Spitzentreffen in Hannover Nach US-Stahlzöllen: Importquoten gefordert

Von dpa

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Heiße Angelegenheit: Ein Salzgitter-Mitarbeiter in Schutzkleidung bearbeitet eine Stahlpfanne. Foto: dpaHeiße Angelegenheit: Ein Salzgitter-Mitarbeiter in Schutzkleidung bearbeitet eine Stahlpfanne. Foto: dpa

Hannover. In Niedersachsen denkt die Stahl- und Aluminiumbranche über geeignete Maßnahmen gegen die von den USA beschlossenen Zölle nach. Nach einem Spitzentreffen herrscht Einigkeit: Die EU soll Importquoten festlegen, deren Überschreiten dann mit Zöllen belegt würde.

Niedersachsens Stahl und Aluminiumindustrie befürchtet durch die angekündigten US-Zölle eine Umlenkung des Handels und damit eine Überschwemmung des europäischen Marktes mit billigem Importstahl. „Es werden dann mit sehr großer Wahrscheinlichkeit die nicht mehr in die USA exportierten Mengen Stahl ihren Weg nach Europa finden“, sagte der Chef des zweitgrößten deutschen Stahlherstellers Salzgitter, Jörg Fuhrmann, nach einem regionalen Spitzentreffen der Branche am Freitag in Hannover. Die EU-Kommission müsse entsprechende Handelsschutzmaßnahmen ergreifen und für bestimmte Länder Quoten festgelegen. Bei einer Überschreitung würden dann Zölle anfallen.

Auch der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff, sprach von einer massiven Bedrohung für die europäische Stahlindustrie und forderte EU-Reaktionen. Die nicht mehr auf den US-Markt gelangenden Stahlmengen könnten auf den EU-Markt drängen. „Das sind möglicherweise mehr als 13 Millionen Tonnen, das wäre eine Steigerung der Importmenge in Europa um 40 Prozent“, so Kerkhoff.

Auf Initiative von Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) hatten Vertreter betroffener Unternehmen, Verbände und Gewerkschaften knapp zwei Stunden über konkrete Auswirkungen und Konsequenzen für den heimischen Markt beraten. „Die Stahlindustrie und die Landesregierung sind sich einig, dass die Erhebung einer Importquote ein geeigneter Weg sein könnte, um mit den USA eine Verständigung über den weiteren Weg zu erzielen“, so der Minister, der von einem engen Schulterschluss aller Beteiligten sprach. Er will kommende Woche die klare Positionierung der Industrie in Brüssel verdeutlichen. Die USA seien der siebtgrößte Exportpartner des Stahlstandorts Niedersachsen mit seinen rund 14 000 Arbeitsplätze.

Die Beschäftigten in Niedersachsen seien in Sorge, meinte auch Thorsten Gröger von der IG Metall Niedersachsen. Es gehe nicht nur um die 14 000 Mitarbeiter der Branche, sondern auch um die gut 300 000 Beschäftigten in der verarbeitenden Industrie, die sich über eine mögliche Eskalation Sorgen machten. Das gelte gerade auch wegen der dann auf den Markt schwemmenden Überkapazitäten. Gröger: „Wir reden da von Größenordnungen, die allein der Jahresleistung von Ländern wie Japan, Frankreich oder Kanada entsprechen.“ Insgesamt sind von den US-Exporten eine Million Tonnen Stahl im Warenwert von 1,7 Milliarden Dollar betroffen, die dann nicht auf den US-Markt kommen würden.

Die Georgsmarienhütte, die jährlich für 70 Millionen Euro Waren in die USA liefert, teilt die Forderung nach einer europäischen Lösung. „Das, was wir hier diskutieren, gilt gleichermaßen auch für unsere europäischen Partner“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Frank Koch.

Eine Überschwemmung des EU-Binnenmarktes drohe jedoch weniger durch China als andere Anbieter aus Indien, Südkorea, der Türkei und der Ukraine, sagte Salzgitter-Chef Fuhrmann. „China ist nicht mehr das Hauptthema, das hat sich praktisch erledigt“, sagte er. Die direkten Folgen durch die US-Zölle seien überschaubar. „Sie sind nicht so, dass wir unsere Jahresprognose für 2018 ändern müssten“, meinte er.

„Wer droht, der wird verhandeln: Was falsch ist, auf der Bühne Weichheit zu zeigen, weil dann die Position im Verhandlungszimmer geschwächt ist.“ Der Gipfel habe schnell die hohe Einigkeit aller Beteiligten gezeigt. „Ich gehe hier sehr optimistisch raus“, sagte der Salzgitter-Chef.

Im besten Jahr seit Beginn der Finanzkrise 2008 erzielte der Stahlproduzent einen Gewinn vor Steuern von rund 238 Millionen Euro. An dem im Vergleich zum Vorjahr mehr als vervierfachten Überschuss will das Unternehmen seine Aktionäre mit einer deutlich höheren Dividende beteiligen. Fuhrmann und Finanzvorstand Burkhard Becker schlugen am Freitag eine um 50 Prozent gesteigerte Ausschüttung von 0,45 Cent pro Aktie vor. Größter Profiteur wäre das Land Niedersachsen, das mit gut einem Viertel größter Salzgitter-Aktionär ist. Dem Plan muss die Hauptversammlung Ende Mai noch zustimmen. Die Salzgitter AG beschäftigt nach eigenen Angaben 25 000 Mitarbeiter.


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