Ihr regionaler Stellenmarkt

Saisonale Zwangspausen Zu kalt zum Arbeiten – Wann gibt es Schlechtwettergeld?

Meine Nachrichten

Um das Thema Wirtschaft Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Schnee und Eis muss vom Stahl, damit der Beton abbindet. Manchmal zwingen Frost oder Stürme Bauarbeiter dazu, ihre Arbeit zu pausieren. Damit sie keine Gehaltseinbußen davontragen, gibt es mehrere Vorsorgeregelungen. Foto: imago/PEMAXSchnee und Eis muss vom Stahl, damit der Beton abbindet. Manchmal zwingen Frost oder Stürme Bauarbeiter dazu, ihre Arbeit zu pausieren. Damit sie keine Gehaltseinbußen davontragen, gibt es mehrere Vorsorgeregelungen. Foto: imago/PEMAX

Osnabrück. Kann über eine längere Zeit witterungsbedingt nicht gearbeitet werden oder fehlen aus saisonalen Gründen Aufträge, kann der Arbeitgeber für seine Mitarbeiter Saison-Kurzarbeitergeld beantragen. Wer hat einen Anspruch darauf und wie lange kann es bezogen werden?

Die winterliche Witterung zwingt viele Baubetriebe zu einer Zwangspause. Früher wurden die im Freien schuftenden Mitarbeiter dann oft entlassen und im Frühling wieder eingestellt. Manche Betriebe handhaben das heute noch so. Insgesamt gibt es jedoch weniger Winterarbeitslose als noch in den vergangenen Jahren, belegen Erhebungen der Bundesagentur für Arbeit. Um Angestellte vor einer saisonalen Arbeitslosigkeit zu bewahren, gibt es tarifrechtliche und gesetzliche Vorsorgemaßnahmen. Ein Überblick.

Tarifrecht: Ganzjährige Beschäftigung dank flexibler Arbeitszeit

In ihren Tarifverträgen haben viele Baubranchen das Prinzip der Vorarbeit festgeschrieben: Die Angestellten leisten im Sommer Überstunden, die in ihrem Arbeitszeitkonto gespeichert werden. Im Winter gleicht das Stundenguthaben die Ausfallzeiten aus. Das garantiert dem Mitarbeiter ein konstantes Einkommen. Er bekommt stets denselben Stundensatz bezahlt, egal ob er mehr arbeitet oder weniger.

Gesetz: Schlechtwettergeld und andere Zuschüsse

Als gesetzliche Maßnahme gegen Winterarbeitslosigkeit ist 1959 das Schlechtwettergeld eingeführt worden. Seit 2006 heißt es Saison-Kurzarbeitergeld, das der Arbeitgeber für seine Angestellten beantragen kann. Außerdem steht den Bauarbeitern in der Winterperiode Zuschuss-Wintergeld und Mehraufwands-Wintergeld zu. Wie der Anspruch auf diese Gelder geregelt ist, steht im Dritten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB III).

Wer kann Saison-Kurzarbeitergeld beziehen?

Einen Anspruch auf Saison-Kurzarbeitergeld haben sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der Wirtschaftszweige Baugewerbe, Gerüstbauer- und Dachdeckerhandwerk sowie Garten- und Landschaftsbau (Gala-Bau). Für Gerüstbauer gelten noch bis Ende März 2018 besondere Bedingungen.

Wie lange? Der Zeitraum, in dem Beschäftigte Saison-Kurzarbeitergeld beziehen können, beginnt am 1. Dezember und endet am 31. März. Das ist die sogenannte Schlechtwetterzeit.

Wann spricht man von einem witterungsbedingten Arbeitsausfall? Die Arbeiten können unterbrochen werden, weil Regen, Schnee, Frost, Nebel oder ein Sturm die Sicherheit der Arbeiter gefährden. Schon wenn eine Stunde am Tag die Arbeit eingestellt werden muss, spricht man von einem Ausfalltag.

Wie wird das Saison-Kurzarbeitergeld berechnet? Arbeitnehmer erhalten 60 Prozent des ausgefallenen Nettogehalts, Arbeitnehmer mit mindestens einem Kind 67 Prozent.

Woher kommt das Geld? Der Staat finanziert das Saison-Kurzarbeitergeld über die Arbeitslosenversicherung. Das heißt, die zuständige Agentur für Arbeit zahlt dem Arbeitgeber das Saison-Kurzarbeitergeld, das er seinen Mitarbeitern steuerfrei als Ausgleich für die ausgefallene Arbeitszeit überweist.

Nach dem SGB III stehen Betroffenen ergänzende Leistungen zu

Löst ein Mitarbeiter seine aus der Hochsaison im Sommer angesammelten Überstunden auf – und vermeidet es somit Saison-Kurzarbeitergeld zu beziehen –, bekommt er Zuschuss-Wintergeld von bis zu 2,50 Euro pro ausgefallener Arbeitsstunde.

Außerdem erhalten Mitarbeiter vorsorglich in der Schlechtwetterzeit 1 Euro mehr pro geleisteter Arbeitsstunde. Dieses Mehraufwands-Wintergeld können sie von 15. Dezember bis Ende Februar beziehen. Anrechnungsfähig sind allerdings nur 90 Stunden im Dezember und je 180 im Januar und Februar.

Darüber hinaus können sich Arbeitgeber in Baugewerbe-, Dachdecker- und Gala-Baubetrieben die Sozialversicherungsbeiträge für die Mitarbeiter, die Saison-Kurzarbeitergeld beziehen, erstatten lassen.

Branchenverband: Erfolgreiches Modell

Angesichts der rückläufigen Arbeitslosenzahlen habe sich das Saison-Kurzarbeitergeld als erfolgreiches Instrument erwiesen, berichtet der Zentralverband Deutsches Baugewerbe. Bei Mitarbeitern und Arbeitgebern genieße das Modell eine hohe Akzeptanz. Vor allem im Februar gebe es im deutschen Bausektor Zwangspausen und somit viele Kurzarbeiter. Doch dank der Verzahnung aus gesetzlichen und tarifvertraglichen Vorschriften können sie Einbußen vermeiden.

Jobs in der Kälte: Osnabrücker über Dachdeckerarbeiten im Winter


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN