck. An Fahrten im Hänger seien die Schafe gewöhnt, sagen die Neyers. Schließlich würden sie damit von einer abgegrasten Weide woanders hingebracht. Überhaupt sei ihnen das Wohl der Tiere besonders wichtig. Sie würden nach Geschlechtern getrennt gehalten und nicht kastriert. Auf das Kupieren von Schwänzen bei Lämmern verzichten die Züchter ebenso wie auf Kraftfutter, das eine deutlich schnellere Aufzucht ermöglichen würde. Im konventionellen Bereich spricht man daher von Halbjahreslämmern. „Unsere Lämmer liefern eine ganz andere Fleischqualität“, sagt Jörg Neyer.

Zur Nachhaltigkeit gehört für Daniel Neyer auch die komplette Verwertung der Tiere. Weil Lammfleisch gesund sei, probierten es immer mehr junge Verbraucher im Sommer beim Grillen aus. So lassen sich etwa Rippchen und Koteletts vermarkten. Gemischt mit Teilen vom eigenen Geflügel – ein weiterer Schwerpunkt des Hofs ist die Bio-Haltung von Legehennen – lassen die Neyers auch Bratwurst vom Schaf herstellen.