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Neue SUV-Modelle BMW peilt weiteres Rekordergebnis an

Von dpa

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Im vergangenen Jahr stieg der Absatz bei BMW um 4 Prozent auf 2,5 Millionen Autos, der Umsatz um 5 Prozent auf fast 99 Milliarden. Foto: Armin WeigelIm vergangenen Jahr stieg der Absatz bei BMW um 4 Prozent auf 2,5 Millionen Autos, der Umsatz um 5 Prozent auf fast 99 Milliarden. Foto: Armin Weigel

München. Dieselkrise, Strafzölle, milliardenschwere Investitionen in Zukunftstechnik - die Autoindustrie hat mit Gegenwind zu kämpfen. BMW zeigt sich dennoch optimistisch. Die Razzia am Vortag in der Konzernzentrale war nur noch ein Randthema.

Trotz kräftig steigender Investitionen peilt BMW für das laufende Jahr einen Vorsteuergewinn mindestens auf dem Rekordniveau des vergangenen Jahres an.

Vorstandschef Harald Krüger sagte in München: „Wir erhöhen 2018 nochmals die Schlagzahl und streben das neunte Rekordjahr in Folge an.“ Wichtigster Treiber dabei sollen die neuen SUV-Modelle sein.

Die Razzia vom Vortag war auf der Bilanz-Pressekonferenz nur noch ein Randthema. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Verdachts auf manipulierte Abgas-Software bei 11.400 Dieselautos. Technikvorstand Klaus Fröhlich sagte, die Autos seien 2012 mit der richtigen Software verkauft worden, hätten bei einem Update 2014 aber versehentlich eine falsche Software bekommen. Auch auf dem Prüfstand hätten sich deshalb die Abgaswerte verschlechtert. BMW habe das Kraftfahrtbundesamt selbst informiert.

BMW verkauft gut die Hälfte seiner Autos in Deutschland und Europa mit Dieselmotoren. Weil sie weniger CO2 ausstoßen als Benziner, seien sie wichtig, um die EU-Klimavorgaben zu erreichen, sagte Krüger. Allerdings könne BMW auf demselben Fließband Benzin-, Diesel- oder Elektroautos bauen und deshalb sehr flexibel auf die Nachfrage der Kunden reagieren. Weil BMW bei Hybridfahrzeugen bereits Marktführer in Europa ist, konnten die Münchner den CO2-Ausstoß ihrer Flotte - im Gegensatz zur Konkurrenz - im vergangenen Jahr senken.

Ein Problem für die Klimabilanz ist allerdings die steigende Nachfrage nach SUVs und großen Luxusautos, die mehr Sprit verbrauchen. In diesen besonders profitablen Segmenten will BMW dieses Jahr zulegen: Die SUV-Coupés X2 und X4, der Roadster Z4 und das große 8er Coupé kommen neu auf die Märkte. Der neue X3 soll nicht mehr nur in den USA, sondern auch in Südafrika und China gebaut werden.

Damit will BMW zum einen den Rückstand auf Mercedes-Benz bei den Verkaufszahlen verkleinern. „Das ist das Rezept, um auch die Marke BMW 2020 wieder zur Nummer eins im Segment zu machen“, sagte Krüger. Zum anderen will Finanzvorstand Nicolas Peter mit mehr neuen und renditestärkeren Modellen die gewaltigen Investitionen in Modellwechsel, Elektroautos und autonomes Fahren bezahlen.

Der Aufwand für Forschung und Entwicklung werde dieses Jahr erneut um fast eine Milliarde auf rund sieben Milliarden Euro steigen, sagte Peter. Den Gewinn vor Steuern dennoch mindestens bei 10,7 Milliarden Euro zu halten, das werde „definitiv kein Sonntagsspaziergang“. Für das laufende Jahr kündigte er einen leichten Zuwachs bei Absatz und Umsatz an.

Im vergangenen Jahr stieg der Absatz um 4 Prozent auf 2,5 Millionen Autos, der Umsatz um 5 Prozent auf fast 99 Milliarden. Unter dem Strich stieg der Gewinn - auch dank US-Präsident Donald Trumps Steuerreform - sogar um ein Viertel auf 8,6 Milliarden Euro. Ein Drittel davon wird als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet, und die BMW-Mitarbeiter in Deutschland erhalten im Schnitt gut 9500 Euro Erfolgsbeteiligung.

Den möglichen Handelskrieg zwischen den USA und der EU sieht der BMW-Vorstand gelassen. Das Geschäftsmodell des Autobauers mit weltweit 19 Werken beruhe auf dem Freihandel, sagte Krüger. Aber BMW sei in einer besseren Lage als die Konkurrenz: BMW sei der größte Autoexporteur der USA und stehe dort samt Zulieferern für 70.000 Arbeitsplätze. Die anstehenden US-Zölle auf Stahl kosteten BMW einige Millionen.

Der größte Automarkt China marschiere am schnellsten Richtung Elektromobilität. „Unsere Zukunft ist elektrisch“, sagte Krüger. „Ich kann mir vorstellen, dass die Marke Mini langfristig elektrifiziert ist.“ Der erste E-Mini läuft nächstes Jahr in Oxford vom Band, der zweite soll in China gebaut werden - China kassiert auf Importautos 25 Prozent Strafzoll.

Leisen Spott hatte die BMW-Führung für den US-Elektroautobauer Tesla übrig, der der deutschen Autoindustrie lange als leuchtendes Beispiel vorgehalten wurde und jetzt seine Produktions- und Lieferziele krachend verfehlt hat. „Vielleicht beteiligen wir uns nicht am Wettlauf ins All. Aber wir liefern, was wir uns vorgenommen haben“, sagte Peter.

Zu der noch vor Juli erwarteten Fusion des Carsharing-Anbieters DriveNow von BMW mit dem Konkurrenten Car2Go von Daimler sagte Krüger nur: „Wir prüfen alle Optionen und haben alle Trümpfe in der Hand.“ Ziel sei „ein Rundum-Sorglos-Paket für die Kunden“. Bis 2025 wolle BMW als Mobilitätsdienstleister 100 Millionen Kunden haben. Das biete enormes Potenzial, „auch für unseren Geschäftserfolg“.


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